Posts filed under ‘06. Kurzgeschichten’

Mitten im Leben (Kurzgeschichte)

Was darf ich bringen?“, fragte der junge Kellner.
„Hi, was geht ab?“, rief Sven. Als die Bedienung nur stumm lächelte, zeigte mein ehemaliger Schulkamerad auf den Nachbartisch. „Was ist denn das da mit der Zitrone?“
„Corona, mexikanisches Bier.“
„Nehm’ ich eins, man soll ja nie aufhören zu lernen, gell?“ Er schlug mir auf die Schulter und lachte laut.
„Für mich ein Pils, bitte!“, sagte ich.
Nach ein paar Floskeln über Wetter, Verkehrslage und Bierpreise klatschte Sven in die Hände. „So, erzähl’! Du siehst ein bisschen müde aus. Schon vor einer Woche auf der Abi-Party. Was hast du die letzten 25 Jahre so gemacht?“
Sven kam immer gleich zur Sache. So auch, als ich ihm im Suff den Termin in der alten Tanzkneipe zusagen musste. Die Nostalgie hatte mich kurz übermannt.
„Och, Im Augenblick hat mich der Job gut im Griff, aber sonst eigentlich…“
„Ah ja, ich glaub’ ich weiß es!“ Sven unterbrach und zeigte mit wippenden Zeigefinger auf mich.
„Was weißt du?“ Ich zog die Augenbrauen hoch.
„Warum du so müde aussiehst. Du bist in der Midlifecrisis, stimmt’s?“
„Nö, eigentlich bin ich ganz zufrieden. Sind eben nur paar…“
Sven ließ nicht locker. „..unerfüllte Träume? Du, da musst du weg von. Ich sage mir immer. Gestern war gestern. Heute ist heute. Du musst dich akzeptieren, wie du bist!“
Das hatte ich auch mal gelesen, fragte aber nach: „Du hast keine Träume?“
„Doch schon, denke ich“, grübelte Sven, „aber…“ Er schaute zur Decke, während ich ihn erwartungsvoll ansah, wenn ich nicht gerade mein Bier entgegennehmen durfte.

„…aber man muss ja nur nicht gleich nach Kanada ziehen. Das ist doch was für Spinner. Man ist dann nur auf der Flucht vor sich selbst. Man muss sich nur ein bisschen Freiraum schaffen. Das heißt ja nicht, dass man das Rad gleich neu erfinden muss.“ Ich dachte noch nach, ob er mit man jetzt alle, Mann oder sich selbst meinte, als er weiter ausholte.
„Pass auf! Ich habe zu Kerstin gesagt: ‚So Schluss jetzt. Unten im Keller kommt das ganze Zeug raus.’ Braucht eh’ keiner mehr. Und dann habe ich losgelegt. Estrich neu, gefliest und dann Billardtisch und Bar rein. Du weißt doch noch damals in den Freistunden an der Schule?“ Ja, ich erinnerte mich gut. Sven beherrschte sogar, den Queue hinter dem Rücken zu bedienen. Der Weg der Kugel war da unwesentlich. (mehr …)

Oktober 5 at 2011 Hinterlasse einen Kommentar

Andere Perspektive

Ja, glotz’ nur. Aber du kannst lange warten. Ich komme nicht raus. Hier, schau, ich tanze sogar für dich. Denn jetzt bin ich sicher. Tja, und du kannst nur blöd deine Runden ziehen.

Wie viele meiner Freunde hast du auf dem Gewissen? Feige aus dem Hinterhalt. Sie waren noch so jung, konnten sich kaum entfalten. Mörder! Wann bist du endlich satt?

Warum verfolgst du mich erst jetzt? Vorher hast du doch auch keine Notiz von mir genommen. Was habe ich dir getan? Gut, ich habe mich als auffälliger entpuppt, als du vielleicht dachtest. Aber ist dies Grund genug, mich so zu jagen?

Mein Lieber, hier ist für dich Schluss! Hier bleibe ich erstmal. Von hier werde ich meine Fühler ausstrecken, um zu sehen, wie es weitergeht. Und zwar ohne dich! Du kannst mir nicht ewig auflauern! Komm’ doch und hol dir ne blutige Nase! Du kriegst mich ni…

Hey, wer ist das denn? Ich muss mich verstecken. Ab hinter die Gardine! Ich falle! Hilfe, ich kann mich nicht bewegen. Lass mich los! Du engst mich ein! Ich will hier bleiben, hörst du? Ich sehe nichts. Wo bin ich?

Nicht doch, nicht doch! Warum wirfst du mich raus? Was magst du nicht an mir? Kein Schutz weit und breit. Schnell weg hier. Da vorn ins Dickicht. Gleich, nur noch ein paar Meter. Ich taumle. Oh, bitte nicht! Ich taumle. Erbarm…

„Mama, hast du den Schmetterling gerettet?“
„Ja, Nina, hinter der Scheibe hätte er nicht lange überlebt.“
„Hast du ihm auch nicht weh getan?“
„Nein, man muss nur vorsichtig seine Flügel von hinten zusammendrücken. Dann gehen sie nicht kaputt, weil er nicht flattern kann. Am besten, wenn er sitzt. Dann die Hand als Schutz davor und zur Tür tragen.“
„Schön, jetzt ist er frei!“
„Nina, guck’ mal, eine Schwalbe auf unserem Fensterbrett!“
„Oh toll, Mama. Sieht aus, als ob sie lächelt, oder?“

