Man muss
So in der Regel, grundsätzlich
ersetze ich, wo’s geht, das „ich“
durch „man“ und dann zum guten Schluss
ergänze ich zum „man“ ein „muss“.
Denn „man“ bedeutet eher „du“.
Gehör’ ich zwar formal dazu,
so halt ich es schön generell
und klink’ mich lieber aus ganz schnell.
Mit „muss“ geb’ ich den sanften Stoß,
gemeint als „Ja, wer macht’s denn bloß?“
Ein Vorschlag wird dabei vermieden,
bin ich doch längst schon ausgeschieden.
Als ob ich es nicht besser wüsste:
Ich nutz’ nicht „muss“. Natürlich „müsste“
Der Konjunktiv für guten Ton,
denn „muss“ heißt harsch: „Nun mach’ es schon!“
Ich bin meist fair und lass’ die Wahl,
sag’ milde nur: „Man müsste mal…“
Die Fragen Wann, Warum und Wo
belass ich bei den an’dren so.
Jedoch wenn keiner reagiert
und meinen Wunsch nur ignoriert,
dann fühle ich mich tief verletzt
und fordere: „Man muss auch jetzt!“
2012
So ein Dreck. Am 21. Dezember geht die Welt unter und ich muss am 19.12. zur 12-Monats-Inspektion mit meinem Auto. So eine Geldverschwendung.
Ich bin dann gerade mitten in der Milchstraße (also eigentlich die Sonne, aber ich schließ mich da mal mit ein). Außerdem sagen die Maya „Finito“ oder zumindest „Alles neu“ (Die haben gut reden, haben sich ja rechtzeitig verdrückt). Und schließlich ein komfortabler Polsprung als Konsequenz mit allem Zipp und Zapp: Erdbeben, Vulkanen und ganz viel Wellen. Ich bin mir nicht sicher, ob mein Auto das mitmacht.
Emmerich hat sich ja rechtzeitig die Filmrechte an der Katastrophe der Katastrophen gesichert. Das geht bei Prophezeiungen ganz gut. So hat er noch was von den Milliönchen, die er mit „2012“ verdient hat, bevor es richtig losgeht.
Apropos Milliönchen: Wohin mit dem Ersparten in so kurzer Zeit? Gut, die Eurokrise wird schon mal ein bisschen vorarbeiten, um das Problem zu mindern. Aber in Immobilien investieren, wenn dann doch mitten durch das Häuschen ein Lavastrom wabert? Oder Gold? Schmilzt das nicht? Selbst Tagesgeld kommt mir mit der eintägigen Kündigungsfrist etwas gewagt vor. Dann doch lieber einfach verprassen. Nur für was? Für Weihnachtsgeschenke jedenfalls nicht. Und als fetter Urlaub käme ja nur noch Nepal in Frage. Als Strandurlaub wohlgemerkt. Nein, so kurzfristigen Konsumstress vertrage ich nicht mehr. Es ist nicht so einfach, das Leben noch mal in vollen Zügen genießen. Die Deutsche Bahn tut dafür aber weiterhin ihr Bestes.
Trotzdem eine schaurige Vorstellung, dass ein grünschleimiger Alien in 500 Jahren gelangweilt in meinem Sparbuch Sudoku spielt (genug freie Kästchen sind ja da), während er auf uns auf einem erkalteten Lavabrocken wartet. Und sein Kumpel beäugt irritiert die grinsende Micky Maus, die er aus der Sonde gekramt hat. Tja, „Versetzt“ würde ich sagen. „Da haben wir uns wohl knapp verpasst.“
Also vielleicht doch auf den Messias warten. Wobei ich da skeptisch bin, ob Guttenberg noch mal den Sprung vom EU-Datenschutzbotschafter zum Heiland schafft. Das Zeug für so eine Prise Erlösung hätte er ja, zumindest gefühlt. Aber als zukünftiger Bundespräsident (ab April, meine Schätzung) hat er wenig Zeit, um das Schloss Bellevue in einen heilbringenden Tempel umzubauen. (Heil = 100.000 „I like it“ bei Facebook)
So bleibt nur ein Ausweg: Samoa. Per Dekret den 30. Dezember 2011 nachholen und dafür den 21. Dezember 2012 ausfallen lassen. So trickst man die Maya am besten aus, denn die waren noch nie in Samoa. Oder vielleicht doch lieber den 19.12? Dann muss ich nicht zur Inspektion.
