Der heilige Hosenknopf

Juli 30 at 2009 5 Kommentare

Zum Gedächnis der Limburger Dom-Enten (siehe Artikel)

Zum Gedächnis der Limburger Dom-Enten (siehe Artikel)

Sehr ärgerlich, wenn vor einem wichtigen Termin die Uhrbatterie erlischt und man wie irre mit dem Finger auf das Zifferblatt hämmert. Noch ärgerlicher, wenn dies im Mittelalter passiert. Nicht, dass die damalige Bevölkerung besonderen Wert auf batteriebetriebene Armbanduhren legte. Donky hatte jedoch einen wirklich, wirklich wichtigen Termin. Nach einem kurzen Abstecher ins Limburg des 13. Jahrhunderts mit seiner Zeitmaschine, meldetete diese just zum Rückflug…12:34 Uhr. Und zwar schon seit Stunden.

Der Erpel hatte sich eine Uhr "geborgt", nachdem unser Außerirdischer ihn in die Kunst des Zeitreisens mit Hilfe einer gewöhnlichen Armbanduhr eingewiesen hatte. So begleitete uns Donky auf unserer Mega-Fahrradtour an Rhein, Ruhr und Lahn sehr bequem per Zeitreise. Ich habe keine Ahnung, wie das funktioniert. Er aber umso mehr, so dass er nur so von Epoche zu Epoche pendelte. Was war er niedergeschlagen, als er uns mitteilte, dass der Ententeich zugefroren sei. Das hielten wir für nicht so ungewöhnlich. Dass ganz Bonn unter einer Eisschicht begraben liegen sollte, erschreckte uns bei 30 °C an der Lahn aber schon. Erleichtert nahmen wir zur Kenntnis, dass dies noch ein paar Jährchen Zeit hat. Donky hatte leichte Schwierigkeiten Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu trennen und meckerte zum Beispiel über die Panzerung der Eisenfische und wie schwer diese in 20.000 Jahren zu knacken seien. Zarte Heringsfilets in Balkansoße. Mindesthaltbarkeitsdatum: 20.9.2011.

Limburger Dom 2009

Limburger Dom 2009

Zurück ins 13. Jahrhunder: Die Ente fuchtelte verzweifelt am Drehknopf und nichts geschah. Hinter ihm wurde gerade der Limburger Dom hochgezogen. Wie brenzlig diese Situation war, wurde Donky erst bewußt, nachdem er durch die Maschen eines Netzes in einen Verschlag mit vielen zerrupften Stockenten schaute.

Es ist bis dato weitgehend unbekannt, dass damals Enten für den Bau von Kirchen genutzt wurden. Nicht ganz freiwillig, aber für entlegene Winkel eignen sich Enten ganz hervorragend zum Steinetransport. Ganz besonders ziemlich weit oben. Und Teile des Limburger Doms sind wirklich ziemlich weit oben.

Harte Entenarbeit

Harte Entenarbeit

So hat Donky einen erheblichen Beitrag zum Bau des Limburger Doms (oben links hinter der Orgel) beigetragen. Ja, er schuftete von früh bis spät oder besser: delegierte seine Enten-Jünger, die in ihm aufgrund seiner Weitsicht (Er kannte immerhin das Wetter vom 12.7.2009) eine Art Enten-Messias sahen. Aber an Flucht war nicht zu denken, zumindest dachte dummerweise keiner daran. Enten machten erst im 18. Jahrhundert intellektuell einen evolutorischen Sprung. Und Donky fühlte sich in seiner Rolle eigentlich ganz wohl. So als Messias. Nur, dass jeden Sonntag eine Ente im Verschlag fehlte, machte ihn etwas nachdenklich. Aber, was soll’s, wenn man schon nicht wegkommt! Manchmal gab es sogar alten Kuchen.

