Posts tagged ‘Essay’

Ich bin so glücklich

Wer unzufrieden ist, hat viel zu erzählen. Der Chef ist ein Arsch, die Liebste war es  auch, der Freund wird es gerade, und die Lehrerin denkt das selbe vom Sprössling. Irgendetwas ist zuviel, irgendetwas zu wenig. Es zwickt, es kneift, es ist nicht mehr wie damals. Alles muss anders werden, aber nichts passiert. Überall Steine und Geröll. Und schließlich hat man noch das Rezept, die Welt zu retten, aber niemand hört zu.

Doch, ich! Ich höre zu! Ich habe nichts zu erzählen. Alles läuft rund. Selbst mit spannenden Extrem-Hobbys oder ungeheuerlichem Anektoten von der Ex des gemeinsamen Ex-Nachbarns kann ich nicht dienen. Für PS-Schwelgerei bin ich zu ungebildet, für Gartengestaltung bin ich zu gartenfrei und Witze sind gerade unangebracht. Jetzt ist aber sowieso kein Platz für Smalltalk. Also her mit dem Müll. Kippt ihn aus und lasst uns darin wühlen, anschließend lasst ihn liegen. Ich räume ihn schon weg. Spart euch das „Wie geht’s?“ und legt los. Mehr als „Gut“ habe ich eh nicht zu sagen. Da gibt es gar nichts nachzufragen. Nur langweiliger Alltagsschrott. Unspektakulär. Völlig richtig! Also, wie sieht’s aus? Einer ist doch immer tot und ich trauer direkt mit. Egal, wer es ist. Egal, ob ich ihn kenne. Jetzt kenne ich ihn ja gleich.

Kein „Das geht mir auch so!“ und kein „Bei mir war das noch schlimmer…“ werdet ihr von mir hören, als willkommene Aufhänger für die eigene Leidensgeschichte, damit ihr anschließend nur wieder mühsam eine Lücke finden müsst. Also frei von der Leber weg. Nicht wie die Senioren im Bus, die nach intensivem Austausch der Krankenakte immernoch nicht mehr über die Gebrechen des Gegenübers wissen.

Ich bin ein Glücklicher und muss euer Kreuz aushalten können. Nur Glückliche können mit Glücklichen über belangloses Glück reden, wie zum Beispiel, dass alle gesund sind und Weihnachten sehr harmonisch und ich mich gerade ganz sorgenfrei für etwas ganz Neues begeistern kann, denn i… „Aha, na dann… Guck‘ mal raus, regnet es?“  … Entschuldigung, ich hatte vergessen, mir selbst den roten Teppich auszulegen.

Ich rede jedoch nicht vom erheblichen Glück, dem Glück im Trübsal, dem Glück, das die Welt wieder gerade rückt. Das ist erlaubt. Das Glück des Unglücklichen oder zumindest Unzufriedenen. Der Lichtblick, der gewürdigt werden muss. „Mensch, was bin ich froh, dass dich der Skiurlaub nach all dem Mist so entspannen konnte“, kann ich da als Skivermeider beispielsweise nur sagen und hake doch gleich nochmal nach. Es muss ein Segen sein, auf Glückliche zu treffen, so viel, wie ihr zu erzählen habt.

Und dann gibt es doch diese Momente, diese rar gestreuten Momente, wo ich meinen Gegenüber nur anglotze, bis er aufseufzt und schweigt.

Januar 26 at 2011 2 Kommentare

Sind Sie Puppenspieler?

Bevor ich Donkys gesammelte Survival-Tipps beim "Flug über’n Berg" (Alpen) nach Südtirol zusammengefasst habe, Kolumbis Rezeptaustausch mit Apfelwürmern und Sing Langs Kulturcrash mit Schlutzkrapfen, außerdem alle Fotos sortiert sind, melde ich mich mit einem aufgewärmten, aber nicht minder wichtigen Artikel zurück:

Ich denke, die Frage dürfte viele Interessierte ab jetzt beschäftigen:

"Bin ich ein Puppenspieler?" 

Also nicht ich jetzt, sondern Sie…oder Du… oder Werter Sie.

Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten, schon gar nicht, wenn man sie noch gar nicht gestellt hat. Also habe ich fünf Fragen erarbeitet, die eine eindeutige Einordnung von 0-10 Punkten ermöglichen. Damit jeder seine wahre Bestimmung finden kann. Ich habe sogar 35 Punkte bei diesem Test erreicht. Dafür musste ich ihn allerdings mehrmals durchspielen.