Juni 8 at 2011 2 Kommentare

Die Heintzelmennchen

„Teppiche werden gesaugt und nicht gewischt!“, schrie ich in den Keller. „Und das eins klar ist: Ich habe das letzte Mal auf dem Sofa geschlafen. Wehe, ihr lüftet noch einmal bei Unwetter mein Schlafzimmer! Nie! Am besten überhaupt kein Fenster mehr aufmachen, wenn ich weg bin!“ Ich bückte mich und las entnervt den allmorgendlichen Zettel, der wie üblich auf der Treppe lag: „Sory für das blöde Ding mit der Dusche. Wir haben den Schlauch wider festgeschraubt. Dafür jetzt auch Badezimmer sauber, toll nich? Fiel Spass noch. Die Heintzelmennchen, Angesehn und ungenehm“. Ja, das war am Tag zuvor. Ich erinnerte mich noch genau, als mir der Duschkopf bei eingeseiftem Kopf auf die Nase fiel und das Wasser aus dem Schlauch stattdessen ganz hemmungslos den Duschvorhang überwand. Dass der Duschkopf blitzte wie noch nie, erkannte ich leider zu spät. Ich musste immer auf der Hut sein, seitdem sich die Heinzelmännchen bei mir breit gemacht hatten.

Eines Tages waren sie da, ungebeten. Ich hatte noch nicht einmal eine Telefonnummer. „Auf schöne Zeit zusammen, die Heintzelmennchen, Angesehn und ungenehm“, entdeckte ich früh um 8 Uhr auf einem Wisch gekritzelt, als ich den Kaffee gerade in die Spüle spuckte. Es hätte mich stutzig machen müssen, dass ich selbst gar keinen Kaffee aufgebrüht hatte. (mehr …)

Januar 25 at 2011 2 Kommentare

Über kurz oder lang

Kurz nachdem sich Feuer und Gas im unbändigen Bombardement rasant zu einer Kugel geformt hatten und nichts mehr aus ihrer giftigen Hülle entkommen ließen, sank die Temperatur. Die feurige Glut verkrustete in Folge, und das Wasser konnte sich auf seinem Weg aus Dampf und Eis zu Ozeanen vereinigen und das Festland aus dem brüchigen Boden lösen. Irgendwo am Meeresgrund verbanden sich im Anschluss ein paar Moleküle.
 
Noch nackte Kontinente warfen Falten auf ihrer Reise um den Globus, während sich im Wasser gerade die erste Zelle teilte und damit ihren vielfältigen Siegeszug einleitete. So bedurfte es nur noch ausreichenden Sauerstoffs, um zügig über Wogen stetigen Auf- und Ablebens Land und Luft zu erobern. Nachdem die kaltblütigen Riesen unvermittelt ihren Platz für Säuger räumen mussten, entfachte plötzlich eine noch unbedeutende Spezies in vollem Bewusstsein das erste Feuer, obwohl sie doch kurz vorher erst stehen konnte.
 
Mühsam gemeißelte Pfeilspitzen wurden von ihr zunächst von Geschossen, dann von Tasten ersetzt. Gewaltige Maschinen verdichteten sich schnell auf die Größe eines Fingernagels, doch als die letzten Eisberge nach Süden trieben, der große Regen einsetzte und der erste Kontinent im flammenden Inferno verlassen war, setzte sofort der Untergang der noch jungen Kultur ein.
 
Eis folgte der Glut und Glut folgte dem Eis. Wechselnde Lebensformen besiedelten wechselnde Klimazonen, bevor der Heimatstern seinen Todeskampf begann. Die verbliebenen Pflanzen lechzten nach Kohlendioxid und Meere versiegten zu Salzwüsten, als auch die letzten Nachfahren der aufrechten Urahnen der sterbenden Sonne unterlagen und der einst blaue Ball schließlich wie eine Sternschnuppe im roten Riesen verpuffte.
 
Und irgendwann mitten in dieser kurzen Episode setzte sich ein Buchfink auf die Schulter eines kleinen Jungen, der sogleich wie gebannt auf den Knien verharrte und die Luft anhielt, denn er wünschte sich gerade nichts sehnlicher, als dass der unerwartete Besuch noch einen Moment blieb.

Januar 14 at 2011 Hinterlasse einen Kommentar

Die Schaukel

Nur bis knapp unter die Uhr. Mehr ging beim besten Willen nicht. Ich hatte es nie geschafft, die Rathaustür zu erblicken. Dafür konnte ich schaukeln, so hoch ich wollte. Auf der Wiese hinter dem Feld vom Bauer Enke hing die Schaukel an einer einsamen Buche. Ich habe bis heute keine Ahnung, wer sie dort befestigt hatte. Regelmäßig fuhr ich mit meinem Bonanza-Rad auf einem schmalen Feldweg aus unserem Dorf, allein oder mit Freunden. Alles war so vertraut. Von den zwei Zaunpfählen, die als Tor herhalten mussten bis zu Bauer Enke, der es gar nicht mochte, wenn wir das gesammelte Altpapier direkt neben seinem Feld anzündeten. (mehr …)

Januar 3 at 2011 Hinterlasse einen Kommentar

Klassentreffen

„Ich hoffe, mein Unterricht hat Ihnen was gebracht“, bemerkte mein ehemaliger Deutschlehrer mit fast bettelndem Blick.
„Klar, ich spreche immer noch deutsch“, meinte ich verlegen.
Er bohrte tiefer. „Und Faust?“
„Habe ich auch noch, sogar zwei.“ Ich ballte selbige in den Taschen und räusperte mich. ‚Jetzt bloß nicht auf’s Sonett oder Werthers Leiden kommen’, dachte ich, ‚dann wird’s peinlich.’
Lehrer auf Klassentreffen sind wirklich arme Schweine, wenn sie erkennen müssen, dass das Resultat ihrer aufopferungsvollen Arbeit in den Niederungen der hintersten Gehirnwindung ihrer Ex-Schüler verschollen ist. Aber auch ich hatte wenig Lust, dies gleich schonungslos zu offenbaren.
„Ich muss dann mal“, sagte ich und zeigte auf das WC.

