Die ideale Wiedergeburt

Januar 11 at 2010 6 Kommentare

Wie ein Adler über den Wolken schweben. Ohne Grenzen, nur der Schrei der Freiheit hallt durch die Lüfte. Adler werden bevorzugt als geeignetes Tier für eine wunschgemäße Wiedergeburt genannt. Dazu noch einen gewissen Herrschaftsanpruch und möglichst weit oben in der Nahrungskette. Das ging auch an mir lange nicht vorbei. Ja, ein Adler wollte ich lange Zeit nach meinem Tod sein. Jetzt mal unabhängig davon, ob der Wunsch realistisch ist und ob ich doch eher extrem weit unten in der Hierarchie sogar Pflanzen mit Mineralien versorge, konnte ich mich mit dem Gedanken gut anfreunden. Zumal ich zur der Zeit nicht fliegen konnte.

Inzwischen ist mir aber bewusst, dass so ein Adler auch nichts zu lachen hat. Erstens fliegt er da ziemlich einsam ohne Unterhaltung durch die Gegend und viel von der kilometerweiten Bergsicht hat er auch nicht, da er viel zu konzentriert auf süße Kaninchen oder ähnliche Leckereien achtet. Und das nur, weil er einen Mordskohldampf hat. Nichts mit Segelidylle. Dazu muss man satt sein. Zu allem Überfluss noch der windige Horst in eisiger Kälte. Nein, der Adler hat seine Premiumstellung für das Leben danach mit dieser nüchternen Einschätzung eingebüßt.

Aber apropos Kaninchen. Die schnucklige Alternative zum Adler. Aber wo? Freie Wildbahn? Also als Fluchttier lebt man  in ständiger Angst vor unkalkulierbaren Übergriffen. Und selbst im Stall als Streicheltier wäre man der Willkür rabiater Vorschulkinder ausgesetzt, die einen immer zum ungünstigsten Zeitpunkt wahlweise von Salatblatt oder Hinterteil der Mitbewohnerin entreißen. Nach den Kindern kommt direkt der Koch als Horrorherrchen. Keine Chance! Und nun?

Eine beliebte Wasservariante wäre vielleicht noch der Delfin. Aber sorry! Ich lasse mich doch nicht mühsam in ein Tier verwandeln, um dann quasi resozialisiert wieder nur mit Menschen rumzumachen. Und streicht man die Humanaktivitäten aus dem Delfinleben, ist er ansonsten völlig überbewertet. Denn ein Deflin ist vor allem eins: Ein Fisch  Meeressäuger. Ab und zu auch im Netz. Und er lächelt auch nicht. Das sieht nur so aus. Ist schon mal aufgefallen, dass ein Delfin auch im Netz "lächelt"? Das ist im Übrigen auch nicht intelligent!

Was bleiben als übliche Verdächtige noch übrig? Löwe für Machos? Langweiliges Rumgedöse hinter dem Savannenbusch! Wurm als Gothic-Trend? Für die Ewigkeit nicht haltbar!  Paradiesvogel? Zu pflegeaufwändig!

Ich habe meinen Favoriten jedoch schon seit langem fest im Visier. Ein Weichei und Schmarotzer. Unbeachtet und überflüssig. Ohne nachweisbare Rolle im Ökosystem. Aber ein Leben im Schlaraffenland: Der Zoospatz! Immer warm im Affenhaus. Reichhaltige und abwechslungreiche Speisekarte, ob bei den begriffsstutzigen Flamingos, den arroganten Schneeschnepfen oder unter der Pommesbude. Freier Zugang durch ausreichend breite Gitterstäbe und eine Mordsunterhaltung in jeder Klimazone. Panther ärgern ohne Gefahr, Sandbad bei den Elefanten, abkühlen bei den Pinguinen… So etwas gibt es im jetzigen Leben nur mit viel Eintritt oder Beziehungen.

Ich kann mir nichts Aufregenderes vorstellen.

