Die gemeine Küchenschabe

Januar 7 at 2010 10 Kommentare

Ist jemanden zufällig auch entgangen, dass eine Küchenschabe mit 150 cm/s (5,4  km/h) als schnellstes krabbelndes Insekt gilt? Aber nur die orientalische Küchenschabe  (auch gemeine Küchenschabe genannt und quasi ein Global Player). Die deutsche Küchenschabe schafft zwar „nur“ 29 cm/s, aber nur 0,5 mm reichen ihr aus, um sich durch die engsten Lücken durchzuquetschen. Das sollte jeder Interessierte wissen. Und wer das tiefere Wesen einer Kakerlake erfahren will, sollte sich damit auseinandersetzen, dass diese erst ab 20 Grad richtig aufblühen und unter 10 Grad nur lethargische Memmen sind.

Das ist alles ein großes Problem! Denn wer denkt, dass zu einem Kinderbuch für Erwachsene über durchgeknallte Parkbewohner keine Recherche notwendig ist, sei gesagt: Diese Erkenntnise über Küchenschaben stellen mich vor eine große Herausforderung. Dass eine Ente Allesfresser ist, gehört zur Allgemeinbildung. Das kommt Donkys Vorliebe für Lammkoteletts auch sehr zugute. Auch, dass Wellensittiche im Vergleich zu Halsbandsittichen mit Migrationshintergrund kälteempfindlich sind, konnte ich ohne Tierversuch ermitteln. Aber, dass eine Küchenschabe sooo schnell ist? Und soooo dünn?  Wer soll das denn wissen? OK, dass die Viecher 9 Tage lang ohne Kopf rumlaufen und 40 Minuten die Luft anhalten können, hätte ich ja verkraften können, aber ihre Flinkheit stellt die Glaubwürdigkeit meines Plots zum Kapitel „Flucht aus dem Paradies“ ernsthaft in Frage.

Aber von vorn: Das Restaurant Waldschlösschen spielt eine wesentliche Rolle in meinem Buch „Panik im Park – Donky und die drei demokratischen Dampfnudeln“. Das waren noch fette Monate für unzählige Küchenschaben im ehemaligen China-Restaurant Lotusgarten, bevor ein merkwürdiger Fluch den Betrieb lahmlegte. Überall Fritierfett, sabbernde Süß-Sauer-Soße und leere Katzenfutterdosen. Aber mit dem nachfolgenden Gourmet-Restaurant ist das Schlaraffenland passé. Nun sind nach dem tragischen Tod des Boss Matis, der Oberkakerlake, in der Avocardocreme nur noch vier dort gebürtige Exemplare übrig, die nicht Opfer von Hunger, Klebefallen, Schuhsohlen und Kanibalismus wurden. King Pao, Bambussi, Kitty K. und Li Mo müssen deshalb einen raffinierten Fluchtplan austüfteln, um der neuen, geleckten Küche des Waldschlösschens zu entkommen. Ihre Berichte vermischt mit mysteriösen Gerüchten bringen die Parkgemeinde in Aufruhr…

Soweit, so gut. Nur: Warum ist  ein raffinierter Fluchtplan notwendig , wenn die Schaben nicht einfach in einem Affenzahn zur Tür flitzen und durch jeden Spalt schlüpfen könnten? Zack, peng, Fisch gelutscht. Warum können sie nicht lieber so behäbig sein wie ein Marienkäfer. Ein Käferlein, dem ein Stiefelabsatz ein nicht unerhebliches Restrisiko bedeutet, alle sechse von sich zu strecken? Und eine Tür, die zu ist. Immer, auch für Küchenschaben.  Aber etwas zoologischer Sachanstand muss ja noch gewahrt werden. Also dürfen die kleinen Biester in der Geschichte nicht zu pummeligen Käfern mutieren. Geht jetzt nicht mehr. Allerdings wäre das der Dramaturie wirklich dienlich. Echt!

So brauche ich dringend einen Grund, warum die vier das so machen, wie ich es für sie bestimmt habe und nicht so, wie es am einfachsten wäre. Gibt es einen Ausweg aus diesem literarischen Dilemma? Das sind im wahrsten Sinne des Wortes wirklich gemeine Küchenschaben, die mir zur Zeit den Schlaf rauben.

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LDUNGEN+KURZMELDUNGEN+KURZME Die ideale Wiedergeburt

10 Kommentare Add your own

  • 1. quadratmeter  |  Januar 7 um 2010

    Mit zoologischen Gründen kann ich leider nicht dienen.

    Vielleicht liegt es ja an dem legendären Zrol, vor dem die Kakerlaken schon als Larven gewarnt wurden und über den es unzähige Horrogeschichten gibt? Angeblich soll er ja nur eine Legende sein, aber vielleicht gibt es ihn und seine Schergen tatsächlich?

    Vielleicht ist es aber auch so, dass es zu einer Überschwemmung des Schlösschens kommt, von der die Küche zwar verschont bleibt, weil sie etwas höher gelegen ist, aber die Bedrohung schwappt in Wasserform unter den Türen hindurch?

    Hm.

  • 2. Schildmaid  |  Januar 7 um 2010

    Kakerlaken! Pfuibäh!