Gerade inhalierte ich beim Durchatmen den WC-Stein vor mir, als sich Herr Reimer neben mich stellte. Seine grauen Haare waren inzwischen weiß.
„Was macht der Pythagoras?“, fragte er schmunzelnd zum Einstieg.
Ich hielt unverrichteter Dinge inne. „War…war der auch in unserer Stufe?“, stotterte ich und scannte mein Gedächtnis nach ausländischen Mitschülern. Herr Reimers Blick verfinsterte sich.
„A Quadrat plus B Quadrat gleich C Quadrat, meine ich, wissen Sie das nicht mehr?“
Ich schluckte und errötete. „Ach so, doch, klar, aber ich arbeite mit Excel.“
„Den kenne ich jetzt nicht.“ Er seufzte und ergänzte: „Manchmal weiß ich nicht, für was ich das eigentlich gemacht habe.“
Schnell schloss ich meinen Reißverschluss und versuchte zu trösten:
„Kurvendiskussionen gehören zu meinem täglichen Ritual.“ Ich dachte da zwar mehr an mein letztes Gespräch mit Martin über Sandra und Yvonne, aber ich stahl mich mit einem flüchtigen Winken schnell aus der Toilette, bevor sich Herr Reimer für gezielte Rückfragen komplett entleert hatte. (mehr …)

November 17 at 2010 8 Kommentare

Der erste freie Feldlauf

Neue Runde in Donna’s Schreibprojekt. Diesmal wurde der Anfangssatz „Niemand hatte damit gerechnet“ vorgegeben.

Der erste freie Feldlauf

Niemand hatte damit gerechnet. Da war er sich sicher, so oft wie sie ihn übersehen hatten. Nur weil er keine Beine hatte, wie er meinte. Gefesselt blickte Kolumbi die goldene Dose empor. Mit glänzenden Augen kroch der Holzwurm die Trophäe hoch, schaute über die große Wiese und wartete. Vor ein paar Tagen war er buchstäblich meilenweit von diesem Triumph entfernt gewesen…

„Ich stürze mich jetzt vom Ast!“, rief Kolumbi in die Menge. „Aber weint nicht um mich!“ Der Holzwurm lugte vom Kastanienbaum in die Tiefe. Die anderen Tiere, die sich aus dem ganzen Park versammelt hatten, tuschelten aufgeregt. „Aaaah!“, schrie der Wurm und ließ sich fallen, bis er federnd ins Gras plumpste. Während er langsam erkannte, dass der Sprung doch nicht so lebensbedrohlich war wie gewünscht, tuschelten die Tiere munter weiter. Mühsam rappelte er sich auf und seufzte. Noch nicht mal seinen Tod hätten sie zur Kenntnis genommen. Stattdessen war ihnen sogar eine Pappe am Nachbarbaum wichtiger, die schon minutenlang für regen Gesprächsstoff sorgte.
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Oktober 23 at 2010 12 Kommentare

Nussknackerrevolte

„Kennen wir uns?“

„Allerdings!“

„Und woher, bitte? Ich stehe gerade auf dem Schlauch, sorry.“

„Ich bin dein Nussknacker!“

 Tatsächlich, die verschlissene Uniformjacke, die halb offen den Blick auf das graue Brusthaar freigab, kam mir bekannt vor und der Kerl mit dem verfilzten Zauselbart hatte ein wirklich ausgeprägtes Gebiss, aber wer rechnet an einem Sommerabend um neun Uhr schon mit seinem Nussknacker vor der Haustür? Zumal ich ihn von Weihnachten her viel schmuckvoller in Erinnerung hatte.

 „Entschuldigung, aber sind Sie nicht in der Adventskiste im Keller?“, fragte ich skeptisch.Der Mann schob mit der Hand sein zotteliges Haar zur Seite und schaute mit stechendem Blick von der Treppe zu mir hoch. „Sag mal, glaubst du im Ernst, ich hänge das ganze Jahr in einer Schachtel rum, nur weil du Weihnachten für beendet erklärst?“, rief er unwirsch.

„Jetzt mal langsam…“ Ich fühlte mich etwas überrannt. „Weihnachten hui und der Rest des Jahres pfui, oder was?“, legte er nach und biss in den Briefkasten. „Okay, okay, kommen Sie erstmal rein“, versuchte ich die Lage zu beruhigen. Der Nussknacker erhob sich von der Treppe. Ich schaute mich verstohlen um und erkannte zu meinem Schrecken, dass mindestens ein Dutzend Fahrradklingeln um die Räder vor dem Haus verstreut lagen. „Waren Sie das?“, flüsterte ich. „Klar, oder sehen Sie hier irgendwo Nüsse, die ich stattdessen knacken kann?“ keifte meine Weihnachtsdekoration und schüttelte mit dem Kopf. Schnell schloss ich die Tür auf und schob ihn die Treppe hoch in meine Wohnung. 

