Leseversion: Der König des Waldkönigwaldes

September 26 at 2008 Hinterlasse einen Kommentar

Nachdem jetzt alle Wettkampftage teilweise mit Videos im Blog eingestellt sind, gibt es hier die Geschichte als Kurzgeschichte zum Lesen und Vorlesen, ohne die Hintergründe des Blogs kennen zu müssen.

Wer lieber die Blogversion sich anschauen möchte: hier .

Sonst zurücklehnen, eventuell ausdrucken, und weiter(vor)lesen:

 

Der König des Waldkönigwaldes

Die Geschichte eines ungleichen Wettkampfes…

 

 

1. Wettkampftag

Kolumbi kann nicht so gut hüpfen. Er ist überhaupt erst einmal gehüpft. Als Hotz ihm einredete, dass Regenwürmer doch viel schlauer seien als Holzwürmer, hüpfte er in den Ententeich, denn ein Teich ist aus Wasser und Regen auch. So vertrat dies jedenfalls Hotz, denn Kolumbi ist trotz seines wenig imposanten Körperbaus als Holzwurm bei den stolzen Hirschen sehr beliebt. Zu beliebt, wie Hotz findet.   

Kolumbi mag Eichenschränke

Kolumbi mag Eichenschränke

Hotz ist der König des Waldes. Das meint jedenfalls er. Er ist ein Hase, möchte jedoch nicht so genannt werden. Er sei ein Hirschhase. Das meint jedenfalls er. Er meint sowieso viel, was nur er meint, zum Bespiel das er der Beste sei. Und wenn er nicht der Beste war, hat jemand gelogen.

Die Hirsche sehen das etwas anders. Selbst sein Geweih beeindruckt sie nicht, erst Recht nicht, wenn durch Regen seine extra mit Haarspray hergerichteten Ohren einknicken. Immer wenn er mit einem eitlen „Ho, ho, ha, ha“ am Satzanfang die Hirsche zurechtweisen will, wird es für ihn gefährlich. Manchmal braucht er Stunden, um sich wieder auszubuddeln.

Hotz in natürlicher Umgebung

Hotz in natürlicher Umgebung

Weil Kolumbi Hotz bei den Hirschen die Schau stiehlt, schickt der Hase den Wurm vorsichtshalber nach Venezuela, um Haarspray für ihn zu kaufen. Kolumbi denkt, Venezuela wäre unser Drogerie-Markt in unserem Dorf. Zum Glück.

Wir leben nämlich nicht in Venezuela, sondern in einem kleinen Stadtteil einer mittelgroßen Stadt. Mein Sohn Jan geht in die 3. Klasse und ich bin nur der dazu gehörige Vater. Zu Hotz, Kolumbi und ihren Freundinnen und Freunden haben wir einen guten Draht. Wir gehören fast dazu. Wenn wir unsere Ruhe haben wollen, bleiben sie aber im Park oder im Wald. Das haben wir nämlich ganz allein in der Hand.

Heute beginnt der Wettbewerb, worauf die beiden Freunde schon seit Tagen hinfiebern. Der Titel „König des Waldkönigwaldes“ wird vergeben. Hotz und Kolumbi konnten sich nicht einigen, ob der „König des Waldes“ oder der „Waldkönig“ gekürt wird. So sehen Kompromisse aus. Die Hirsche kochen für den Gewinner Apfelmus. Leider wissen sie noch nichts davon.

Die Disziplinen heißen Moorhüpfen, Quasselstrippen, Kerzenwachsen, Ohrenwackeln und Baumstumpfknabbern. Hotz hat sich zufällig alle Disziplinen ausgedacht. Kolumbi findet, dass das fair sei, weil Hotz ja schlauer sei. Wir, mein Sohn und ich, finden, dass das kein ausreichender Grund ist. Kolumbi ist einfach zu gutgläubig und hält große Stücke auf Hotz. Er sei einfach der Beste. Das sieht Hotz ähnlich und so gehen sie als Freunde durch Dick und Dünn. Kolumbi geht durch Dick, Hotz eher durch Dünn.

Moorhüpfen ist sehr schwierig, denn die beiden müssen zehn Meter durch das Moor hüpfen. Na, so was!

