Posts filed under ‘Worte auf der Goldwaage’

Damals und heutzutage

Neulich traf ich einen Freund. Und mit neulich meine ich eine noch voll im Saft stehende Erinnerung, wie eine Perle auf meinem aktuellen Lebensstrang. Neulich gehört quasi noch zu heute, nur knapp neben vorhin.

Wir hatten uns lang nicht gesehen. Und wie das bei solch Treffen mit alten Freunden ist, folgte auf das neugierige Abklopfen der Gegenwart mit „Was machst du so?“ schnell das nostalgische „Weißt du noch?“, als wir gemeinsam in der alt vertrauten Musikkneipe zur dämmerigen Tanzecke schauten. Schon allein die Fragestellung deutet darauf hin, dass wir diese Ereignisse, die wir nun wie ein Puzzle im Dialog aufarbeiteten, ja auch vergessen hätten können. So lang ist es her. Das muss man sich mal vorstellen. Und damit nicht genug. Ja, wir nahmen das Wort tatsächlich mehrmals in den Mund: Wir sprachen von damals. Hiermit bekenne ich mich dazu, es benutzt zu haben. Ich bin ein Damals-Sager. Dieses Wort endete lange Zeit für mich irgendwo im Krieg oder knapp danach. Es war fest verbunden mit Schilderungen meiner Großeltern über die dramatische Zeit. Alles danach war eher vor ein paar Jahren, also mehr oder weniger direkt vor neulich. Ansonsten benutzte ich das Wort vielleicht noch für Diskussionen über das Mittelalter oder Napoleon.
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Juni 8 at 2010 7 Kommentare

Worte auf der Goldwaage: Spießer

Aus der Reihe "Worte auf der Goldwaage":

"Scheiß Spießer!" Gern geraunzt, wenn wieder ein selbsternannter Oberhausmeister die Flusen im Flur sucht oder ein aufgeregter Zettel über Sinn und Zweck von Parkverbotsschildern an der Windschutzscheibe hängt. Oder wenn einfach ein Beamter gesetzestreu den verdammten Bescheid nicht ausstellen will. Spießer. Ein Wort, das meiner Meinung nach viel zu inflationär benutzt wird. Nicht, weil ich um Himmels Willen eine Lanze für die oben genannten Querulanten brechen möchte, sondern wegen der verbogenen Selbstwahrnehmung vieler Nutzer des Wortes. Von wegen Steinen und Glashaus und so.

Vielleicht liegt das am verstaubten Bild eines Spießers: Der verhärmte Sechziger mit Blümchentapete und Kuckucksuhr, der missmutig hinter der Gardine ahnungslosen Mitbürgern mit Bagatellen auflauert, um seine in altmodischen Werten verirrte Unzufriedenheit aufgrund verpasster Gelegenheiten zu rechtfertigen, falls er nicht gerade seinen Benz schrubbt und Kindern dabei den Ball wegnimmt. Nach dem Motto: "Was ich nicht hab, dürft ihr auch nicht." …und all seinen Varianten.

Wikipedia bietet eine etwas allgemeinere Definition, die, wie ich finde, den Begriff  auf den Punkt bringt als

  • engstirnige Personen, die sich durch
  • geistige Unbeweglichkeit (Intoleranz),
  • ausgeprägte Konformität mit gesellschaftlichen Normen,
  • Abneigung gegen Veränderungen der gewohnten Lebensumgebung und ein
  • starkes Bedürfnis nach sozialer Sicherheit

hervortun. Keine Blümchentapete, keine Flusen, kein Benz. Übrigens auch kein Biedermann, der in Abgrenzung zur Reizfigur "Spießer" ganz harmlos nur als altbackender Langweiler mit entsprechenden Außenbild auftritt. Der Schlüssel zu einer neuen Definition eines Spießertyps sind die gesellschaftlichen Normen, an denen er sich orientiert. (mehr …)