Der Nussknacker lümmelte sich sofort auf mein Sofa. „Schon besser!“, meinte er süffisant. Ich pfefferte meine Schlüssel und meine Jacke in die Ecke, stampfte auf ihn zu und holte aus: „Mein Lieber, so geht das nicht. Nussknacker knacken nur im Dezember, klar?“ – „Wer sagt das?“, konterte er und ich sackte gleich wieder zusammen. „Äh, alle. So macht man das im Advent!“, sagte ich kleinlaut. Mein Gegenüber biss unvermittelt die Stehlampe ab. „So, ‚man’ also. Und das ist ab heute eben anders! Schluss mit der engen Verschachtelung. Ich verlange eine ganzjährige Aufenthaltsgenehmigung im Wohnzimmer. Mit Nüssen!“ Wimmernd hob ich den Lampenschirm auf und ließ mich schlapp in den Sessel fallen. „So, wie Sie aussehen“, fiel mir nur ein. „Was denn, auch noch Ansprüche! Du hast mich die letzten Monate doch vernachlässigt, schon vergessen?“ Der abgehalfterte General drehte seinen Kopf zu den Musikboxen. „Was is’n das?“ – „Nichts, gar nichts“, erwiderte ich hastig. Ich sprang auf und stellte mich vor die Boxen. „Na gut, na gut. Nächste Woche stelle ich Sie hinten auf den Schuhschrank im Flur, hübsch unter die Sonnenblume“, winselte ich, in der Hoffnung, ihn mit der sommerlichen Option für den wenig prominenten Platz einlullen zu können.  „Auf den Wohnzimmertisch. Heute“, entgegnete der Nussknacker forsch, „mit Spitzendeckchen und Nüssen! Oder…“ Das Horrorbild diverser angeknabberter Möbelstücke vor Augen knickte ich endgültig ein: „Ja, ja, ja, meinetwegen, ich hole Sie nur morgen früh aus der Kiste, damit ich Sie putzen kann. So widerlich wie jetzt stelle ich Sie nirgendwo hin.“ Schweigend sah mich der ältere Herr an. „Gebongt! Dann bis morgen.“ Er stand auf und verließ ohne ein weiteres Wort meine Wohnung Richtung Keller. Leise fluchend lehnte ich mich an die Wand und starrte eine gefühlte Stunde lang auf den Tisch. Ich konnte mir schon die Kommentare meiner Freunde vorstellen. „Ach so, du wurdest gezwungen!“, würden sie sagen und sich vor Lachen auf dem Teppich kugeln.

 Meine trostlosen Visionen wurden erst durch ein ohrenbetäubendes Getöse unterbrochen. Ich stürzte zum Fenster und riss es auf. „Ruhe!“, zischte ich nach unten. Ein unrasierter Jüngling setzte seine Trompete ab und schaute durch seine blond gesträhnten Haare erwartungsvoll zu mir nach oben. Seine Augen leuchteten im Gegensatz zu seinem verdreckten Gewand, das ursprünglich wohl mal weiß gewesen war. „Okay, komm rein!“, seufzte ich nur und drehte mich zur Wohnungstür.

Oktober 1 at 2010 4 Kommentare

Vierloch

Es war ihm egal, dass ihn gerade ein Kronkorken überholte und ihn dabei unsanft an den Bordsteinrand drückte. Es war im auch egal, dass er dabei gerade durch einen dreckigen Altölfilm geschwemmt wurde. Und selbst, dass der Rinnsal des Platzregens ihn Zentimeter für Zentimeter auf den dunklen Abgrund des Straßengullys trieb: Völlig egal. Und Vierloch war sonst nie etwas egal gewesen. Ganz im Gegenteil. Vierloch war Vierloch. Der Vierloch und kein anderer, obwohl mit der die Aufschrift „Vierloch, perlmutt, glänzend, 1000 Stk.“ auf der Plastikdose – hier übersetzt ins Deutsche – alle Insassen gemeint waren. Vierloch meinte jedoch, die anderen wären nur ungebetene Gäste in seiner Dose gewesen. Aber von vorn, in Taiwan, weit weg von der trostlosen Vorstadtgosse: (mehr …)

September 10 at 2010 4 Kommentare

Pagalinis Morgenstunde

Start frei für meinem zweiten Beitrag zu Donnas Schreibprojekt bei „Donna schreibt!“. Wieder wird ein Anfangssatz für eine Geschichte vorgegeben. Diesmal: „Von Leidenschaft zu sprechen, war vielleicht nicht angemessen…“

Pagalinis Morgenstunde

Von Leidenschaft zu sprechen, war vielleicht nicht angemessen. Zu lustlos spulte Pagalini seine Liederliste ab. Kein Vergleich zu Zeiten, als die Amsel noch von der höchsten Tannenspitze weit und breit mit virtuosen Melodieläufen ihr Revier verteidigte. Die Artgenossen verstummten dann lieber und übten zunächst irgendwo im Maisfeld, um sich nicht zu blamieren. Pagalini war der Herr der Wipfel und Schornsteine, der Popstar unter den Amseln, was den Staren natürlich überhaupt nicht gefiel. Und selbst die Krähen standen etwas früher auf, um verzückt den Morgensonaten zu lauschen, obwohl sie selbst nicht den Hauch eines musikalischen Talents besitzen. Er genoss seinen Ruhm. Aber jetzt? Nein, leidenschaftlich war das monotone Geträller wirklich nicht. Nur noch laut. Und vor allem früh!