0-2 Punkte: Sie nutzen Ihre Hände nur zur Arbeit. Wenn Sie mit Puppen spielen, dann nur mit aufblasbaren und selbst das ohne Publikum.

3-4 Punkte: Fangen Sie einfach mal an. Der Spiegel ist ihr bester Freund. Lösen Sie sich von Playmobil und wagen sie etwas. Kasperle wird es Ihnen verzeihen.

5-6 Punkte: Die Zeit, als Sie heimlich in der Hosentasche Figuren geformt haben, ist vorbei. Sie trauen sich was! Sie sind Meister des gespielten Witzes im Kleinformat. Ihre Kollegen/Innen danken es ihnen mit anerkennenden Lächeln.

7-8 Punkte: Mario Barth könnten Sie schon problemlos mit einem Furzkissen als Puppe ersetzen. Auch im Olympiastadion. Man bräuchte nur eine größere Leinwand.

9-10 Punkte: Sind Sie vielleicht Pinocchio? Oder Chucky, die Mörderpuppe? Sie brauchen sich nicht mehr verstellen. Sie sind es!

Hier sind die Fragen:

(mehr …)

August 24 at 2010 6 Kommentare

Midlifecrisis oder was?

War da was? Da muss doch was sein! Hey, ich habe inzwischen über 40 Lenze auf dem Buckel und ich finde, dass die Zeit reif ist. Die Midlifecrisis steht an. Nicht, dass sie Besitz von mir ergriffen hat. Nein, ich kann die Zahl 40 problemlos artikulieren. 40, 41,  42… Bei 49 mache ich vorsichtshalber mal Schluss.  Aber das ist doch nicht die Ruhe vor dem Sturm, oder?

Ich muss mir vorhalten lassen, dass ich nicht vorgesorgt habe. Ich habe bei der Wahl meiner Bleibe keinen Platz für den Kickertisch einkalkuliert, wie wahrscheinlich die Mehrzahl der 30-Jährigen Hypothekenzahler. Ich war auch noch nicht in Tibet. Und die letzten 200 € habe ich nicht für Bungee-Springen vom Matterhorn ausgegeben, sondern für einen neuen Durchlauferhitzer. Auch mit der Wahl meiner Sportart habe ich kein rechtes Fingerspitzengefühl. Anstatt  den jungen Spunden beim Golf noch zeigen zu können, was Erfahrung ausmacht, spiele ich Volleyball in einer Gurkentruppe, wo jeder seine kaputten Knochen oder Pfunde über das Feld schleppt. Ich besitze noch nicht mal einen Motorradführerschein. So grenzt man sich nicht ab!

Ich habe für die anstehende Suche nach dem Sinn des Lebens nicht vorgesorgt.  So ist es.  Gut, ich spende immerhin ab und zu für die Welthungerhilfe. Das ist doch auch was! Nicht ganz  vergleichbar mit unzähligen Rechtsanwälten und Bauingeneuren, die sich nach dem Dachgeschossausbau der eigenen Resozialisierung widmen. Gern mit einem Engagement im Lokalbüro von  "Amnesty International" oder dem Bau eines Kinderspielplatzes. Aber: Ich tue was! Zumindest passiv. Dass ich in Kürze berühmter Autor werde, möchte ich auch nicht unerwähnt lassen.

Sonst warte ich, wann sie denn kommt, die Midlifecrisis, und mache nichts Voreiliges. Maximal schreibe ich vielleicht noch mal einen Artikel darüber. Ich will mein Pulver ja nicht vorher schon verschießen.

Juni 25 at 2010 4 Kommentare

Die (Ohn)Macht des Netzes

Nun kann mir jeder vor die Nase halten, dass die ePetition zur Internetsperre von Inderk-Oprno-Seiten (Ihr wisst schon) mit 130.000 "Unterschriften" ja irgendwie (fast) erfolgreich war und dass die Webgemeinde der Blogger und Forenuser politisch etwas bewegt hat, aber ich wage die These:

Es gibt keine Bewegung über das Netz und wird sie auch nicht geben. Es gibt keine Macht des Netzes, die gesellschaftliche und politische Strukturen beeinflussen kann.

