Ei

März 16 at 2009 Hinterlasse einen Kommentar

Mit der kürzesten Überschrift dieses jungen Blogs möchte ich auch saisonal passend ein paar Gedanken zu Eiern loswerden.

Wir kaufen Eier regelmäßig auf unserem kleinen Markt bei einem Geflügelbauern, der auf Bildern an seinem Stand die artgerechte Haltung des Federviehs anpreist. Und wir glauben ihm. Freilaufende Hennen sind für uns ein Muss beim Eierkauf. Bodenhaltung allein ist nur Augenwischerei.

Welches Ei?

Welches Ei?

Auch im Supermarkt bieten Großfirmen wie „Wie.senh.of“  inzwischen Eier aus Freiland- oder Öko-Haltung an. Und auch ihnen glaube ich jetzt mal, wenn auch der Freiraum zur Nutzung des Begriffes „Freiland“ bestimmt optimal ausgenutzt wird. Diese Freilandeier sind sogar meist etwas günstiger als die des freundlichen Marktverkäufers. Trotzdem habe ich immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich sie mal kaufen muss.

Denn marketingtechnisch ist das nur eine „Produktdifferenzierung für eine segmentspezifische Kundenansprache“. Wenn die selbe Firma parallel auch Eier aus der Legebatterie anbietet, kann von Überzeugung keine Rede sein, anders als beim Geflügelbauern zumindest teilweise mal unterstellt. Stattdessen schöpfen diese Firmen über den Preis unbedarfte Kunden ab, die sich freuen, dass Öko jetzt auch billig geht. Geht es aber nicht! Jedenfalls nicht ohne schmutzige Hände:

Klammert man den Vorteil eines regionalen Nachfrageausgleiches eines Großbetriebes mal aus,  kann dieser sowohl bei Eigenproduktion wie auch den Ankauf über Vertragsbauern einen günstigen Preis besonders über sogenannte Skaleneffekte (gewinnoptimierende Effekte durch größere Mengen) erreichen. Darunter fallen wegen der immensen Eiermenge geringere Durchschnittskosten für Verwaltung, Logistik, Marketing, Vertrieb etc. pro Ei. Außerdem profitieren sie von günstigeren Einkaufspreisen für Produktionsmittel von Futter bis Schmieröl für die Verpackungsmaschinen und eine „bessere“ Automatisierung durch wirtschaftlich mögliche Investitionen. Die günstig umgelegten Kosten pro Ei (und damit auch die günstigen Preise) lassen sich aber nur dadurch realisieren, indem ein Großteil der Kunden eben auch Eier der geschundenen Käfighühner kauft. Und das bleibt solange so, bis mit den „effizienten“ Eiern  kein Geschäft mehr zu machen ist. Also nie. Und wenn die Eier zur Nudelherstellung in die Ukraine gekarrt werden. Also kein billiges Freiland-/Öko-Ei ohne ein Vielfaches an Käfig-Eier bei diesen „Produktmix“-Anbietern.

Und wenn sich immer mehr Kunden aussschließlich vom Preis leiten lassen würden, verkauft  mein Geflügelbauer irgendwann zu wenig Eier, um damit noch Gewinn zu erwirtschaften. Das wäre ja schon schlimm genug, dass Kunden abwandern, jedoch würde bei einer Kapitulation des Landwirtes auch jeder treue Kunde mit einem Schlag auch auf dem Trockenen sitzen und sich entweder irgendeine weit entfernte Alternative suchen müssen oder…ist klar… Supermarkt-Eier kaufen. Vielleicht wäre mein Bauer, wenn er Glück hat, noch Zulieferer.

Damit bleiben früher oder später nur die Großfirmen übrig und können nach Belieben den Preis für „Öko“-Eier wieder bestimmen. Vor allem bei Oligopol-Strukturen, also wenig Anbietern, die für eine optimale Preispolitik Absprachen treffen könnten, wäre diese Strategie vorhersehbar. Und wenn der Preis tatsächlich sänke, kann dies zwar einseits an optimierten Prozessen für Freilaufhühnern liegen (inklusive Kostendruck auf Vertragsbauern und Abschöpfen von deren Marge), aber auch an „optimierten“ Prozessen für Käfigtiere oder besser gegen Käfigtiere (z.B. wegen guter Lobbyarbeit für EU-Verordnungen oder europaweit koordinierten Transporten).

Also schon mal eine besinnliche Vorosterzeit!

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