Nun suchten die Limburger verzweifelt nach einer Relique zur Fertigstellung des Doms. Denn jeder Dom braucht eine vernünftige Relique zum Anfassen, Küssen oder Schmusen. Der Reliquien-Markt stand etwas unter Druck, da Jesus und die Heiligen schon weitgehend abgeklappert waren und sich die Innovationsfreudigkeit in Grenzen hielt. Gut, ein Dorn von Jesus Krone war noch zu erhaschen, aber die gaben erst im Dutzend etwas her, außerdem sind die schnell verschluckt. Der eilig erworbene, heilige Essigschwamm, an dem Jesus am Kreuz lutschte, war auch leider von einer übereifrigen Magd für den Donnerbalken missbraucht worden und verlor so etwas von seiner Heiligkeit.

Da verwunderte es nicht, dass ein jüdischer Geschäftsmann unter großem Jubel beim Executive Projectmanager empfangen wurde, als er den heiligen Hosenknopf Christi anbot. In dicken Lettern war darauf das althebräische Wort "LEVIS"  geprägt, was so viel heißt wie "Tor zum Himmel". Ja, richtig gelesen, Himmel. (Für alle, die sich mit Blick nach unten auf ihre Jeans jetzt freuen: Alles billige Plagiate!)

Versteckte Hinweise (Entenfedern)

Versteckte Hinweise (Entenfedern)

Als Donky bei einem Ausflug aus seinem Verschlag (ohne Dach) das gute Stück durch ein Fenster erblickte, witterte er seine Chance. Zu ähnlich war die Form der leergelaufenen Knopfbatterie. Und wenn Jesus Lahme zum Laufen bringen konnte, wird sein Hosenknopf doch wohl das selbe mit einer popeligen Uhr anstellen können?! Donky wartete bis zum Abend und animierte seine Jünger zum wilden Schnattern (Sollte ein Choral zu seiner Huldigung werden). Erinnerungen an Rom wurden wach, als die Gänse so ein ähnliches Theater beim Angriff der Gallier machten (Dabei kannten die Gänse die Gallier doch gar nicht). So war selbst der Bischof damit beschäftigt, Gallier zu suchen. Donky nutzte die Gunst der Stunde, flog durch das offene Fenster, tauschte unauffällig den Knopf  gegen einen Kieselstein aus…und setzte zitternd den Knopf in die Uhr ein.

Diese leuchtete sogar im Dunkeln und legte ein Mördertempo vor, aber sie ging! Die Ente war außer sich und feierte eine Riesen-Hostien-Abschiedspartie. Tschüss Dom! Donky gab den anderen Enten noch mit, dass man durch Löcher durchfliegen kann, ohne in die Entenhölle zu kommen (Topf), es darf nur keine Scheibe drin sein. Das war dann auch das Ende der Enten am Bau. Einige flogen durch Löcher in die Freiheit, die meisten jedoch gegen Scheiben. Ein paar landeten in der Hölle.

Beten ohne Reliquie

Beten ohne Reliquie

Der klägliche Versuch, den Kieselstein in Limburg als Grabstein Christi zu verkaufen, flog relativ schnell auf. Außerdem maßte sich plötzlich jede mickrige Kapelle an, den echten Grabstein zu besitzen. So ist der Limburger Dom weitgehend reliquienfrei (na ja, fast). Und Donky hat Zeitreisen satt und schmiss die Uhr in die Lahn. Sie ging ja vor…

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Doch keine Betriebsferien Die 5 Gefährten – Reisebericht Tag 1-2

5 Kommentare Add your own

  • 1. freidenkerin  |  Juli 30 um 2009

    Ich lach‘ mich schlapp! Was für eine wundervolle, skurrile, bunte, irrwitzige Geschichte! Herrlich! Vielen Dank fürs Erzählen.
    Liebe Grüße

  • 2. Raven  |  Juli 31 um 2009

    Sehr schöne Geschichte. *lol* An Fantasie fehlt es dir jedenfalls nicht.

  • 3. Donkys Freund  |  August 2 um 2009

    Aberr…aber…das ist doch alles genauso passiert!?

    😉

  • 4. freidenkerin  |  August 2 um 2009

    Na klar! Aber natürlich! Wer würde denn auch daran zweifeln? 😉

  • 5. Donkys Freund  |  August 9 um 2009

    Eben! 😀

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  • Willkomen in der verrückten Welt von Donky, der Ente, und seinen Freunden!
  • Die meisten Beiträge entstanden aus Handspielen mit meinem Sohn Jan.
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