Es existieren vielleicht Meinungsbildner in Blogs und unterstützende Instrumente für eine bessere Kommunikation, die vor allem in totalitären Systemen immens wichtig sind. Der Keim eines Wandels, eines Widerstands, einer ideologischen, politischen, kulturellen oder sozialen Idee sprießt jedoch nur in einem Boden, der durch realen Schweiß getränkt wird. Die virtuelle Gesellschaft ist aber nur ein Layer über der realen und bleibt eine diffuse Projektion ohne Bindung.

Dem Argument , dass sich der Widerstand nur von der Straße auf das Internet verlagert, das gern gegen die These einer desorientierten, opportunistischen Gesellschaft (wahlweise auch Jugend) ohne Mumm angeführt wird, kann ich deshalb nicht ganz folgen. Denn abgesehen von seinem Nickname setzt niemand etwas ein. Das Web bietet die Mittel, ein Strohfeuer zu entfachen oder ein real entfachtes Strohfeuer durch kräftiges Pusten ein Weilchen hell lodern zu lassen in der Hoffnung, dass es doch irgend jemanden auf dem falschen Bein erwischt. Zum Nachlegen braucht man jedoch festes Holz, quasi einen echten Keil.

Jedem Politiker sei eigentlich geraten: Sitz ein Problem aus! (wenn es nicht gerade in der heißen Wahlkampfphase auftritt). (mehr …)

April 16 at 2010 5 Kommentare

Worte auf der Goldwaage: Spießer

Aus der Reihe "Worte auf der Goldwaage":

"Scheiß Spießer!" Gern geraunzt, wenn wieder ein selbsternannter Oberhausmeister die Flusen im Flur sucht oder ein aufgeregter Zettel über Sinn und Zweck von Parkverbotsschildern an der Windschutzscheibe hängt. Oder wenn einfach ein Beamter gesetzestreu den verdammten Bescheid nicht ausstellen will. Spießer. Ein Wort, das meiner Meinung nach viel zu inflationär benutzt wird. Nicht, weil ich um Himmels Willen eine Lanze für die oben genannten Querulanten brechen möchte, sondern wegen der verbogenen Selbstwahrnehmung vieler Nutzer des Wortes. Von wegen Steinen und Glashaus und so.

Vielleicht liegt das am verstaubten Bild eines Spießers: Der verhärmte Sechziger mit Blümchentapete und Kuckucksuhr, der missmutig hinter der Gardine ahnungslosen Mitbürgern mit Bagatellen auflauert, um seine in altmodischen Werten verirrte Unzufriedenheit aufgrund verpasster Gelegenheiten zu rechtfertigen, falls er nicht gerade seinen Benz schrubbt und Kindern dabei den Ball wegnimmt. Nach dem Motto: "Was ich nicht hab, dürft ihr auch nicht." …und all seinen Varianten.

Wikipedia bietet eine etwas allgemeinere Definition, die, wie ich finde, den Begriff  auf den Punkt bringt als

  • engstirnige Personen, die sich durch
  • geistige Unbeweglichkeit (Intoleranz),
  • ausgeprägte Konformität mit gesellschaftlichen Normen,
  • Abneigung gegen Veränderungen der gewohnten Lebensumgebung und ein
  • starkes Bedürfnis nach sozialer Sicherheit

hervortun. Keine Blümchentapete, keine Flusen, kein Benz. Übrigens auch kein Biedermann, der in Abgrenzung zur Reizfigur "Spießer" ganz harmlos nur als altbackender Langweiler mit entsprechenden Außenbild auftritt. Der Schlüssel zu einer neuen Definition eines Spießertyps sind die gesellschaftlichen Normen, an denen er sich orientiert. (mehr …)

Februar 25 at 2010 4 Kommentare

Westerwelles Gästebuch

—-Schnipp Schnapp—-

Maria (Maria.Rujukowski@gmx.de)

Das stimmt, das Arbeit nicht lont. Ich mache jetzt aber noch Doppel schicht am Sonntag. So ich habe mit 30 € mehr in Portmone! :–)))

Miriam (miriam@meyer-reinfeld.de)

Ich finde das total gemein, dass Sie sagen, dass die mit Hartz IV dekandent sind. Dafür können die doch nichts. Meine Mutter hat gestern übrigens zwei Mützen für den Gemeindebasar gestrickt.