Februar 25 at 2010 4 Kommentare

Worte auf der Goldwaage: Satire

Der erweiterte Begriff „Satire“ im allgemeinen Sprachgebrauch, insbesondere in Blogs und Foren:

  1. Alles, was ja nicht so gemeint ist, wie es ausgesprochen wird, nur ein bisschen: Satire.
  2. Lästereien, die einfach mal gut tun: Satire. (weil ja: siehe 1.)
  3. Witze auf Kosten anderer: Satire. (weil ja: siehe 1.)
  4. Kritik, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, aber dafür durch die Blume gesprochen: Satire.
  5. Zynismus: Satire.
  6. Rechtfertigungen von Satirikern, die beleidigt sind, wenn „gewisse Menschen“ ihre Satire nicht als Satire erkennen (weil ja: siehe 1.-4., was ja wohl klar war): Satire.

Juni 4 at 2009 3 Kommentare

Worte auf der Goldwaage: Gleichfalls

Aus der Reihe „Worte auf der Goldwaage“:

Wer „Gleichfalls“ sagt, hat es verpasst, rechtzeitig „Guten Appetit“ oder „Schönen Tag noch“ zu grüßen. Manchmal werden auch Komplimente verlegen mit einem „Gleichfalls“ erwidert, zum Beispiel „Gut sehen sie aus!“ oder „Hat mir wirklich Spaß mit dir gemacht“. Hier ist das „Gleichfalls“ aber noch peinlicher als die verpasste Gelegenheit, als erster nett zu sein. Allerdings macht auch der Ton die Musik: Ein souveränes „Gleichfalls“ klingt zumindest noch wie „Besser hätte ich es nicht formulieren können!“, ein gestammeltes eher wie „Äh…wollte ich auch gerade sagen…“. Ein legeres, aber verkrampft wirkendes „Dito“ macht die Lage nur noch schlimmer.

„Gleichfalls“ muss jedoch auch sorgsam eingesetzt werden. Hole ich mir abends 11 Uhr einen Frascati-Tetrapack an der 24-Stunden-Tankstelle, ist es einfach umpassend, dem Tankwart nach einem „Schönen Abend noch“ ein „Gleichfalls“ mit in die Nachtschicht zu geben. Komme ich zu spät zum Essen, sollte ich zunächst auf den Sättigungsgrad des Gegenübers zu achten, bevor ich ein Guten-Appetit-Wunsch beantworte. Zwei Erbsen sind selbst ein „Gleichfalls“ nicht wert.

In einem Fall ist „Gleichfalls“ absolut kontraproduktiv: „Ich liebe dich.“ muss unbedingt im Wortlaut beantwortet werden. Auch ein neckisches „Auch so.““ oder „Selber!“ hat hier nichts zu suchen. In diesem Sinne „Schönes Wochenende!“

Mai 9 at 2009 5 Kommentare

Worte auf der Goldwaage: Müssen

Müssen “ ist das verbalisierte Pendant zu „Man „. „Du  musst mal mein Fahrrad reparieren“ (Family) oder „Wir müssen wieder gemeinsam anpacken!“ (Politiker) oder „Ich muss leider jetzt gehen.“ (Freunde) ohne weitere Ausführungen klingt sehr konkret. Ist es aber nicht, denn niemand weiß: Warum eigentlich? Die Steigerung heißt „Man muss mal…“ oder extrem „Man müsste mal…“. Hier werden gleich drei Fragen aufgeworfen: Wer, warum und wann überhaupt? Also fast alle Fragen, die ein Satz beantworten sollte.

Deshalb plädiere ich dafür, dass „Müssen“ nur noch mit dem Zusatz „um…“ oder „damit…“ genutzt werden darf. Fest im Lehrplan verankert. „Wir müssen wieder gemeinsam anpacken, damit wir uns auch in drei Jahren noch eine Playstation leisten können“ wäre deutlich konkreter, für alle die sich in drei Jahren noch eine Playstation leisten wollen. Der Rest könnte sich beruhigt zurücklehnen.