Nun stehen beide vor dem Sumpf und unserem Wurm fällt ein, dass er keine Beine hat. Hotz überhört den Einwand rasch und räuspert sich noch einmal. Kolumbi will lieber hinter Hotz starten, um im Windschatten hüpfen zu können. Da Hotz nicht weiß, was ein Windschatten ist, nimmt er den Vorschlag sofort an.

Vor den beiden liegt eine scheinbar endlos 10 Meter lange Schlammwüste. Hotz juckt sich noch mal mit den Hinterläufen und richtet seine Ohren. Kolumbi atmet tief durch. Wenn Holzwürmer tief durchatmen, klingt dies wie das Öffnen einer Bierflasche, nur leiser. Hotz ruft: „Auf die Plätze…“ Ohne Anlauf und weitere Worte setzt er an.

Er springt auf Anhieb sagenhafte 30 Zentimeter, allerdings leiden seine Ohren durch den unbeabsichtigten Kopfsprung in der Form. Beim zweiten Sprung gleiten seine Hinterläufe etwas weg, so dass er mehr rollt als hüpft. Die nächsten Sprünge verkrusten sein Fell mit Schlamm, bekannt von Wildschweinen nach dem Suhlen, nur etwas mehr, nämlich am ganzen Körper. Beim letzten Satz vergisst er, dass das Moor auch mal aufhört und windet sich erst wieder mit großem Gejammer und Gemecker aus den Brombeerbüschen heraus.

Doch wo befindet sich Kolumbi? Langsam kriecht er aus Hotz Blume und streift sich ein paar winzige Schlammspritzer im Gras ab.

Das ist eine schwere Schiedsrichterentscheidung. Doch wir finden, dass ein Unentschieden durch den Bein-Nachteil Kolumbis gerecht ist.

Hotz ist seit dem verschwunden…

  
 
 

 

2. Wettkampftag

Bubu musste viel reden, weise reden, damit Hotz weitermacht. Das kann sie gut, denn sie ist eine Eule, eine weise Eule. Bubu mag Hotz, weil er ihr regelmäßig ein paar Haselnüsse bringt. Sie frisst zwar keine Haselnüsse, aber die Eichhörnchen. So muss sie zur Jagd nicht so weit fliegen und stößt sich im Dunkeln nicht den Kopf.  

Bubu kann schlecht sehen.

Bubu kann schlecht sehen.

Bubu sieht nämlich schlecht und das ist hinderlich für eine Eule, vor allem nachts, aber wer weise ist, denkt sich was aus. Und Bubu ist weise. Sie jagt nachts mit Taschenlampe. Da Eichhörnchen, Mäuse und andere Leckereien denken, dass wieder ein verirrter Wanderer Licht für seinen Rückweg braucht und sie weiter gelangweilt ihrer nächtlichen Tätigkeit nachgehen, hat Bubu leichtes Spiel, sie zu fangen.

Für Hotz musste Bubu diesmal eher raffiniert anstatt weise sein, denn Hotz war beleidigt. Wenn Hotz beleidigt ist, macht er nichts. Gar nichts, um genau zu sein, noch nicht einmal mit den Hirschen meckern. Er ist ja sowieso König des Waldes. Basta!

Bubu sagte Hotz nebenbei, dass Kolumbi sehr traurig sei, weil ihm Wettkämpfe sehr viel Spaß machen. Deshalb mache er jetzt einen eigenen Wettkampf: Zum Kräftemessen „Der Meister der Bäume“ hat er alle befreundeten Holzwürmer, Borkenkäfer und Spechte eingeladen. Da sollten eifrig Löcher gebohrt und Rinde geschnitzt werden. Sonst war noch nichts besprochen.

Hotz stutzte: „Bäume? Haben die nicht etwas mit dem Wald zu tun?“
Bubu hatte die Frage erwartet, schaute bewusst ernst und nickte sanft mit dem Kopf: „Ja, der Wald braucht Bäume wie ein Kuchen die Rosinen.“
Das war ein typisch weiser Spruch von Bubu und Hotz überlegte laut: „Es gibt doch mehr Bäume als Wälder. Und wenn Kolumbi der Meister der Bäume wird, habe ich nichts mehr zu sagen.“
Bubu hob ihre Flügel. Sie wusste, dass Kolumbi sich nur für das Holz der Bäume interessierte. Deshalb schwieg sie lieber und seufzte nur.
Hotz suchte Bubus Rat: „Wenn ich weiter mache, findet der Wettbewerb „Meister der Bäume“ dann nicht statt?“.
„Frage Kolumbi und du wirst es wissen.“ Bubus Antwort klang weiser als sie ist.
Also machte sich Hotz auf dem Weg. Und tatsächlich freute sich Kolumbi so sehr, dass er Hotz den Sieg im Moorhüpfen schenkte. Das finden wir allerdings übertrieben.