Motte (michael@fitnessstudio-schaller.de)

Ole ole ole!!! Schwuhle sau!!!

Rainer Krieger (rainer.krieger@rent-a-slave.biz)

Lange tat ich nichts und bekam dafür was. Das war irgendwann langweilig. Dann hatte ich eine Geschäftsidee. Rent a slave. Jetzt tue ich was und bekomme dafür nichts. Das geht viel einfacher!

g.westwelle@chance2010.biz

Jetzt zuschlagern! Nebenjob mit garantiert 347 € imMonat. Das lohnt sich!

Tom (Tom6@edelweiss-bruderschaft.com)

Endlich mal einer der die Dinge beim Namen nennt. Ich habe glücklicherweise keinen Kontakt mit diesem Gesocks. Aber man braucht ja nur mal über den Bahnhof zu gehen. Auch ich kann mir mein Traumauto erst in einem halben Jahr leisten, nachdem mein Bonus dieses Jahr etwas dürftiger ausfiel, aber ich schnalle dann den Gürtel einfach etwas enger und lege noch eine Schippe drauf. Diese Schmarotzer wissen ja noch nicht mal, was eine Schippe ist und schlagen den Nagel dafür bestimmt mit dem Kopf in die Wand.

Timmy (Tim@ravethenation.com)

Wo liegt nochmal Rom?

anonym

Guido, meine letzte Hoffnung:  Ich habe schon 143 Topangebote ausgeschlagen. Sogar einen Maschinenreinigungsjob über eine Leiharbeitsagentur in einer Asbestfabrik in Gummersbach , nur 150 km von mir entfernt. Das gibt es doch gar nicht, oder?  Das sagt sogar mein Enkel, dass das so nicht weitergeht. Rette mich! Nimm mir die Kohle! Ich verkümmere sonst.  Ich will ja, aber mein Konto ist so voll.

Harry (testtest123@web.de)

Hartz IV kürzen? Kein Thema, dann mache ich mir eben noch ein Blag mehr. *grins*

Reinsang (lothar.reinsang@t-online.de)

Im Krieg haben wir Kartoffelschalen aus dem Abfall geholt. Da gab es noch kein Hartz IV. So sieht es doch aus. Herr Westerwelle, ich habe schon etwas klarere Worte erwartet! Frau Merkel redet zumindest nicht um den heißen Brei herum, sondern gar nicht.

Frauke D. Pecking (fdp@hot-mail.de)

AAAAAAAAAAAAAARRRRRRRSSSSSSSSSCCCCCCHH!!!!!! Welche Arbeit????

Dr. Brecks (raimund@regenbogenhaus.info)

Arbeit muss sich lohnen. Dass ich nicht lache, Herr Westerwelle. Sagen sie das mal den Teppichknüpfern in Indien! Aber da wollen Sie ja hin mit Ihren Äußerungen. Aber Sie machen sich die Hände an Teppichen bestimmt nicht schmutzig.

asdasd (dsafd@abcdekkk.de)

2:34 Uhr. Ich kann nicht schlafen und muss gleich aufstehen. Dieser dauernde Jet lag macht mich fertig!

Darkrider (dark@darkdarkness.da.rk)

Das war es dann wohl.

——Schnipp Schnapp——-

Februar 18 at 2010 7 Kommentare

Die ideale Wiedergeburt

Wie ein Adler über den Wolken schweben. Ohne Grenzen, nur der Schrei der Freiheit hallt durch die Lüfte. Adler werden bevorzugt als geeignetes Tier für eine wunschgemäße Wiedergeburt genannt. Dazu noch einen gewissen Herrschaftsanpruch und möglichst weit oben in der Nahrungskette. Das ging auch an mir lange nicht vorbei. Ja, ein Adler wollte ich lange Zeit nach meinem Tod sein. Jetzt mal unabhängig davon, ob der Wunsch realistisch ist und ob ich doch eher extrem weit unten in der Hierarchie sogar Pflanzen mit Mineralien versorge, konnte ich mich mit dem Gedanken gut anfreunden. Zumal ich zur der Zeit nicht fliegen konnte.