„Ich muss leider jetzt gehen, um ‚Verstehen Sie Spaß…‘ nicht zu verpassen.“ ist auch eine deutliche Ansage, dass es hier deutlich langweiliger als beim Senioren-Kichern von Frank Elsner ist. Und „Du musst mal das Fahrrad reparieren, damit ich mich nicht auf die Schnauze lege.“ bietet auch viel mehr Spielraum für einen Aufwand-Nutzen-Vergleich.

Apropos „Aufwand-Nutzen“. Die Begründung von „Müssen“ durch „um“ oder „damit“ darf nur dann umgangen werden, wenn ein „weil sonst…“ folgt. Das klingt zwar auch sehr kausal, ist aber meistens nichts anderes als eine blumig formulierte Erpressung. „Du musst mir 50 € geben, weil ich sonst für nichts garantieren kann.“ klingt einfach schöner als „Kohle her, sonst gibt es was auf die Fresse!“. Es gibt vielleicht auch subtilere Beispiele.

April 26 at 2009 4 Kommentare

Worte auf der Goldwaage: Konsequent

Eine neue Folge aus der Reihe "Worte auf der Goldwaage ":

Es existieren drei Fälle, wann das Wort "konsequent" genutzt wird: In der Erziehung, bei der Karriere und bei den Vorsätzen zum neuen Jahr. Im letzten Fall wird auch oft das Gegenteil verwendet, das Wort "inkonsequent".

Machen die Blagen, was sie -aber definitiv nicht die Eltern- wollen, wurde sie nicht konsequent erzogen. Meistens meinen die Eltern, konsequenter zu erziehen, als Außenstehende das beurteilen. In diesem Fall liegt das Querschießen meistens am "Charakter des Kindes". Was konsequent ist, findet jede interessierte Mutter in pädagogischen Büchern. Väter lesen solche Bücher nicht, weil sie wissen, wie man erzieht. Sie haben auch meistens die besten Tipps für den Alltag, also der Zeit, bevor sie abends nach Hause kommen. Absolut unabdingbar muss jede angedrohte Konsequenz durchgezogen werden, auch wenn sich die überhitzte Angelegenheit längst abgekühlt hat. Rationales Handeln ist der Schlüssel zum Erfolg. Das sagt auch die Supernanny. Wer schnell seinen Bus erreichen muss und seine störrische Göre anfährt, dass "sie dann eben hier stehen bleibt", hat allerdings ein Problem, wenn sie dann eben hier stehen bleibt.

Konsequenz braucht ein Ziel, vor allem im Beruf oder für eine Berufung. Oder ein Ziel braucht Konsequenz … geht auch. Wer sein Ziel erreichen will, darf nicht weich werden. Alles was sich rechts und links anbiedernd offenbart und in Versuchung führt, bleibt liegen. Insofern heißt "konsequent" vor allem, greifbare Gelegenheiten auszulassen zugunsten eines diffusen Glückszustands am Ende des Weges. Und macht dieser Zustand dann doch nicht so glückselig, lässt sich immer noch ein neues Ziel definieren, im Notfall auch zurück. Meist liegt dann rechts oder links aber nichts mehr. Genau genommen engt "Konsequenz" also ein. Wer konsequent sein will, muss leiden. Dafür genießt konsequentes Verhalten höchste Anerkennung in der Gesellschaft, wenn es jemanden nicht selbst unangenehm betrifft. In diesem Fall wird "konsequent" auch "rücksichtslos" genannt.

Wegen seiner Akzeptanz wird das Wort immer öfter eingesetzt. "Folgerichtig" wird zum Beispiel gern ersetzt durch "Da ist es ja nur konsequent, dass…". Ansonsten wird das Wort ab und zu in der Politik genutzt, um Stärke zu demonstrieren, jedoch nur rein rhetorisch.