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Die gemeine Küchenschabe Major Heckenried sieht rot

6 Kommentare Add your own

  • 1. mendweg  |  Januar 11 um 2010

    Schön das Du erkannt hast, dass der Schrei der Freiheit in Wirklichkeit ein Wutschrei ist! Aber ob der Zoospatz wirklich so der Glücklichste ist? Wenn Du nicht höllisch aufpasst wirst Du von Elefantendung erschlagen und bitte – wie liesst sich das denn im Nachruf? Oder Du bleibst irgendwo in einem dieser Gitterroste hängen bis Du soweit abgemagert bist dass Du durchfällst. Oder Du erstickst elendig an einem fetten Pommes und keiner bekommt es mit weil Du Dich unter der Pommesbude vor Fellnasen und menschlichen Füssen versteckt hast.
    Nein – wenn schon Wiedergeburt als Weichei und Schmarotzer ohne nachweisbare Rolle im Ökosystem dann doch bitte als Politiker 🙂

  • 2. Donkys Freund  |  Januar 11 um 2010

    Politiker? 😯 Ich sprach ja nicht von der Hölle!

    Nein, ein Restrisiko bleibt natürlich auch als Zoospatz und viel Ruhm kann ich auch nicht erwarten, noch nicht mal eine Erklärungstafel am Käfig. Gut, auch Elefantendung ist tatsächlich ein unangenehmes Ende, aber ist ein geselliges Pläuschchen bei den Erdhörnchen nicht verheißungsvoll? Oder gute Logenplätze im Schaukelreifen für die Pavianpaarung? Für solche Live-Darbieitungen bezahlt man in der Menschenwelt viel Geld!

  • 3. Raven  |  Januar 12 um 2010

    Wie ich es bei Völkern bei denen die Wiedergeburt „real“ existiert verstanden habe, wäre eine Wiederkehr als Tier schon wieder ein Rückschlag. Wer z. B. ein Honigdieb als Mensch war, soll als Mücke wiedergeboren werden. Ein wenig krass, aber nun gut. Ein Spatz hat auch nicht eine zu große Lebenserwartung und dann würde das Reinkarnationskarussel wieder von vorn beginnen. Einziger Trost, man bekommt ja eh vom vorigen Leben nichts mit. 😛

    Als Kind wollte ich immer als Wolke wiedergeboren werden.
    Herumschweben, nix denken, sich erleichtern, verschwinden und wieder in die Luft gehen. 😉

    Übrigens, zu dem Thema gibt ein sehr kurzweiliges und amüsantes Buch: „Mieses Karma“ von David Safier. 😀

  • 4. Max  |  Januar 12 um 2010

    Ich wollte immer als Bär reinkarniert werden. Lachs fressen, bumsen und den Winter verpennen. Der alte Witz. Aber der Homo Sapiens versaut solche Träume. Wer ist schon gerne Jagdobjekt! dann kann ich ja gleich als Tonscheibe wiedergeboren werden.

  • 5. Donkys Freund  |  Januar 13 um 2010

    @ raven: Och Mensch. Lebenserwartung ist doch bei der Wiedergeburt wirklich kein Argument. Ich verlängere dann einfach und nehme den Spatz im Abo. Und dass Tiere als Reinkarnation minderwertiger sind als Menschen, ist nur ein mieser Trick, um Menschen bei der Stange zu halten.

    Wolke ist wirklich was Schönes. Sehr kreativ. Der Sommer würde mir nur etwas zu schaffen machen.

    In „Mieses Karma“ habe ich schon mal reingeblättert. Witzig.

    @ Max: Ja, ja, wenn der Mensch nicht wäre. Bär hat auch was. Vorausgesetzt es sind genügend Lachse da (womit Lachs als Zieltier schon mal wegfällt). Tonscheibe ist tatsächlich noch schlimmer als Spanferkel oder Angelwurm. Da gebe ich Dir uneingeschränkt Recht.

  • 6. Schaps  |  Januar 13 um 2010

    Da hast du dir aber ein abwechslungsreiches Leben ausgesucht ^^
    Aber wie alt werden die Viecher denn? 😉
    Ich hab mir jedenfalls nie solche Gedanken gemacht…oder Gedanken vielleicht schon, aber ich hab mir nie ein Tier „ausgesucht“ als das ich wiedergeboren werden will.

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