Inzwischen ist mir aber bewusst, dass so ein Adler auch nichts zu lachen hat. Erstens fliegt er da ziemlich einsam ohne Unterhaltung durch die Gegend und viel von der kilometerweiten Bergsicht hat er auch nicht, da er viel zu konzentriert auf süße Kaninchen oder ähnliche Leckereien achtet. Und das nur, weil er einen Mordskohldampf hat. Nichts mit Segelidylle. Dazu muss man satt sein. Zu allem Überfluss noch der windige Horst in eisiger Kälte. Nein, der Adler hat seine Premiumstellung für das Leben danach mit dieser nüchternen Einschätzung eingebüßt.

Aber apropos Kaninchen. Die schnucklige Alternative zum Adler. Aber wo? Freie Wildbahn? Also als Fluchttier lebt man  in ständiger Angst vor unkalkulierbaren Übergriffen. Und selbst im Stall als Streicheltier wäre man der Willkür rabiater Vorschulkinder ausgesetzt, die einen immer zum ungünstigsten Zeitpunkt wahlweise von Salatblatt oder Hinterteil der Mitbewohnerin entreißen. Nach den Kindern kommt direkt der Koch als Horrorherrchen. Keine Chance! Und nun? (mehr …)

Januar 11 at 2010 6 Kommentare

Heutzutage

Nun habe ich ja schon einige Worte und Phrasen (Zum Wohl , Mahlzeit , Aber-Und   und Werter als Anrede) durchleuchtet. Alle sind mehr oder weniger gebräuchlich. Ein anderes Wort war bis vor einiger Zeit bei mir nie genutzt, jetzt aber schon und das macht mir Angst: Heutzutage!

Das Pendant zu "Heutzutage" lautet nämlich "Damals" und das ist ganz lange her. Solange her, wie seinerzeit (auch ein schönes Wort) meine Großeltern an Vergleiche zur Vorkriegszeit zurückdachten, wenn sie sagten "Heutzutage ist alles ganz anders…".

Wenn ich "Heutzutage" benutze, heißt das meistens, dass sich etwas ganz, ganz stark geändert hat. So stark, dass ich es nicht mehr verstehe. Meistens schimpfe ich dabei auch ganz fürchterlich. Und das alles ist sehr bedenklich. Halte ich mich doch für einen weltoffenen, dynamischen, flexiblen Vierziger, der auf Höhe der Zeit lebt und die Lage im Blick hat (und die Jugend heutzutage). Mit diesem Wort entlarve ich mich aber selbst. Ich gehöre nämlich nicht zu "Heutzutage". Mit 15-30 Jahren war das noch ganz anders. Da sprachen andere über mich, wenn sie mit einem "Heutzutage…" ihre Ratlosigkeit ausdrückten.

Ich fühle mich zumindest nicht allein gelassen mit dem Begriff. Er nimmt an Stellenwert im Umfeld zu. Vielleicht nicht im Wortlaut, aber auch "Ich erinnere mich noch, als…" oder "Inzwischen ist ja…" sind ein verkapptes "Damals" oder "Heuzutage" . Das beruhigt und schafft Gesprächsthemen. Ist ja auch wichtig.

Man muss sich eben anpassen. Man wird ja auch nicht jünger. (Die nächste Folge von "Das Wort auf der Goldwaage" dreht sich um das Wort "man".)

März 27 at 2009 10 Kommentare

Ei

Mit der kürzesten Überschrift dieses jungen Blogs möchte ich auch saisonal passend ein paar Gedanken zu Eiern loswerden.

Wir kaufen Eier regelmäßig auf unserem kleinen Markt bei einem Geflügelbauern, der auf Bildern an seinem Stand die artgerechte Haltung des Federviehs anpreist. Und wir glauben ihm. Freilaufende Hennen sind für uns ein Muss beim Eierkauf. Bodenhaltung allein ist nur Augenwischerei.

Welches Ei?

Welches Ei?

Auch im Supermarkt bieten Großfirmen wie „Wie.senh.of“  inzwischen Eier aus Freiland- oder Öko-Haltung an. Und auch ihnen glaube ich jetzt mal, wenn auch der Freiraum zur Nutzung des Begriffes „Freiland“ bestimmt optimal ausgenutzt wird. Diese Freilandeier sind sogar meist etwas günstiger als die des freundlichen Marktverkäufers. Trotzdem habe ich immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich sie mal kaufen muss.

