Authentisch

Dezember 12 at 2008 Hinterlasse einen Kommentar

Erziehung ist ein Fass ohne Boden. Gerade wieder akut, als unser Filius aus Passivität heraus in der Schule zu seinem Nachteil etwas aufgeschoben und damit verpasst hat. Was, ist hier unwesentlich. In solchen Augenblicken, in denen die "Schuldfrage" gar nicht recht zu stellen ist, zwinge ich mich selbst  zu fragen, was ich wirklich will. Und hierfür benötige ich selbst eine Orientierung, die mich zu einer Lösung führt.

In diesem Sinne ist dies hier kein semiwissenschaftlicher Aufsatz oder gar Anleitung, sondern ich formuliere mal aus, was mich gerade beschäftigt. Nach dem Motto "Schreiben reinigt!". Jeder hat hier seine  Landkarte. Wer will, schaut einfach mal auf meine.

Wer sich mit Kindern befasst, hat in der Regel bestimmte Erziehungsgrundsätze. Hier stehen oft Begriffe wie Konsequenz, Dialog, Selbsterfahrung, Wertevermittlung, Grenzsetzung und -ausdehnung im Fokus, die sich bei aller Richtigkeit oft genug gegenseitig beißen. Uns hilft hierbei ein Leitmotiv, das wir über den "Erziehungsauftrag" (schlimmes Wort) stellen: Authentisch sein .

Authentizität ist aber ein sehr schwammiger Begriff. Das klingt erstmal nach "Machen, wie einem gerade zumute ist." Das Gegenteil von Konsequenz. Und eine wissenschaflich klingende Rechtfertigung für Pseudo-Individualismus a la "Du must mich so nehmen, wie ich bin". Deshalb kurz mal ein Abriss, was wir darunter im Rahmen von Erziehung verstehen:

Es existieren aus meiner Sicht zwei Facetten von authentischer Erziehung:

1.) Stimmungen und persönliche Situationen in der Erziehung erlauben.

2.) Eigenes Verhalten und Charakterzüge vermitteln und persönliche Wesenszüge oder gar Schwächen auch als solche darstellen.

Der erste Punkt sagt eigentlich nur, dass eine Erziehung unter Laborbedingungen auch genau als solche rüberkommt. Begründete Inkonsequenz ist oft für das Kind besser einzuordnen als konstruierte Konsequenz. Ebenso ist emotionale Unfairness manchmal auflösbarer als disziplinierte Nettigkeit, die nicht zur erbarmungslos ungeschminkten Körpersprache passt. Eigentlich eine entlastende Regel, wenn man sie nicht überzieht und missbraucht.

Der zweite Punkt ist deutlich komplexer, denn er verlangt Selbstreflexion. Und zwar kontinuierlich. Passt das, was ich verlange, zu mir selbst? Und wenn nicht, wird es trotzdem verstanden und nachhaltig akzeptiert?

Bin ich selbst schnell aufbrausend, klingt ein Appell an die Besonnenheit wie Hohn. Löse ich rational und strategisch Probleme, werde ich den Ratschlag, initiativ "einfach mal zu machen", nicht begeisternd rüberbringen können. Ein Glück ist es dann, wenn die Eltern charakterlich so unterschiedlich sind, dass sie gewisse Rollen verteilen können. Das klappt leider nicht immer – aus  unterschiedlichsten Gründen und das ist auch gut so.

Konkret beschäftigt mich die Situation, meinem Sohn bei der Bewältigung einer Schwäche zu helfen, eine Schwäche die auch eine äußerst positive "Kehrseite" der Medallie hat. Somit kann und will ich nicht aus der Schwäche eine Stärke machen, sondern ihm nur Möglichkeiten mitgeben, diese Schwäche zu schwächen, zu kompensieren. Ansonsten gefährde ich die starke Seite. Die beiden Seiten sind nicht zu trennen. Problem: Ich habe diese Schwäche selbst. Und schlimmer noch: Der Spiegel, den mir mein Sohn mit seinem Verhalten vorhält, wühlt mich auf.

In diesem Augenblick hilft aber…die Authentizität. Denn ich schaffe es leichter, ihn auf meine Seite zu ziehen. Ich kann authentisch darauf einstimmen, dass es schwierig und anstrengend ist, gegenzusteuern und was es aus meiner Sicht konkret hilft, es doch zu tun. Oder ich gebe ihm sogar Gelegenheit, mir Tipps zu geben. Der Umweg der Selbstreflexion. Selbstreflexion ist für mich der einzige Weg jenseits eingebrannter Glaubenssätze, nachhaltig etwas zu verändern, auch bei Kindern.

Ähnliches gilt für Reglementierungen (Regeln, Wertevermittlung, Aufgaben, Grenzen), nur etwas härter. Trotzdem gilt auch hier der Grundsatz: Halte ich selbst die Regeln nicht ein, die ich fordere, werden diese früher oder später bis zur Unkenntlichkeit relativiert. Brenne ich sie mit Härte ein, werden sie womöglich in Glaubenssätze umgewandelt, wo sie nicht hingehören. Das ist der Teil der Authentizität, der hohe Selbstdisziplin erfordert.

So, danke für’s Zuhören. Das ist natürlich nicht die "Wahrheit", aber ich glaube, ich habe mich etwas sortiert.

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Wer was über Wiesel wissen will Am Ende sind es drei

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