    Wir hatten damals im Labor so eine uralte Rechenmaschine… selbst aus der kam mal eine Kakerlake zwischen den Tasten hervor gekrochen! *schudder*

    So, zum Problem: Vielleicht wurde ja eine neue Chefköchin engagiert, um dem runtergekommenen Laden wieder zu neuem Ruhm zu verhelfen. Und da diese klimakteriumsbedingte Hitzewallungen hat… zusätzlich zur Hitze in einer Küche, wurde eine Klimaanlage der Marke Arktis4u eingebaut. Jezz ist es in der Küche so kalt, dass die Kakerlaken kaum noch krauchen können und ein Fluchtplan muss her…

    Vielleicht haben sie aber auch eine Eule angeschafft, um symbolisch den Reichtum anzukurbeln. Und diese Eule frisst für ihr Leben gerne Schaben…

    ich denke mal weiter drüber nach. Aber es war schön, endlich mal wieder etwas von Dir im feedreader zu finden. Sehr fein! 🙂

  • 3. Donkys Freund  |  Januar 7 um 2010

    Wow, vier ganz neue Perspektiven, prima:
    1.) Zrol…der Krieger…oder Gott…oder einfach die fette Hauskatze. Ein reizender Gedanke. (Oder der dicke Barsch im Aquarium im Gastraum?)
    2.) Hinter der Tür liegt gefährliche Brandung. Jetzt brauche ich nur noch einen Fluss…oder einen Schlauch!
    3.) Lähmende Kälte. Da kann ein Schuh draus werden (also nicht für die Schaben) Die Viecher müssen vielleicht durch den Kühlraum. Fataler Irrtum, nicht nochmal!
    4.) Eulen in der Küche? Mag Eule TM hochgestellt denn überhaupt Kakerlaken?

    …das wird wohl ein langes Kapitel. Weiter so! 😀

    @ Schildmaid: Ja, die Tage habe ich ausgesetzt. Ich sprenkle mit meinem Reizhusten gerade immernoch den Bildschirm voll. Außerdem kommen dann so Ideen… 🙂

  • 4. quadratmeter  |  Januar 7 um 2010

    Gute Besserung!

  • 5. Schildmaid  |  Januar 7 um 2010

    Bei Reizhusten musste viel Tee trinken. Am besten Spitzwegerichtee. Das Zeuchs hilft fix wie nix! °v°
    Und nun bessere Dich. 🙂

  • 6. Raven  |  Januar 8 um 2010

    In meinem Biologiestudium habe ich so einige Schaben sezieren müssen. *würg* Also, wenn es sich um adulte Küchenschaben handelt, halte ich es mit der halben Millimeter großen Fluchtlücke für einen sehr kühn gewählten Wert.

    Bei guter Ernährung bestehen die Viecher hauptsächlich aus Fett. Außerdem, wie wir wissen, besitzen Insekten ein Exoskelett. Eine Schabe kann sich sehr flach machen und ist auch sehr gelenkig, aber allein die Maße des Kopfes kann nicht auf 0,5 mm komprimiert werden. Wenn ja, hinterlässt sie dabei nicht nur einen verdammt großen Fettfleck, sondern ist auch sicherlich nicht mehr so unternehmungslustig. 😉

    Höchstwahrscheinlich ist das mal wieder ein typischer Kommafehler, der auch Generationen von Kindern den Verzehr von Spinat aufgenötigt hat, nur weil einer beim Ermitteln des Eisengehaltes sich um ’ne Kommastelle vertan hat. 😛

    Schau einfach mal auf ein Lineal wieviel 0,5 mm sind, da kommen doch sicherlich auch bei dir Zweifel auf, oder?

  • 7. Donkys Freund  |  Januar 8 um 2010

    @ Quadratmeter und Schildmaid: Danke für die Wünsche!. Wird schon besser. Dieses Kraut brühe ich mir in Kombi mit anderen Trockenblättern tatsächlich jeden tag auf.

    @ Raven: Ich habe mich noch mal erkundigt (Wow, ich werde noch Kammerjäger…). Es sind tatsächlich 0,5 mm. Aber: Das gilt für das Nymphenstadium, und da sind King Pao, Bambussi, Kitty K. und Li Mo ja tatsächlich schon längst raus. Außerdem muss unterschieden werden zwischen der gemeinen (30mm lang) und deutschen Schabe (15 mm).

    Aber egal ob 0,5 mm oder cm. Eine Türlücke ist immer drin…

  • 8. Max  |  Januar 10 um 2010

    “ La Cucaracha oder die Stunde der Küchenschaben“ ist hier mein Literaturtipp. Ich befürchte es wird DIr gefallen!
    Spassiges Wochenende!

  • 9. Donkys Freund  |  Januar 11 um 2010

    Danke für den Tipp. Hab‘ schon bei Amazon gestöbert. Scheint schön kurzweilig zu sein. 😀

  • 10. Zrol « Donkys Welt  |  Januar 22 um 2010

    […] Donky und die Parkpartei und die Aufregung um das Restaurant "Waldschlösschen". Damit Frau Quadratmeter auch weiß, was Zrol so macht und um den Einstieg ins Waldschlösschen (und den unmittelbar damit verbundenen Küchenschaben) […]

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