Zu früh für Donky, den Erpel, der nur ein Meter entfernt von Pagalini in sein Gefieder reinmeckerte. Er mochte Amseln noch nie, auch keine leidenschaftlichen. Er mochte niemanden, der ihn um 5 Uhr morgens weckt und vor allem nicht direkt neben seinem Ohr. Aber was blieb ihm anderes übrig, als das dröge Gepiepe Pagalinis zu erdulden, das nur noch an schlecht programmierte Handy-Klingeltöne erinnerte? Denn Donky bekam immer kalte Füße, wenn er in sicherer Entfernung im Schilf döste wie die anderen Enten. Also schlief er auf dem kuschelig mit Moos bedeckten Baum mitten im Park. Der Preis dafür war jedoch hoch und kostete drei Stunden Schlaf. (mehr …)

Juni 26 at 2010 10 Kommentare

Tauchfahrt nach Elin

Schreibprojekt von Donna: Sie gibt einen Anfangssatz vor und die Teilnehmer schreiben ihn als Geschichte weiter. Kreative  Sache, wie ich finde! Diesmal zu: „Perfekt, alles lief wie am Schnürchen…“

Tauchfahrt nach Elin

Perfekt! Alles lief wie am Schnürchen.
Das Boot lag am Rand des Teiches und Donky, die Ente, war auch schon vor Ort, um Red zu Wasser zu lassen. Tage lang hatte der Marienkäfer sein U-Boot vorbereitet. Die Etiketten von dem kleinen Schnapsfläschchen hatte er für eine einwandfreie Rundumsicht sorgsam abgeraspelt und den Verschluss mit etwas Kaugummi aus dem Abfallkorb abgedichtet. Eine kleine Feder steckte als Ruder im Verschluss und ließ sich leicht von innen bedienen.

Alles war fertig für den größten Tauchgang in der Geschichte des Parks: Der Expedition nach Elin. Red, der große Entdecker! Seine Artgenossen lachten ihn aus: „Elin? Das ist doch ein Märchen! Und gerade du willst es finden?“ Sie lachten ihn eigentlich immer aus. Red hatte nämlich keine Punkte auf seinem Rücken. Punkte sind aber sehr, sehr wichtig für Marienkäfer. So dachten es jedenfalls die Genossen mit Punkten, denn eigentlich haben die Punkte wenig Sinn und es ließe sich als Marienkäfer auch wunderbar ohne sie leben. Das sah Red zwar auch so, nur die anderen leider nicht. „Stimmt gar nicht!“, keifte er schnippisch zurück, „Elin gibt es, basta!“ Er hatte eine Mission, er alleine. Wie immer.

Die Legende von Elin, der gewaltigen Arena, versunken auf dem Grund des Ententeiches, war so alt wie der Park selbst. Tausende Insekten hätten einst auf der kreisförmigen Tribüne Platz gefunden, um Wettkämpfe zu bejubeln und ihre Helden zu feiern, nachdem diese unter großen Verlusten die Seile der verhassten Spinnennetze gekappt hatten. Auf der kleinen Anhöhe im Wald soll das Amphitheater gethront haben, nicht weit von der Straße, bevor Riesentrolle es entwurzelt und in den See gekippt hatten. Hunderte Ameisen ertranken nach der Krönungsfeier ihrer Königin. So wurde es seit Generationen jedenfalls überliefert. Und eine Generation dauert bei Insekten gar nicht mal so lang. Da kommen in ein paar Jahren viele Generationen zum Überliefern zusammen. Einige Kaulquappen meinten sogar, Elin schon mal gesehen zu haben, aber wer glaubt schon Kaulquappen? Kaulquappen finden Insekten-Theater auch ziemlich langweilig, so dass sie auch nicht weiter nachforschten.

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Mai 29 at 2010 19 Kommentare

Kitty, die Kettensäge

„Das muss doch nicht sein!“, schimpfte mein Sohn Jan, als Kitty das erste Mal bei uns nach einem Tropfen Öl fragte. „Du hast ja den ganzen Zaun von Nachbarn niedergemäht!“ – „Ach, habe ich gar nicht gemerkt“, erwiderte die Kettensäge kleinlaut. Und ‚kleinlaut’ war bei ihr ohrenbetäubend, so strotzte sie vor Kraft.

Kitty, die Kettensäge, erledigte einen Jägerzaun tatsächlich im Vorübergehen. Auch eine Allee musste sich nach ihrem Besuch als halbe Allee zufrieden geben. Sie konnte einfach keinen Baum links liegen lassen, oder sagen wir besser ‚stehen lassen’.

„Hey, Moment mal“, könntet ihr jetzt einwerfen, „eine Kettensäge kann doch nicht einfach spazieren gehen, so ganz alleine!“ Das stimmt normalerweise auch. Das gilt aber nur für diejenigen, die es noch nicht ausprobiert haben und sich lieber willenlos derben Holzfällern und eifrigen Hobbygärtnern fügen. Aber es gibt immer wieder mal Sägen, die entdecken, dass das Leben mehr bietet außer halbtote Fichten und langweilige Hecken. Und Kitty wollte viel neues Holz entdecken. Das könnt ihr glauben! So knatterte sie eines Tages einfach aus dem Geräteschuppen unseres Försters direkt durch die geschlossene Tür davon.