April 16 at 2009 7 Kommentare

Worte auf der Goldwaage: Man

"Man" ist alles nur nicht "ich" allein. "Man" heißt entweder, "alle, nur nicht ich " oder "alle, deshalb ich auch ". Oder "ich, deshalb du auch " (mit der Variante "Die ganze Welt, deshalb du auch ). Der Extremfall lautet "Du, ich eigentlich nicht ." Manche sagen auch "du" anstatt "man".  Allen voran Oliver Kahn. "Du must immer konzentriert sein im Tor!" Wer, ich? Wenn überhaupt "man" und das dann auch nur für Torhüter.

"Man" ist die beste Lösung, Verantwortung aus dem Weg zu gehen. "Man sollte mal…" heißt zum Beispiel oft "OK, wer fängt an? ". Oder hat jemals  "Man sollte sich mal wieder treffen ." zum Erfolg geführt? "Ich" auszusprechen, erschreckt einfach zu sehr, auch Nicht-Torhüter.

Der Klassiker: "Das macht man nicht!". Das ist die Mutter des Gewissens. Das tumbe Gefühl der Ohnmacht oder die Aufforderung, genau das Gegenteil zu machen. Und beides aus einem Grund: Man kennt "man" nicht (Da war es wieder…). "Man" ist das ausgesprochene Überich. Das Wort in diesem Sinne ist Gift. Die Steigerung dieses Universal-"man" bedeutet "die ganze Welt ". Dagegen ist gar kein Kraut gewachsen, höchstens wenn ich erwidere: "Warum eigentlich?".

Es existiert jedoch noch eine Killer-Variante von "Man sollte mal…". Die schlimmste Variante ist nämlich das subtile "man" als Aufforderung. Bedeckte Offenheit. Die Menschen, die das Wort so infiltrieren, fühlen sich komischerweise überproportional oft missverstanden und haben es meistens mit unsensiblen Leuten zu tun. Es bedarf einfach auch höchster Einfühlsamkeit in die Hirnwindungen und Seelenströme dieser Unverstandenen, um ein "Man sollte mal…" als "Mach mal!" oder ein "Man sollte ja nicht.." als "Das war aber doof von dir! " zu interpretieren.

Man hat es schon schwer mit dem "man"!

April 3 at 2009 12 Kommentare

Heutzutage

Nun habe ich ja schon einige Worte und Phrasen (Zum Wohl , Mahlzeit , Aber-Und   und Werter als Anrede) durchleuchtet. Alle sind mehr oder weniger gebräuchlich. Ein anderes Wort war bis vor einiger Zeit bei mir nie genutzt, jetzt aber schon und das macht mir Angst: Heutzutage!

Das Pendant zu "Heutzutage" lautet nämlich "Damals" und das ist ganz lange her. Solange her, wie seinerzeit (auch ein schönes Wort) meine Großeltern an Vergleiche zur Vorkriegszeit zurückdachten, wenn sie sagten "Heutzutage ist alles ganz anders…".

Wenn ich "Heutzutage" benutze, heißt das meistens, dass sich etwas ganz, ganz stark geändert hat. So stark, dass ich es nicht mehr verstehe. Meistens schimpfe ich dabei auch ganz fürchterlich. Und das alles ist sehr bedenklich. Halte ich mich doch für einen weltoffenen, dynamischen, flexiblen Vierziger, der auf Höhe der Zeit lebt und die Lage im Blick hat (und die Jugend heutzutage). Mit diesem Wort entlarve ich mich aber selbst. Ich gehöre nämlich nicht zu "Heutzutage". Mit 15-30 Jahren war das noch ganz anders. Da sprachen andere über mich, wenn sie mit einem "Heutzutage…" ihre Ratlosigkeit ausdrückten.

Ich fühle mich zumindest nicht allein gelassen mit dem Begriff. Er nimmt an Stellenwert im Umfeld zu. Vielleicht nicht im Wortlaut, aber auch "Ich erinnere mich noch, als…" oder "Inzwischen ist ja…" sind ein verkapptes "Damals" oder "Heuzutage" . Das beruhigt und schafft Gesprächsthemen. Ist ja auch wichtig.