Bis dahin ein spannendes und zufriedenes Jahr euch allen!
10 kleine Zifferchen
10 kleine Zifferchen,
die wollten an die Macht.
Die 6 und 9 verliebten sich.
Da waren’s nur noch 8.
2 kleine Zifferchen,
die waren eine Zahl,
die 9 wollt’ immer vorne steh’n.
Da wurde es zur Qual.
8 kleine Zifferchen,
die waren so durchtrieben.
Die 0, die wurde rausgemobbt.
Da waren’s nur noch 7.
7 kleine Zifferchen,
die packte schnell die Gier,
1, 2, 3 in Unterzahl:
Da waren’s nur noch 4.
4 kleine Zifferchen,
die mussten Zwietracht streu’n.
Die 8 wollt’ nicht die Letzte sein.
Da holte sie die 9.
5 kleine Zifferchen,
die stritten sich entzwei.
Bei 5 und 7 ging das nicht.
Da waren’s nur noch 3.
3 kleine Zifferchen
die war’n vom Streit ganz ranzig,
verschmolzen dann zu Ziffermus.
Da waren’s 21.
21 Zifferchen,
die zählten 11 als Klon.
Sie meinten: „Jetzt ist’s auch egal!“
Da war es ’ne 1.000.000.
Wer hat mitgedacht? Hier geht’s zum Quiz:
Kotzhymne
Liebe Klartext-Redner, Ehrlich-Meiner, Wahrheits-Vertreter, Pseudo-Bohlens, Nicht-Rumpalaverer, Meine-Meinung-Sager,
oder wie ihr euch nennt, wenn ihr ungefragt das “sagt, was ihr denkt”, natürlich direkt ins Gesicht. “Sorry, ich bin eben ehrlich, ich muss das mal sagen”, meint ihr immer. Nein, müsst ihr nicht! Nur weil ihr von eurer Unzulänglichkeit ablenken wollt, heißt das noch lange nicht, dass euer spontan ausgeseiertes Hirnsekret irgendjemanden nützt.
Eure brüchige Wahrheit, die ihr euch mühsam um euch rumgezimmert habt, ist nicht gefragt, denn sie ist nur ein Abziehbild eures letztendlich vergeblichen Versuchs, euch am eigenen Schopf aus der großen Kloake zu ziehen. Ihr werdet nicht größer, weil ihr versucht, andere in die Senke zu stellen. Ein großes Missverständnis.
Ihr denkt, ihr seid offen. Vielleicht. Aber offene Mülltonnen gehören auch geschlossen. Aber ich war mal so gnädig und habe euch eine Hymne geschrieben (zur eigenen Verwendung):
***
Ich kotze dir gleich
frontal ins Gesicht.
Ich muss es, ich bin so direkt.
Das ist vielleicht hart,
doch Schuld bin ich nicht,
dass dir meine Kotze nicht schmeckt.
***
Die Wahrheit ist das,
noch nicht ganz verdaut,
wahrscheinlich noch mit etwas Biss.
Doch hätt’ ich für dich
sie ganz abgebaut,
genössest du jetzt meinen Schiss!
Immer geradeaus
“Immer geradeaus und gucken, was da los ist!” Das war das Motto von Donkys Flugschule an der Nordsee, wohin ihn sein Bruder Gonky auf einen seiner berüchtigten Kurztripps aus Bonn genommen hatte.
Dass Enten gute Flieger sind, ist unbestritten, sogar sehr schnelle. Aber dass er als plumper Erpel fünf Dutzend Möwen hinter sich versammeln konnte, war schon bemerkenswert. Möwen sind nämlich wahre Flugkünstler. Aber anders als wir, die ihre Manöver völlig überzogen als majestätischen Akt der Freiheit bewundern, sehen sie darin eher eine ziemlich dröge Fischsuche.
Als Donky jedoch sie in die urbane Kunst des Fliegens einweisen wollte (gegen Bezahlung von Muscheln, versteht sich), waren sie ganz Ohr. Denn Donky legt vor allem Wert auf das gekonnte Posen und die Landeier von Seemöwen wollten es sich nicht zweimal sagen lassen, dasss man damit die verachteten Kormorane beindrucken kann.