Kein Gartenstuhl war vor ihr sicher und Geländer schon gar nicht. Die Carports in unserer Umgebung waren als Garage nur noch für besonders flache Cabrios geeignet und vor Weihnachten lagerte niemand mehr seinen Weihnachtsbaum auf dem Balkon. Wer will auch schon einen geschredderten Haufen Nadelholz schmücken? Und je härter das Holz, umso besser! Wir können nur von Glück reden, dass Menschen so weiche Beine haben.

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Mai 17 at 2010 2 Kommentare

Sosa und die singenden Sardinen

Ihr meint, Fische können gar nicht singen? Dann kennt ihr die Geschichte des Sardinenschwarms halblinks hinter Island irgendwo auf halber Strecke zum Nordpol nicht.

Was war das für ein Leben dort so halblinks hinter Island. Harmonisch schwammen tausende von Sardinen dicht gedrängt durch Felsbögen oder Algenteppiche. Bog eine Sardine spontan nach links ab, machten die anderen völlig unfallfrei mit. Und hatte tatsächlich ein Exemplar die Idee einer kompletten Kehrtwende: Warum nicht? Und da niemand wusste, wer die Idee eigentlich als Erster hatte, gab es auch keinen Chef. So ein Schwarm ist wirklich eine praktische Sache.

Sosa schwamm gerne außen. So konnte sie mehr sehen als mitten im Schwarm. „Sag mal, Mira, hast du Gunther gesehen?“, rief ihr ein Nachbar zu, als sie gerade eine kleine Melodie flötete. „Ich bin Sosa, aber ich glaube Gunther schwimmt heute ganz hinten, Joe“, antworte Sosa. „Ach, ich dachte, das wäre Udo“, sagte Yve, die gar nicht Joe hieß, erstaunt. „Nein, der schwimmt doch direkt vor dir“. Sardinen verwechseln sich ziemlich regelmäßig, eigentlich immer. Macht aber auch nichts, denn man sah sich sowieso recht selten in der riesigen Masse. Fröhlich summte Sosa ihr Lied weiter, denn sie liebte Wassermusik.

Dort halblinks hinter Island war das Sardinenleben noch unbeschwert, denn merkwürdigerweise waren weit und breit keine Raubfische zu sehen. Vielleicht lag es an der etwas abseitigen, geschützten Vulkanlage weit neben der Hauptströmung oder auch an der Überfischung von Thunfischen zum Beispiel. Was gut für die Sardinen war, hatte nämlich gewaltige Nachteile für die Räuber, die viel zu oft als Pizzabelag enden. Aber da diese Sardinengruppe gar keine Pizza kannte, schwamm sie einfach munter durch die Gegend. Bis Bud kam!

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Mai 4 at 2010 2 Kommentare

Bloggeraufgabe: Doofente auf Reisen (3)

Renee gab mir den Auftrag, eine Fortsetzungsgeschichte weiterzuschreiben (Ursprung Mrs. Karibale aus dem PP 2010). Ich war mal so frei und habe der Geschichte einen (offenen) Namen gegeben, da nicht alle das PP 2010 kennen (mich bisher eingeschlossen). Na dann:

Was bisher geschah:

Doofente will über den großen Ozean, Verwandte besuchen, weiß aber leider nicht, wie man schwimmt. "Zuerst schwimmen, dann Ozean", meinte seine Mama sinngemäß. Doofente sucht am Teich jemanden, der ihr hilft…

…" Hallo", rief die Doofente über das Wasser, "wie kann ich schwimmen?" Stille. "Ach, schade, dann werde ich wohl doch im Ofen landen, wie es mir Moritz, die Katze, vorhersagt. Na ja, ist zumindest warm.", seufzte sie. "Einfach reinspringen!", tönte plötzlich eine Stimme vom Teich. "Dann geht alles von selbst". Doofente sah sich überrascht um. "Wer ist da?" Auf dem Teich dümpelte eine leere Cola-Flasche, aber sonst war niemand zu sehen. "Guck mal, ich wurde ins Wasser geworfen und seitdem wippe ich hier einfach rum", sprach die Flasche, was für Flaschen äußerst ungewöhnlich ist.  "So einfach geht das?", freute sich Doofente. "Klar, spring einfach!", ermutigte die Cola-Flasche den Vogel. Nach einem etwas holperigen Anlauf vom Zaun plumpste das Federvieh in den Teich. Und wie es sich für eine Ente gehört, steckte sie erstmal das Köpfchen in das Wasser. Allerdings  streckte sie nicht wie geplant das Schwänzchen in die Höh, sondern schluckte stattdessen einen Liter Algenbrühe. Und gleich noch einen weiteren ein paar Meter tiefer. Fatalerweise können Cola-Flaschen nämlich gar nicht reden. "Sind alle Enten so bekloppt?", quakte eine Kröte im Schilf und schüttelte kichernd den Kopf. "Na ja, klang schon wirklich echt. Du so als Cola-Flasche", antwortete ihr Nachbar. "Wo ist sie denn jetzt?", sagte er neugierig und lugte durch die Blätter. Die andere Kröte zuckte mit den Schultern. "Ähm. Keine Ahnung!"

Wie diese dramatischen Ereignisse weitergehen, würde ich gern (inklusive Foto, wenn möglich) von Paleica wissen.