Man muss sich eben anpassen. Man wird ja auch nicht jünger. (Die nächste Folge von "Das Wort auf der Goldwaage" dreht sich um das Wort "man".)

März 27 at 2009 10 Kommentare

Mahlzeit!

Das verstehe ich bis heute nicht. Da trödle ich verloren in der Firma auf das Klo und was höre ich? „Mahlzeit!“. Nun, das mag ja im weitesten Sinne dazugehören, aber sagt man das nicht vor dem Essen? So als kollegialen Ersatz von „Guten Appetit!“ vielleicht? Kollegen begrüßen sich mittags mit „Mahlzeit“, oder verabschieden sich sogar mit der Floskel. Also wenn sie in die Mittagspause gehen, um es deutlich zu sagen, quasi so als Ankündigung „Ich geh‘ dann mal was essen!“. Oder soll das eher eine Erinnerung sein?. „Jo, stimmt, bis dann!“, antworte ich dann auch meistens nur.

Am liebsten würde ich bei derartigen Grüßen beim Verlassen -ja Verlassen- der Kantine erst einmal aufklären. „Ja selbstverständlcih, gerne doch: Das Fleisch war gut durch, nur die Kartoffeln waren etwas von der Soße ertränkt. Beim Salat sollten Sie die Gurken aussortieren. Die Schale ist doch recht hart….“. Der Gruß muss doch eine Aufforderung gewesen sein, definitiv. „Guten Appetit!“ kann es ja nicht heißen, oder denkt der Kollege, ich hätte meinen Latz im Büro vergessen? Der Gruß überlebt auch wirklich nur anderthalb Stunden lang. Wenn ich zum Beispiel wegen Besprechungen erst um halb zwei essen gehe, wo die meisten schon gesättigt vor dem PC lümmeln, wird mir meistens ein „Guten Appetit!“ mit auf den Weg gegeben. Warum denn jetzt plötzlich das? Ist „Mahlzeit!“ nur von 11:45 -13:15 Uhr reserviert?

Mein Kollege hat immer die passende Antwort parat. Er erwidert einfach „Halbzeit!“. Das wird direkt überhört, bis man zehn Sekunden später ein irritiertes Stirnrunzeln registriert.

März 20 at 2009 9 Kommentare

Zum Wohl (2)

Wenn ich in mir teils fremder Gesellschaft das Glas hebe, weiß ich nie was ich sagen und machen soll. „Prost“ klingt so spelunkenmäßig, „zum Wohl“ sagen meine Eltern, „Cheers!“ wirkt etwas weltmännisch protzig. Und zu warten und dann auf „Prost“ einfach mit „Prost“ zu antworten, finde ich zu einfallslos, ein „Dito“ dagegen pseudolustig. Manchmal zwinkere ich dann nur zu. Bei der Wahl eines „Auf die, den oder das…“ muss auch was Sinnvolles folgen. Mir fällt da meistens nur „die Zukunft“, „den schönen Abend“ oder „die Liebe“ ein.  Schlimmer noch, wenn jemand etwas vorgibt wie zum Beispiel „Auf dass wir öfter so nett zusammensitzen!“ oder andere peinliche Gesprächslückenfüller. Muss ich das dann wiederholen? Oder nicke ich nur wohlwollend und murmele „Ja, ja!“?

Anschließend gleich die nächste Herausforderung: Stoße ich an oder hebe nur das Glas? Wenn einer anfängt, muss jeder mit jedem seine Gläser klingen lassen. Stimmt doch, oder?  Das muss anscheinend eisern durchgezogen werden. Aber wenn ich anstoße, darf ich mich dann über Kreuz mit anderen Anstoßern über den ganzen Tisch beugen? Bei 8 Leuten müsste man übrigens insgesamt 7+6+5+4+3+2+1 mal anstoßen, also 28 x. Da ist das Essen schon kalt.