So steht er nun doch mit neuem Elan aber mit schlappen Ohren zur zweiten Disziplin bereit, denn er hatte wieder Ärger mit den Hirschen, weil er die ganze Nacht Quasselstrippen geübt hatte. Ohne Pause zu reden, kann für Zuhörer sehr störend sein. Nachts noch viel mehr und erst Recht, wenn niemand zuhören will. Und so nahmen die Hirsche ihm einfach sein Haarspray weg. Schnell war Ruhe, denn ohne Haarspray fühlt sich Hotz nackt.

Kolumbi braucht kein Haarspray, aber er ist trotzdem nackt. Das ist der Unterschied zwischen sich nackt fühlen und nackt sein.

Während sich die beiden noch warm quasseln, stellt mein Sohn Jan die Stoppuhr auf Null. Wer in einer Minute mehr Worte sagt, hat gewonnen.
Auf die Plätze, fertig, los!

Stille.
Die Stoppuhr tickt.

„Äh“ sagt Hotz. Das gilt aber nicht als Wort. Kolumbi erwidert „Hmm“. Auch das wird nicht gezählt. Sekunden verstreichen ohne Laut.

„Mir fällt nichts ein“ piepst Kolumbi. Das sind zwar vier Worte, aber das ist noch weit entfernt von der Satz-Flut beim Test kurz vor Beginn des Wettkampfes. Totalausfall, auch wenn Kolumbi mit 4:0 führt!

Weitere wertvolle Zeit verstreicht. Hotz presst ein „Boah“ raus. Gut, mit Wohlwollen 4:1.
Eine halbe Minute ist vergangen, als Hotz ansetzt: „Ich WILL aber gewinnen!“ 5:4!

Pause.

Kolumbi überlegt. Dies ist eigentlich ein ungeeigneter Wettbewerb, um zu überlegen, doch Kolumbi kontert: „Ich will gewinnen und noch ein Wort mehr!“.
Hotz schreckt auf: „Das ist gemein!“
„Das ist gemein und noch ein Wort mehr“
„Stopp, das war nicht abgemacht!“ Hotz Ohren wedeln inzwischen aufgeregt hin und her. Kolumbi antwortet direkt mit unschuldiger Stimme „Stopp, das war nicht abgemacht und ein Wort mehr“
„Hilf… nei…, das gibt es do…“ stammelt Hotz und weiß nicht mehr, was er sagen soll. Sollte er auch besser nicht.

5…4…3…2…1…0: Das Spiel ist vorbei und Jan erklärt den Sieger. Kolumbi!

Dies hört Hotz jedoch nicht mehr, als er mit einem lauten Schrei im Dickicht untertaucht.

Seit dem ist Hotz verschwunden…

 

  
3. Wettkampftag
 

 

Hotz war wieder ein schlechter Verlierer und ließ sich auch nicht mit einem Unentschieden beim letzten Wettkampf „Quasselstrippen“ überreden. Kolumbi wollte ihm das zugestehen, weil Hotz ja auch kein Haarspray in den Ohren hatte. Dadurch konnte Hotz vielleicht nichts sehen. Wir finden, dass man zum Quasseln nichts sehen muss.
Donky , die Ente, mag Hotz’ Zickerei nicht, Kolumbi mag er dagegen sehr. Als dem Erpel angeblich mal ein Ast den Blick auf den Teich versperrte, fragte er Kolumbi, ob er was dagegen tun könne. Da Kolumbi noch nichts gegessen hatte, war die Arbeit in ein paar Stunden gemacht. Nun hat Donky freie Sicht, oder wir vermuten, besser freien Fall, ohne sich zu stoßen, wenn er nachts mal vom Baum in den See fällt. Donky schläft nämlich auf dem Baum. Das ist ungewöhnlich für eine Ente. Donky meint, er bekommt sonst kalte Füße.
 