Um den Faden nicht zu verlieren, könnte man eine Liste bisheriger Autoren als "Kurzüberschrift-Link" kopieren und fortführen:

März 25 at 2010 11 Kommentare

Das wunderbare Weihnachtsbuch

Anton klopfte sich den Schnee von der Jacke. „Schau mal, was ich gefunden habe“, rief er und warf die Tür hinter sich ins Schloss. Ferdi blickte erstaunt auf das Buch, das ihm Anton entgegenstreckte. „Das große Weihnachtsbuch“, las Ferdi langsam mit geneigtem Kopf vor und zog die Augenbrauen hoch. „Was ist denn das?“ – „Ich weiß es nicht. Es lag auf einem Baumstumpf mitten im Wald und fiel mir sofort ins Auge. Kein Mensch weit und breit. Nur ein paar winzige Fußstapfen führten vom Buch in den Wald“, erklärte Anton.

Es war in der Tat ein schönes Buch. Goldene Ornamente verzierten den Buchdeckel, und die geschwungene Schrift war umgeben von fein gezeichneten Tannenzweigen. Ferdi blätterte in dem Buch, während Anton seine Stiefel abstreifte und ihm neugierig über die Schulter lugte. Bastelanleitungen für Christbaumschmuck, Rezepte für Lebkuchen, Noten für Weihnachtslieder und das alles mit vielen bunten Bildern ließen sie staunend auf die Treppe sinken. Nun lebten die beiden Holzfäller schon Jahrzehnte in dem kleinen Haus am großen Wald, aber von Weihnachten hatten sie noch nie etwas gehört. Auch im Dorf ging alles seinen gewohnten Lauf. So saßen sie eine halbe Stunde auf den Stufen und studierten den Fund, bis Ferdi anmerkte: „Wollen wir das mal ausprobieren. Klingt doch ganz nett, oder?“ Anton nickte nur mit dem Kopf und schaute mit offenem Mund den Scherenschnitt eines Engels mit Trompete an.

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Dezember 11 at 2009 9 Kommentare

In Eile

Ralf ist müde und lockert seine Krawatte, nachdem er eine Dose Red Bull aus dem Handschuhfach gezogen hat. Der Tag war lang. Sein Chef hatte vorhin betont, dass der Erfolg der Aktion über die Zukunft entscheidet. Auch seine. Die Präsentation muss jedoch noch fertig werden. Aber das ist es wert. Das wird wohl eine Nachtschicht nach einem Kuss auf Lenas Stirn, seinem Engel. Noch 50 km. Sorry, heute ist wirklich dicht. Ralf hat es eilig.

Sabine hatte einen miesen Tag. Paula hatte eine Fünf in Mathe nach Hause gebracht und die falschen Fliesen wurden geliefert. Und jetzt macht auch noch die Mutter von Paulas Freundin Stress wegen der Sache am Samstag. Thomas kümmert sich ja um nichts. Auch nicht um den Nachbarn, der ihr die ganze Woche schon mit dem dämlichen Zaun im Ohr liegt. Eigentlich hat sie überhaupt keine Zeit, Paula vom Reiten abzuholen. Heute hat sie wirklich keinen Nerv. Sonst immer, aber heute nicht. Sabine hat es eilig.

Marco hat heute die Arschkarte gezogen. Er muss fahren. Trotzdem klemmt eine fast leere Dose zwischen seinen Beinen als Relikt vom Vorglühen. Muss sein. Vor dem Pub warten schon die Schnecken, wie er und seine Kumpels auf der Rückbank die Mädels von letzter Woche nennen. Danach geht’s in den „Night Palace“. Und dann? Mal sehen. Nächsten Freitag sitzt er wieder hinten. Dann ist es ihm scheißegal. Aber heute ist schlecht wegen der Bullen. Marco hat es eilig.

Sonja liegt auf ein paar Blättern und die letzten Sonnenstrahlen scheinen auf ihr Gesicht. Heute Abend hatte sie sich gut gelaunt auf ihr Fahrrad geschwungen, um ihren Freund wieder zusehen. Er war sechs Monate in Singapur auf Montage. Jetzt liegt ihr Fahrrad am Ende der langen Allee kurz hinter der Kurve am 30-Schild. Die Blätter unter ihrem Kopf werden feuchter und ab und zu hebt sie schwach Zeigefinger und Mittelfinger vom Asphalt und winkt Ralf, Sabine und Marco zu. Sie kennt sie nur flüchtig vom Auspuff ihrer Autos. Sonja hat es eilig.

November 15 at 2009 4 Kommentare

Hans IV (Fortsetzung)

Fortsetzung von Teil 1

Die Lage war heikel: Hans, der Wellensittich, wollte die Klimaschwankungen in Deutschland nicht wahrhaben. Sein Freund Kolumbi, der Holzwurm, hatte den Ernst der Lage noch nicht erkannt, wie sensibel entflogene Wellensittiche auf Kälte reagieren. Und „sensibel" ist noch milde ausgedrückt.

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September 4 at 2009 7 Kommentare

Hans IV

„Gestatten, Hansi, meine Freunde nennen mich Hans“, stellte sich der grüne Vogel dem Holzwurm vor, als er ihn gerade ausgewürgt hatte.

Eigentlich mögen Wellensittiche gar keine Holzwürmer, aber er hatte Hunger und noch keinen Cracker-Baum mit Honig und Vitamin D im Park gefunden. Kolumbi nahm es ihm nicht krumm, schüttelte sich kurz und sagte. „Willkommen im Park, Hans! Wo kommst du denn her?“ Hans flatterte aufgeregt von Ast zu Ast und zwitscherte: „Zwei Jahre saß ich im Käfig und schubste einen langweiligen Plastikvogel von rechts nach links. Jetzt will ich die Welt sehen. Das ist doch hier die Welt, oder?“- „Eigentlich der Park.“, grübelte Kolumbi. Für einen Holzwurm ist schon ein Park ziemlich groß und so wusste er auch nicht, dass Hans nicht der erste entflogene Wellensittich mit Namen Hansi war. Der vierte, um genau zu sein.