Das Erfolgsrezept urbanen Fliegens ist schnell erzählt: Losfliegen, mit ernsten Blick immer geradeaus, denn das sieht zielstrebig aus. Dann auf einer einsamen Insel abchillen und teilnahmslos paar Krabben vom Felsen kicken und dann wieder zurückfliegen. Ebenfalls geradeaus. Das ist sinnlos, aber man kann sich voll auf seine Wirkung konzentrieren ohne lästiges Drumrum wie Fressen zum beispiel. Das Schwierigste dabei ist jedoch, die verdutzten Heringe rechts und links außer acht zu lassen, vor allem weil diese so verdutzt sind, dass sie vor den Augen der Möwen von den Kormoranen abgefischt werden. Das ist herb für Möwen. Sie lieben Heringe, auf ihre Art.
Dieses Spektakel trotzte den Rivalen wenig Respekt ab. Das höhnische Gelächter der Kormorane kann man auch mit weiter Auslegung nicht dazurechnen. Nun ja, Donky sammelte eifrig Muscheln und das war für ihn das Wichtigste. Es gibt nämlich keine Muscheln bei ihm im Park und auch damit kann man Eindruck schinden.
Als es allerdings zur dritten Flugstunde ging (Diesmal war der Leuchtturm Opfer der Invasion), hatte Donky die Rechnung ohne Klara gemacht. Klara ist recht stürmisch und bewegte sich gerade mit Orkanstärke auf die Küste zu, wie es für Sturmtiefs so üblich ist.
Klara versetzte Donky einen sehr starken Linksdrall, was alles andere als geradeaus ist. Auch der coole, stumme Blick ging über in ein panisches Geschnatter. Und spätestens, als Donky den Leuchturm verfehlte und stattdessen mit einen quiekendem “Mama” die benachbarte Felsenwand runterflatterte, konnte man nichts Urbanes mehr erkennen. Die verdutzten Möwen schauten ihn auch nur an und warteten auf eine städtische Erklärung. Dies sei ein “Double-Halfslide-Diver” meinte Donky dann auch stotternd, aber Möwen haben sonst keinen Kontakt zur Skaterszene und konnten damit nichts anfangen.
“Und jetzt?”, fragte die Schar, während sie unten über die Wellen schwappten. Donky wagte sich nach dem Desaster jedoch nicht mehr in die Luft und ihm fiel nur ein folgenschwerer Vorschlag ein. Das ging nicht lange gut. Die Möwen verließen nacheinander heimlich die peinliche Szenerie, während sich die Kormorane an der Felsenkannte vor Lachen kugelten.
“Köpfchen in das Wasser, Schwänzchen in die Höh’” Das sollte den Möwen noch Monate nachhängen, denn heimlich Richtung offenes Meer zu entkommen, war nicht so einfach.
Tja, und Donky galt zwei Tage als verschollen, bis der Sturm sich gelegt hatte. Genug Zeit, dass die Möwen Donkys Muscheln wieder verärgert einsammeln konnten.
Klara verdammt wütend mit Nordsee:
Können Tiere lesen?
Ich werde in Fachkreisen öfter mal gefragt, warum die Tiere im Park eigentlich lesen können. Nun kann ich verstehen, dass Laien die Erforschung der Sprachevolution der Tiere nicht geläufig ist. Deshalb ein paar Worte zur Aufklärung:
Die weit verbreitete Meinung, dass Tiere nicht lesen können, hat ihren Ursprung in der kümmerlichen Intelligenz der Menschen, die sogar glauben, dass Tiere nicht sprechen können. Nur weil sie quaken, zwitschern oder zirpen, je nachdem, was ihre Anatomie gerade so hergibt, heißt das noch lange nicht, dass auf einem gemeinsamen Frequenzband nicht der menschliche Sprachcode mitschwingt. Oder genauer gesagt: der Fauna-Universal-Code für Kommunikation (kurz: FUCK), den sich die Menschen im Laufe der Evolution durch die natürliche Dauerbeschallung unterbewusst zu Eigen gemacht hatten, leider über die paar Jahrtausende hinweg sehr unvollkommen in ihr Sprachzemtrum übersetzt, wie die sinnlose, humane Sprachenvielfalt zeigt. Das Lesen ist dagegen nur ein läppisches Nebenprodukt für Tiere. Diese Fähigkeit ist angeboren.







Euer Senf