Archive for Januar, 2011

Kleine Welt

Ich bin Experte der Provence,
vertraut durch die Gewürze.
Chinesen kenn‘ ich voll und ganz
aus RTL in Kürze.

Italien ist ein tolles Land,
die Pizza schmeckt so lecker.
Nur Italiener, arrogant,
die gehn mir auf den Wecker.

Wie wäre es phänomenal,
wenn jeder jeden liebet,
wie die da oben im Nepal.
So „Freiheit jetzt für Tibet!“

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Januar 31 at 2011 5 Kommentare

Ich bin so glücklich

Wer unzufrieden ist, hat viel zu erzählen. Der Chef ist ein Arsch, die Liebste war es  auch, der Freund wird es gerade, und die Lehrerin denkt das selbe vom Sprössling. Irgendetwas ist zuviel, irgendetwas zu wenig. Es zwickt, es kneift, es ist nicht mehr wie damals. Alles muss anders werden, aber nichts passiert. Überall Steine und Geröll. Und schließlich hat man noch das Rezept, die Welt zu retten, aber niemand hört zu.

Doch, ich! Ich höre zu! Ich habe nichts zu erzählen. Alles läuft rund. Selbst mit spannenden Extrem-Hobbys oder ungeheuerlichem Anektoten von der Ex des gemeinsamen Ex-Nachbarns kann ich nicht dienen. Für PS-Schwelgerei bin ich zu ungebildet, für Gartengestaltung bin ich zu gartenfrei und Witze sind gerade unangebracht. Jetzt ist aber sowieso kein Platz für Smalltalk. Also her mit dem Müll. Kippt ihn aus und lasst uns darin wühlen, anschließend lasst ihn liegen. Ich räume ihn schon weg. Spart euch das „Wie geht’s?“ und legt los. Mehr als „Gut“ habe ich eh nicht zu sagen. Da gibt es gar nichts nachzufragen. Nur langweiliger Alltagsschrott. Unspektakulär. Völlig richtig! Also, wie sieht’s aus? Einer ist doch immer tot und ich trauer direkt mit. Egal, wer es ist. Egal, ob ich ihn kenne. Jetzt kenne ich ihn ja gleich.

Kein „Das geht mir auch so!“ und kein „Bei mir war das noch schlimmer…“ werdet ihr von mir hören, als willkommene Aufhänger für die eigene Leidensgeschichte, damit ihr anschließend nur wieder mühsam eine Lücke finden müsst. Also frei von der Leber weg. Nicht wie die Senioren im Bus, die nach intensivem Austausch der Krankenakte immernoch nicht mehr über die Gebrechen des Gegenübers wissen.

Ich bin ein Glücklicher und muss euer Kreuz aushalten können. Nur Glückliche können mit Glücklichen über belangloses Glück reden, wie zum Beispiel, dass alle gesund sind und Weihnachten sehr harmonisch und ich mich gerade ganz sorgenfrei für etwas ganz Neues begeistern kann, denn i… „Aha, na dann… Guck‘ mal raus, regnet es?“  … Entschuldigung, ich hatte vergessen, mir selbst den roten Teppich auszulegen.

Ich rede jedoch nicht vom erheblichen Glück, dem Glück im Trübsal, dem Glück, das die Welt wieder gerade rückt. Das ist erlaubt. Das Glück des Unglücklichen oder zumindest Unzufriedenen. Der Lichtblick, der gewürdigt werden muss. „Mensch, was bin ich froh, dass dich der Skiurlaub nach all dem Mist so entspannen konnte“, kann ich da als Skivermeider beispielsweise nur sagen und hake doch gleich nochmal nach. Es muss ein Segen sein, auf Glückliche zu treffen, so viel, wie ihr zu erzählen habt.

Und dann gibt es doch diese Momente, diese rar gestreuten Momente, wo ich meinen Gegenüber nur anglotze, bis er aufseufzt und schweigt.

Januar 26 at 2011 2 Kommentare

Die Heintzelmennchen

„Teppiche werden gesaugt und nicht gewischt!“, schrie ich in den Keller. „Und das eins klar ist: Ich habe das letzte Mal auf dem Sofa geschlafen. Wehe, ihr lüftet noch einmal bei Unwetter mein Schlafzimmer! Nie! Am besten überhaupt kein Fenster mehr aufmachen, wenn ich weg bin!“ Ich bückte mich und las entnervt den allmorgendlichen Zettel, der wie üblich auf der Treppe lag: „Sory für das blöde Ding mit der Dusche. Wir haben den Schlauch wider festgeschraubt. Dafür jetzt auch Badezimmer sauber, toll nich? Fiel Spass noch. Die Heintzelmennchen, Angesehn und ungenehm“. Ja, das war am Tag zuvor. Ich erinnerte mich noch genau, als mir der Duschkopf bei eingeseiftem Kopf auf die Nase fiel und das Wasser aus dem Schlauch stattdessen ganz hemmungslos den Duschvorhang überwand. Dass der Duschkopf blitzte wie noch nie, erkannte ich leider zu spät. Ich musste immer auf der Hut sein, seitdem sich die Heinzelmännchen bei mir breit gemacht hatten.