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September 2 at 2009 3 Kommentare

Jan erzählt (9): Tom und Lea

Chillen im botanischen Garten, jeder für sich und Jan schrieb dabei diese Geschichte (Original, nur korrigiert):

Tom und Lea, ein Hund und eine Katze, vertrugen sich sehr gut. Eigentlich sehr ungewöhnlich. Trotzdem vertrugen sie sich sehr gut. Sie lebten zusammen in einem Pappkarton, der in einer kahlen Gasse stand. Hier gehen nie Personen und deswegen brauchen sie sich nicht verstecken und einen anderen Ort suchen.

Langsam wurde es Abend und die Dunkelheit verschluckte die Sonne. Plötzlich wachte Lea durch einen Ruck um 5 Uhr morgens auf. Durch ihren Schrei wurde auch Tom wach und fragte verzweifelt: „Was ist passiert?“ – „Ich weiß auch nicht, aber mir kommt es vor, als ob wir gedreht und gerüttelt werden!“, kam es zurück. Tatsächlich wurden sie mit Wucht in einen Container geschleudert. In diesem Container stank es nach Müll und verfaulten Äpfeln. Tom nahm seinen ganzen Mut zusammen und lugte durch den Karton. Überall lagen Plastiktüten und weitere Kartons. Er dachte zurück, dass er früher einen orangenen LKW gesehen hatte, der Mülltonnen ausgeleert hatte. Er kombinierte und überlegte, ob dieser Wagen „Müllwagen“ heißt. Sie riefen um Hilfe, doch bei dem Getöse hörte sie niemand. Sie drückten sich ängstlich in eine Ecke und warteten. Für einen Moment war es still. Auch Tom und Lea waren still. Auf einmal begann es wieder zu poltern, und der Müll fiel auf einen großen Platz. Nun lugte Lea durch die Ritze im Karton. Hier endet aber nicht ihr Abenteuer…

Langsam öffnete sich der Karton Stück für Stück und sie hörten eine raue Männerstimme. Diese sagte: „Na, wen haben wir denn da? Einen Hund und eine Katze!“ Langsam kam eine große Hand auf sie zu. „Schneller, schneller! Wir müssen hier so schnell wie möglich raus, sonst landen wir im Tierheim!“, kreischten sie sich zu. Sie bissen mit letzter Kraft die Pappe auf und liefen ins Freie. Weit hinter sich hörten sie noch eine fluchende Stimme. Aus Stöcken, Moos und Schlamm bauten sie sich eine Höhle und fielen erschöpft und glücklich ins Gras.

August 9 at 2009 3 Kommentare

Schocktherapie

Und wir dachten, die Gefahr sei gebannt! Nachdem Sing Lang aus dem ach so gemütlichen, aber für Pekingenten gefährlichen (Restaurant) Lotusgarten gelockt wurde, hatte die Pekingente immer noch eine allzu leichtgläubige Bindung an den Koch, als dieser sie listig zum Essen einlud. Igitte, die Spinne  und Jan hatten mit einer groß angelegten Fliegenmus-Aktion  noch rechtzeitig eine gelungene Alternative zum Chinesisch essen (oder  besser: Chinesisch gegessen werden) geboten.

Und nun fühlt sich Sing Lang direkt durch den Restaurant-Aushang "Mittagstisch mit Pekingente" angespornt, doch mal wieder beim Koch vorbeizuschauen. Wir sahen keinen anderen Ausweg, als Sing Lang mit der schonungslosen Wahrheit zu konfrontieren: Einer Pekingente!

 

Pekingente

Pekingente

Als Sing Lang das Bild des knusprigen Vogels sah, war sie jedoch recht gefasst.  Auf die Aussage, dass das eine Pekingente sei, erwiderte sie nur: "Das ist ein Missverständnis!". Bevor wir Luft holen konnte, ergänzte sie: "Das ist ein Missverständnis auf dem Teller." "Moment!", sagte Jan, "Das ist ein Foto von einer Pekingente". Sing Lang fragte, ob wir denn schon mal ein Missverständnis gesehen hätten. Das war schwierig zu beantworten. So folgerte Sing Lang "Wenn ihr noch kein Missverständis gesehen habt, könnte das auf dem Teller doch eins sein." Die Diskussion lief in eine Sackgasse und geschockt war Sing Lang sowieso nicht. Also mussten wir schwerere Geschütze auffahren: (mehr …)

März 12 at 2009 7 Kommentare

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  • Willkomen in der verrückten Welt von Donky, der Ente, und seinen Freunden!
  • Die meisten Beiträge entstanden aus Handspielen mit meinem Sohn Jan.
  • Hintergründe gibt es hier: Intro
  • Ein Steckbrief des Blogs, Kurzprofile der Figuren und Tipps zur Navigation unter: Neu hier!?
  • Stand der Abenteuer in der Kategorie (Sidebar): Stand der Dinge
  • Die Handfiguren sind im Text mit einem Link hinterlegt. Bei >Click< wird in einem neuen Fenster der Charakter vorgestellt. Alle kompakt unter: Akteure
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