Worte auf der Goldwaage: Gleichfalls

Mai 9 at 2009 5 Kommentare

Aus der Reihe „Worte auf der Goldwaage“:

Wer „Gleichfalls“ sagt, hat es verpasst, rechtzeitig „Guten Appetit“ oder „Schönen Tag noch“ zu grüßen. Manchmal werden auch Komplimente verlegen mit einem „Gleichfalls“ erwidert, zum Beispiel „Gut sehen sie aus!“ oder „Hat mir wirklich Spaß mit dir gemacht“. Hier ist das „Gleichfalls“ aber noch peinlicher als die verpasste Gelegenheit, als erster nett zu sein. Allerdings macht auch der Ton die Musik: Ein souveränes „Gleichfalls“ klingt zumindest noch wie „Besser hätte ich es nicht formulieren können!“, ein gestammeltes eher wie „Äh…wollte ich auch gerade sagen…“. Ein legeres, aber verkrampft wirkendes „Dito“ macht die Lage nur noch schlimmer.

„Gleichfalls“ muss jedoch auch sorgsam eingesetzt werden. Hole ich mir abends 11 Uhr einen Frascati-Tetrapack an der 24-Stunden-Tankstelle, ist es einfach umpassend, dem Tankwart nach einem „Schönen Abend noch“ ein „Gleichfalls“ mit in die Nachtschicht zu geben. Komme ich zu spät zum Essen, sollte ich zunächst auf den Sättigungsgrad des Gegenübers zu achten, bevor ich ein Guten-Appetit-Wunsch beantworte. Zwei Erbsen sind selbst ein „Gleichfalls“ nicht wert.

In einem Fall ist „Gleichfalls“ absolut kontraproduktiv: „Ich liebe dich.“ muss unbedingt im Wortlaut beantwortet werden. Auch ein neckisches „Auch so.““ oder „Selber!“ hat hier nichts zu suchen. In diesem Sinne „Schönes Wochenende!“

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Die Verwandlung der Trockenqualle Projekt 52: Freiheit

5 Kommentare Add your own

  • 1. bee  |  Mai 9 um 2009

    Ich denke gerade an den Mann, der bei Kurt Tucholsky bestellt: „Mir auch’n Kirsch.“ Dies auch hängt sich an. Es ist Kopie, Abzug, nicht der eigene Gedanke.

    Das Wort ist verhältnismäßig jung, es stammt erst aus dem 16. Jahrhundert und tritt als Zusammenziehung von des gleichen Falles über gleichesfalls im 17. Jahrhundert neben ebenfalls – etwas älter dies, im Ebenbild, das dem einen Ei gleicht wie das andere, schwingt noch leise ein lateinisches ibi-dem mit, das wie im althochdeutschen ëpanpilidi Vorstellung und Abbild gleichsetzt. „Wie aus dem Gesicht geschnitten! – Ja, eben!“

    Eier gleichen einander; man kann das gleiche Ei mehrmals kochen, herunterfallen lassen oder verwechseln – aber dasselbe Ei zweimal zu essen, das… nein, ich möchte mir das nicht vorstellen. Denn jede Gleichmacherei ist nur eine Sache der Äußerlichkeit. Das aus dem Gemeingermanischen stammende galîh setzt sich aus ga- ‘(so) wie’ und līka ‘Körper’ zusammen. Das Identische wird nicht gestreift, die Gleichheit ist nur in der äußeren Schale zu suchen – so können durchaus auch alle Menschen gleich sein und trotzdem Individualität für sich beanspruchen.

    Es ist also eine Differenz zwischen dem Gleichen und dem Identischen. Der gleichfallsige Zurückwünscher (Goethe benutzt das einmal, Tieck sogar „ebenfallsig“ und man mag sich bei beiden sogleich schütteln) ist immer eine kleines bisschen neben der Identität zugange. Er wünscht nur 99% vom schönen Tag und vom guten Appetit oder doch nicht die ganze Idee des ihm Gewünschten. „Auch so“ – da wirft einer ein Ei zurück. Ein faules, wie mir scheint.

    Wenn mir der Kassierer ein schönes Wochenende wünscht, werde ich mir grimmig in den Bart murmeln: „Sie mich auch!“

  • 2. Donkys Freund  |  Mai 10 um 2009

    ich bin wieder beeindruckt über den wirklich tiefgründigen Hintergrund. Spricht da ein Sprachwissenschaftler? 🙂
    „Sie mich auch“ sind dann schon eher 9% anstatt 99% des Wunsches, nicht wahr? 😉

  • 3. bee  |  Mai 12 um 2009

    Stimmt, die Sprachwissenschaft war damals einer der Schwerpunkte meines Studentenlebens – wenn nicht Mensa und Cafeteria und Buchhandlungen gewesen wären, hätte ich da meine Hängematte angebracht 😀

    „Sie mich auch“, das ist der tief empfundene Wunsch, es dem also Angesprochenen gleich um gleich heimzuzahlen… und da lässt man sich doch nicht lumpen 😉

  • 4. Donkys Freund  |  Mai 12 um 2009

    Dachte ich’s mir doch! 🙂
    Ich finde „Sie mich auch“ lässt sich sehr universell einsetzen. Und dennoch ein sehr eindeutiger Wunsch. 😉

  • 5. Schaps  |  Mai 13 um 2009

    Oh ja! Ich hab als Nebejobber mal in nem Drogeriemarkt gearbeitet, da mussten die Kunden scheinbar auch immer und immer wieder noch einen schönen Tag wünschen…ihr könnt mich mal! 😀

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