Denn marketingtechnisch ist das nur eine „Produktdifferenzierung für eine segmentspezifische Kundenansprache“. Wenn die selbe Firma parallel auch Eier aus der Legebatterie anbietet, kann von Überzeugung keine Rede sein, anders als beim Geflügelbauern zumindest teilweise mal unterstellt. Stattdessen schöpfen diese Firmen über den Preis unbedarfte Kunden ab, die sich freuen, dass Öko jetzt auch billig geht. Geht es aber nicht! Jedenfalls nicht ohne schmutzige Hände: (mehr …)

März 16 at 2009 Hinterlasse einen Kommentar

Das optimale Alter für Musicals

Heute ist mir beim Betrachen eines fetzigen „We will rock you“-Plakates eines bewusst geworden:

Musicals sind die Musikantenstadl der 40-Jährigen. Gerade ermüdet vom angestrengten Anspruchsdenken, als man noch  in den Dreißigern seinen aufstrebenden Wohlstand in Kultur investierte, will man unterhalten werden. Aber irgendwie noch mit Niveau. Dafür bürgt allein der Preis und die unglaublichen Showeffekte. Nicht umsonst geben bekannte Bands wie Queen und Abba, die in den 70ern und Anfang der 80er ihre Blütezeit hatten, ihre Songs und Namen zur Zweit- oder besser Drittverwertung her. Oder irgendeine Adapation (anderes Wort für „Verwurstung“) eines Filmes aus der Zeit. Grease, Tanz der Vampire und wie sie alle heißen.

Mit 25 reist man noch 300 km zur Band seines Vertrauens. 20 Jahre später zum gleichnamigen Musical, aber direkt verbunden mit einer Städtereise, denn die Zeit muss genutzt werden. Schon allein, um sich gut erinnern zu können.

Dazwischen liegen die Jahre, Rosinen zu suchen. So nach dem 30., wenn jeder merkt, dass die Zeit tatsächlich voranschreitet. Das muss schnell zum eigenen Vorteil interpretiert werden. Zum Beispiel mit kleinen musikalischen Leckerbissen bei einem guten Glas Chardonnay, oft genug mit gerunzelter Stirn. Den man gibt sich Mühe. Mühe, in die Musik einzutauchen, die gefälligst einen selbst wiederspiegeln soll. Gamba-Spießchen schaffen den geeigneten Rahmen und öffnen die Sinneskanäle! Und man besäuft sich nicht mehr, sondern man vergnügt sich. Die Veranstaltungen werden gut gewählt aus den Niederungen der Stadtjournale als Geheimtipps.

Irgendwann wird das aber anstrengend und man besinnt sich auf die vergessenen Helden. Na, ganz vergessen waren sie noch nie, denn das CD-Regal ist noch gefüllt. Die Scheibe wird auch mal als Hintergrunddudelei beim Besuch der Nachbarn eingelegt und auf die Frage „Was hörst Du denn so?“ kommen die altbewährten Namen noch wie aus der Pistole geschossen.

Nach der Musicalzeit  feiert man seinen 50. Geburtstag. Der Startschuss, Verpasstes nachzuholen. Theaterstücke von Dürrenmatt oder seit Jahren schließlich wieder mal eine Inszenierung der Zauberflöte. Aber Achtung! Der Übergang zu Paul Potts ist fließend und schnell ist man 60. Und jetzt mal ehrlich. Wo liegt der Unterschied zwischen Paul Potts und Andre Rieu? Tja, und der ist eben auch schon mal im Musikantenstadl aufgetreten. Wenn man Glück hat, kann man ihn dann live beim Playback bewundern.

Zurück zum Musical. Ich habe noch kein einziges gesehen, bin aber gerade erst 40 geworden. Ich freue mich auf die Phase, endlich mal kulturell abschalten zu können und zwar ohne schlechtes Gewissen. Ja, ohne schlechtes Gewissen, das ist wichtig! Ich werde mir mal die Liste der Musicals zu Gemüte führen. Das ließe sich bestimmt mit einem Besuch bei einem Freund verbinden. Ja, ich schaue mal zuerst, wo diese Musicals denn so laufen.

Februar 13 at 2009 8 Kommentare

Rene Marik rules(d)!

