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Ich bin so glücklich

Wer unzufrieden ist, hat viel zu erzählen. Der Chef ist ein Arsch, die Liebste war es  auch, der Freund wird es gerade, und die Lehrerin denkt das selbe vom Sprössling. Irgendetwas ist zuviel, irgendetwas zu wenig. Es zwickt, es kneift, es ist nicht mehr wie damals. Alles muss anders werden, aber nichts passiert. Überall Steine und Geröll. Und schließlich hat man noch das Rezept, die Welt zu retten, aber niemand hört zu.

Doch, ich! Ich höre zu! Ich habe nichts zu erzählen. Alles läuft rund. Selbst mit spannenden Extrem-Hobbys oder ungeheuerlichem Anektoten von der Ex des gemeinsamen Ex-Nachbarns kann ich nicht dienen. Für PS-Schwelgerei bin ich zu ungebildet, für Gartengestaltung bin ich zu gartenfrei und Witze sind gerade unangebracht. Jetzt ist aber sowieso kein Platz für Smalltalk. Also her mit dem Müll. Kippt ihn aus und lasst uns darin wühlen, anschließend lasst ihn liegen. Ich räume ihn schon weg. Spart euch das „Wie geht’s?“ und legt los. Mehr als „Gut“ habe ich eh nicht zu sagen. Da gibt es gar nichts nachzufragen. Nur langweiliger Alltagsschrott. Unspektakulär. Völlig richtig! Also, wie sieht’s aus? Einer ist doch immer tot und ich trauer direkt mit. Egal, wer es ist. Egal, ob ich ihn kenne. Jetzt kenne ich ihn ja gleich.

Kein „Das geht mir auch so!“ und kein „Bei mir war das noch schlimmer…“ werdet ihr von mir hören, als willkommene Aufhänger für die eigene Leidensgeschichte, damit ihr anschließend nur wieder mühsam eine Lücke finden müsst. Also frei von der Leber weg. Nicht wie die Senioren im Bus, die nach intensivem Austausch der Krankenakte immernoch nicht mehr über die Gebrechen des Gegenübers wissen.

Ich bin ein Glücklicher und muss euer Kreuz aushalten können. Nur Glückliche können mit Glücklichen über belangloses Glück reden, wie zum Beispiel, dass alle gesund sind und Weihnachten sehr harmonisch und ich mich gerade ganz sorgenfrei für etwas ganz Neues begeistern kann, denn i… „Aha, na dann… Guck‘ mal raus, regnet es?“  … Entschuldigung, ich hatte vergessen, mir selbst den roten Teppich auszulegen.

Ich rede jedoch nicht vom erheblichen Glück, dem Glück im Trübsal, dem Glück, das die Welt wieder gerade rückt. Das ist erlaubt. Das Glück des Unglücklichen oder zumindest Unzufriedenen. Der Lichtblick, der gewürdigt werden muss. „Mensch, was bin ich froh, dass dich der Skiurlaub nach all dem Mist so entspannen konnte“, kann ich da als Skivermeider beispielsweise nur sagen und hake doch gleich nochmal nach. Es muss ein Segen sein, auf Glückliche zu treffen, so viel, wie ihr zu erzählen habt.

Und dann gibt es doch diese Momente, diese rar gestreuten Momente, wo ich meinen Gegenüber nur anglotze, bis er aufseufzt und schweigt.

Januar 26 at 2011 2 Kommentare


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