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Mitten im Leben (Kurzgeschichte)

Was darf ich bringen?“, fragte der junge Kellner.
„Hi, was geht ab?“, rief Sven. Als die Bedienung nur stumm lächelte, zeigte mein ehemaliger Schulkamerad auf den Nachbartisch. „Was ist denn das da mit der Zitrone?“
„Corona, mexikanisches Bier.“
„Nehm’ ich eins, man soll ja nie aufhören zu lernen, gell?“ Er schlug mir auf die Schulter und lachte laut.
„Für mich ein Pils, bitte!“, sagte ich.
Nach ein paar Floskeln über Wetter, Verkehrslage und Bierpreise klatschte Sven in die Hände. „So, erzähl’! Du siehst ein bisschen müde aus. Schon vor einer Woche auf der Abi-Party. Was hast du die letzten 25 Jahre so gemacht?“
Sven kam immer gleich zur Sache. So auch, als ich ihm im Suff den Termin in der alten Tanzkneipe zusagen musste. Die Nostalgie hatte mich kurz übermannt.
„Och, Im Augenblick hat mich der Job gut im Griff, aber sonst eigentlich…“
„Ah ja, ich glaub’ ich weiß es!“ Sven unterbrach und zeigte mit wippenden Zeigefinger auf mich.
„Was weißt du?“ Ich zog die Augenbrauen hoch.
„Warum du so müde aussiehst. Du bist in der Midlifecrisis, stimmt’s?“
„Nö, eigentlich bin ich ganz zufrieden. Sind eben nur paar…“
Sven ließ nicht locker. „..unerfüllte Träume? Du, da musst du weg von. Ich sage mir immer. Gestern war gestern. Heute ist heute. Du musst dich akzeptieren, wie du bist!“
Das hatte ich auch mal gelesen, fragte aber nach: „Du hast keine Träume?“
„Doch schon, denke ich“, grübelte Sven, „aber…“ Er schaute zur Decke, während ich ihn erwartungsvoll ansah, wenn ich nicht gerade mein Bier entgegennehmen durfte.

„…aber man muss ja nur nicht gleich nach Kanada ziehen. Das ist doch was für Spinner. Man ist dann nur auf der Flucht vor sich selbst. Man muss sich nur ein bisschen Freiraum schaffen. Das heißt ja nicht, dass man das Rad gleich neu erfinden muss.“ Ich dachte noch nach, ob er mit man jetzt alle, Mann oder sich selbst meinte, als er weiter ausholte.
„Pass auf! Ich habe zu Kerstin gesagt: ‚So Schluss jetzt. Unten im Keller kommt das ganze Zeug raus.’ Braucht eh’ keiner mehr. Und dann habe ich losgelegt. Estrich neu, gefliest und dann Billardtisch und Bar rein. Du weißt doch noch damals in den Freistunden an der Schule?“ Ja, ich erinnerte mich gut. Sven beherrschte sogar, den Queue hinter dem Rücken zu bedienen. Der Weg der Kugel war da unwesentlich. (mehr …)

Oktober 5 at 2011 Hinterlasse einen Kommentar


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