Und dann noch dieser Zwang zum Augenkontakt. Das ist doch kaum zu schaffen ohne Rotweinflecken. Zur Strafe gibt es dann bekanntlich sieben Jahre schlechten Se.xx . Ich hab schon 154 Jahre zusammen, fragt sich nur mit wem.

Am liebsten würde ich, sobald die Gläser gefüllt sind und das Essen auf dem Tisch steht, einfach ohne viel Palaver gleich losspachteln…Ich glaube, ich mache mir gerade unnötig Gedanken…

März 5 at 2009 10 Kommentare

aber und und oder aber-und

Während der letzten zwei Tage bildete ich mich fort. Und da waren sie wieder:

Die „Aber „-Sager. Nicht nur, dass allein schon das „aber “ nach langer Einleitung alle entnervt in ihre Stühle einsacken ließ. Die lange Einleitung vor dem „aber “  könnten sie eigentlich direkt weglassen. Das sind auch meist die „Grundsätzlich Aber „-Sager.

Und es gibt die „Und „-Sager. Diese entwickeln eine Idee weiter. Das ist meistens konstruktiv, manchmal wäre aber ein kurzer „aber „-Satz besser zu kaschieren als ein langer „und „-Monolog, den man nur mal loswerden wollte. Schon allein in wertvollen Minuten gemessen.

Schließlich gibt es noch die „Aber-und „-Sager. Also diejenigen, die „und “ sagen, aber „aber “ meinen. Ungefähr so: „Das ist ja eine klasse Idee und man müsste ja nur blablabla blablabla blabla bla tun, damit sie auch tatsächlich sinnvoll wirkt.“ Mit anderen Worten: „Was für ein Mist. Das wird doch nie was!“. Die raffinierteste Variante.

Februar 4 at 2009 13 Kommentare

Werte Blogger

„Hallo“ ist zu platt, „Sehr geehrte“  zu förmlich und „Liebe“ verkennt den Ernst meiner Botschaft. Also nutze ich manchmal „Werte Kolleginnen und Kollegen“ als Anrede in einer Mail an einen größeren Verteiler und krame so ein fast vergessenes Wort wieder raus. Eigentlich, weil mir kein besseres einfällt. Jetzt kommt mir  in meinem kurzen Bloggerdasein immer öfter das Revival dieser Anrede unter die Augen.

Die Blogwelt ist ja etwas komplizierter als die Foren-Welt. In Foren ist man ja sofort per Du. Ob mit Eltern, Schottland- oder Hifi-Fans. Man kennt sich. Allein schon, weil man den selben Tick hat. In Blogs muss man erst mal abtasten. Wird hier das distanzierte „Sie“ bevorzugt oder geht es kumpelig zu? Am besten erstmal im Passiv schreiben.

Bei höflicher „Sie“-Kultur nutzt man „Werte(r)“ praktisch als literarische Aufwertung des Nicknames. Und im Vergleich zu meinen Kollegen nicht nur im Plural sondern als direkte Anrede, quasi als pietätvoller Ersatz des schnöden @. Auch ich bin schon angesteckt. Die Anrede leitet meinen Kommentar einfach schon auf hohem Niveau ein.

Also, werte Blogger, danke ich für die Anregung und nehme dieses Kleinod der Linguistik wieder in meinen Wortschatz auf.

Höflichst

Ihr Donkys Freund

P.S.:  „Kleinod“ war das „bedrohte Wort des Jahres 2007“.

Dezember 10 at 2008 14 Kommentare


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  • Willkomen in der verrückten Welt von Donky, der Ente, und seinen Freunden!
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  • Stand der Abenteuer in der Kategorie (Sidebar): Stand der Dinge
  • Die Handfiguren sind im Text mit einem Link hinterlegt. Bei >Click< wird in einem neuen Fenster der Charakter vorgestellt. Alle kompakt unter: Akteure
  • Per Mouse over im Beitrag erhält man eine Kurzbeschreibung der Charaktere im Kästchen.

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