Eines Tages waren sie da, ungebeten. Ich hatte noch nicht einmal eine Telefonnummer. „Auf schöne Zeit zusammen, die Heintzelmennchen, Angesehn und ungenehm“, entdeckte ich früh um 8 Uhr auf einem Wisch gekritzelt, als ich den Kaffee gerade in die Spüle spuckte. Es hätte mich stutzig machen müssen, dass ich selbst gar keinen Kaffee aufgebrüht hatte. (mehr …)

Januar 25 at 2011 2 Kommentare

Über kurz oder lang

Kurz nachdem sich Feuer und Gas im unbändigen Bombardement rasant zu einer Kugel geformt hatten und nichts mehr aus ihrer giftigen Hülle entkommen ließen, sank die Temperatur. Die feurige Glut verkrustete in Folge, und das Wasser konnte sich auf seinem Weg aus Dampf und Eis zu Ozeanen vereinigen und das Festland aus dem brüchigen Boden lösen. Irgendwo am Meeresgrund verbanden sich im Anschluss ein paar Moleküle.
 
Noch nackte Kontinente warfen Falten auf ihrer Reise um den Globus, während sich im Wasser gerade die erste Zelle teilte und damit ihren vielfältigen Siegeszug einleitete. So bedurfte es nur noch ausreichenden Sauerstoffs, um zügig über Wogen stetigen Auf- und Ablebens Land und Luft zu erobern. Nachdem die kaltblütigen Riesen unvermittelt ihren Platz für Säuger räumen mussten, entfachte plötzlich eine noch unbedeutende Spezies in vollem Bewusstsein das erste Feuer, obwohl sie doch kurz vorher erst stehen konnte.
 
Mühsam gemeißelte Pfeilspitzen wurden von ihr zunächst von Geschossen, dann von Tasten ersetzt. Gewaltige Maschinen verdichteten sich schnell auf die Größe eines Fingernagels, doch als die letzten Eisberge nach Süden trieben, der große Regen einsetzte und der erste Kontinent im flammenden Inferno verlassen war, setzte sofort der Untergang der noch jungen Kultur ein.
 
Eis folgte der Glut und Glut folgte dem Eis. Wechselnde Lebensformen besiedelten wechselnde Klimazonen, bevor der Heimatstern seinen Todeskampf begann. Die verbliebenen Pflanzen lechzten nach Kohlendioxid und Meere versiegten zu Salzwüsten, als auch die letzten Nachfahren der aufrechten Urahnen der sterbenden Sonne unterlagen und der einst blaue Ball schließlich wie eine Sternschnuppe im roten Riesen verpuffte.
 
Und irgendwann mitten in dieser kurzen Episode setzte sich ein Buchfink auf die Schulter eines kleinen Jungen, der sogleich wie gebannt auf den Knien verharrte und die Luft anhielt, denn er wünschte sich gerade nichts sehnlicher, als dass der unerwartete Besuch noch einen Moment blieb.

Januar 14 at 2011 Hinterlasse einen Kommentar

Die Schaukel

Nur bis knapp unter die Uhr. Mehr ging beim besten Willen nicht. Ich hatte es nie geschafft, die Rathaustür zu erblicken. Dafür konnte ich schaukeln, so hoch ich wollte. Auf der Wiese hinter dem Feld vom Bauer Enke hing die Schaukel an einer einsamen Buche. Ich habe bis heute keine Ahnung, wer sie dort befestigt hatte. Regelmäßig fuhr ich mit meinem Bonanza-Rad auf einem schmalen Feldweg aus unserem Dorf, allein oder mit Freunden. Alles war so vertraut. Von den zwei Zaunpfählen, die als Tor herhalten mussten bis zu Bauer Enke, der es gar nicht mochte, wenn wir das gesammelte Altpapier direkt neben seinem Feld anzündeten. (mehr …)

Januar 3 at 2011 Hinterlasse einen Kommentar


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  • Willkomen in der verrückten Welt von Donky, der Ente, und seinen Freunden!
  • Die meisten Beiträge entstanden aus Handspielen mit meinem Sohn Jan.
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  • Stand der Abenteuer in der Kategorie (Sidebar): Stand der Dinge
  • Die Handfiguren sind im Text mit einem Link hinterlegt. Bei >Click< wird in einem neuen Fenster der Charakter vorgestellt. Alle kompakt unter: Akteure
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