Das ist lustig! Ja, erst vor kurzem hatte mich Schaps drauf aufmerksam gemacht (danke, übrigens!)  und habe mir die YouTube-Videos von Rene Marik reingezogen (Ich war der 1.523.754te, glaube ich). "Autschn", "Rapante", "ze Hage". Ehrlich, mal was anderes. Unorthodoxer Humor zum Kopfschütteln. Kleinkunst (die ich liebe) mal durch die Hintertür der Comedy. Und die Zuschauer in den Videos lachten schon beim "Au…" vom" Autschn". Oder sogar schon vorher. Running Gags oder Running Gaga! So lustig, dass sich sein "Geist" schon ausbreitet und sich seine Fans schon ungefähr so unterhalten: "Komme Du mir ze Hage oda Du!" "Momentn, Hungi, Hungi". Gut, dann vorher ab zur Döner-Bude oder in die Sushi-Bar (Irgendwo dazwischen ordne ich die Zuschauer, die ich dort erkennen konnte, mal ein.)

(mehr …)

Oktober 25 at 2008 11 Kommentare

Väter reloaded

Es ist schon eigenartig.

Ich suche nach Vätern und finde Männer.

Ich suche nach Eltern und finde Mütter.

Väter-Blogs, also Beiträge die sich um Freizeit, Erziehung, das neue Rollenverständnis, Probleme mit Kindern aus Vater-Sicht befassen, finden kaum statt (mit Ausnahmen ). Blogs, die sich als Väter-Blogs bezeichnen, betreiben Männer, die über Ihre eigenen Hobbys und Christi-Himmelfahrt-Fantasien extra außerhalb der Familie reden wollen. "Echte Männersache" eben, weg vom ewigen Familienvater-sein-müssen.

Mutter-Kind-Blogs dagegen mit ergiebiger Foto-Dokumentation überschütten das Internet…und werden gelesen! Höchtswahrscheinlich von Müttern.

Aber wo sind aber Väter? (mehr …)

September 29 at 2008 5 Kommentare

Chinesisch essen

Chinesisch essen gehen hieß schon immer exotisch, viel und billig gleichzeitig zu schlemmen. Ideal für Studenten-Rendevouze am Abend oder Familien am Mittagsbüffet (Kinder: halber Preis). Alle Restaurants heißen entweder gleich, wie „Panda“, „Peking“ und „Lotusgarten“ oder so unterschiedlich, dass man sie sich nie merken konnte (z.B. Hee Lam Mun, Chi-Ho Phung oder Bei-Ling).

Am besten man trifft sich einfach „beim Chinesen“ oder wenn das zu Missverständnissen mit langen Wartezeiten führt, „dem Chinesen am Rathaus“ oder wo eben gerade der übliche Drache den Eingang schmückt.

Inzwischen sind China Restaurants entweder so exotisch, dass man beim Geschäftsessen bibbert, nicht aus Versehen flambierte Heuschrecken an Tangmus bestellt zu haben. Oder es gibt einfach Schweinefleisch „Kung Pao“ mit Bambus und chinesischen Pilzen. Oder Rindfleich „Kung Pao“. Oder Hühnerfleich „Kung Pao“.

Aber die Krone chinesischer Kochkunst bleibt die Pekingente. Also das Gericht, das alle Verwertungsarten einer Ente konsequent durchläuft.

Solch eine ist Sing Lang, die Pekingente, die lang singen kann. (mehr …)

September 27 at 2008 2 Kommentare


Ausgewählt

Kurz und bündig

  • Willkomen in der verrückten Welt von Donky, der Ente, und seinen Freunden!
  • Die meisten Beiträge entstanden aus Handspielen mit meinem Sohn Jan.
  • Hintergründe gibt es hier: Intro
  • Ein Steckbrief des Blogs, Kurzprofile der Figuren und Tipps zur Navigation unter: Neu hier!?
  • Stand der Abenteuer in der Kategorie (Sidebar): Stand der Dinge
  • Die Handfiguren sind im Text mit einem Link hinterlegt. Bei >Click< wird in einem neuen Fenster der Charakter vorgestellt. Alle kompakt unter: Akteure
  • Per Mouse over im Beitrag erhält man eine Kurzbeschreibung der Charaktere im Kästchen.

In Monaten

Kategorien

Immer aktuell

Kalendersuche

August 2020
M D M D F S S
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31  
__________

Fotos (Press red button)

Press button
free hit counters
Add to Technorati Favorites