Donky liebt Lammkoteletts

Donky liebt Lammkoteletts

Na ja, jedenfalls sagte er Hotz, er wolle sich mal mit seinem Freund treffen. Hotz änderte seine Meinung spontan und er tritt nun heute zum Wettbewerb an. Dieser Freund ist ein Bussard, bei dem ab und zu auch mal ein Häschen auf der Speisekarte steht. Der Bussard findet zwar Hotz’ Haarspray ungenießbar, aber das weiß Hotz ja nicht.

Heute steht also die dritte Disziplin des Wettbewerbes „König des Waldkönigwaldes“ auf den Programm: Kerzenwachsen.

Hierzu müssen sich beide am Waldrand möglichst gerade wie eine Kerze hinstellen. Umso mehr Waldbewohner vorbeikommen und sagen „Oh, das ist ja eine schöne Kerze!“, umso mehr Punkte. Nun sieht man im Wald selten Kerzen. Die meisten Tiere kennen Kerzen noch nicht einmal. Hotz ist aber siegessicher, weil er seit Wochen allen erzählt, dass Kerzen wie Hasen aussehen.

Nach fünf Stunden schmerzen Hotz langsam die Füße. Kolumbi nicht, denn er hat keine. Dafür fällt ihm ein gerader Rücken sehr schwer. Warum kein Tier Hotz als Kerze erkennt, ist unklar. Wahrscheinlich haben die Hirsche ihre Finger im Spiel.

So vergehen weitere fünf Stunden und es wird langsam dunkel.

Bubu hatte ihre Taschenlampe verloren, also kann sie nicht jagen. Sie hat schon den ganzen Wald abgesucht und stieß sich dabei immer wieder den Kopf, als sie Hotz erblickt. Ohne Brille erkennt sie ihn aber nicht und er sieht einer Kerze doch wirklich täuschend ähnlich. „Oh, eine Kerze. Die brauche ich!“ freut Bubu sich und zündet gleich ein Streichholz an. Ein bisschen verwundert ist sie schon, als die Kerze laut schreiend davon rennt. Haarspray brennt gut und Hotz machte einen großen Satz in den nahe liegenden Waldtümpel, um seine Ohren zu löschen.

Jan bricht den Wettbewerb besser mal ab.

Wieder ist die Lage nicht ganz klar. Eine kleine Kellerassel hatte Kolumbi im Vorbeigehen bestaunt mit „Oh, ist das ein schönes Streichholz“. Wir denken aber, dass das zu wenig ist für einen Punkt. Hotz wurde immerhin als Kerze verwechselt, und so bringen ihm seine leicht abgefackelten Ohren doch zumindest den Sieg. Bei soviel Glück tut ihm auch gar nichts mehr weh und Haare wachsen ja zum Glück nach.

Nach drei Disziplinen steht es 2:1 für Hotz.

Bubu hat inzwischen ihre Taschenlampe wieder gefunden. Direkt unter ihrem Schlafbaum.

  
4. Wettkampftag
 

 

Wer sich das ausgedacht hat: Ohrenwackeln hat nun wirklich wenig mit Königen von Wäldern zu tun. Hotz rechtfertigt das mit den Rehen und den Füchsen, wenn diese ihre Lauscher aufstellen, und immer auf der Hut sind. Im Wald, bitte schön!Wir befürchten aber, dass Hotz einfach gewinnen will. Dass Kolumbi keine Ohren hat, kümmert ihn nicht. „Da kann ich doch nichts dafür.“ rümpft er die Nase, „Außerdem kann er ja hören und dafür braucht man Ohren!“ Dagegen kann man nichts sagen und Kolumbi sagt sowieso nichts dagegen, was Hotz vorschlägt. Er ist sich aber auch siegessicher. Das verstehen wir noch nicht.

Hotz war mit einigen Schiedsrichterentscheidungen von Jan nicht einverstanden. Er glaubt, dass wir ja nur in seinem Wald spazieren gehen wollen. Und wenn er gewinnt, hätten wir Angst im Wald, weil er so streng ist. Tatsächlich ist es manchmal ein bisschen unheimlich, aber nur im Dunklen.
Jedenfalls beantragt er einen Schiedsrichter, der nichts mit seinem Wald zu tun hat.
Finkel kommt aus dem Allgäu. Dort trafen wir ihn im Urlaub. Auch er sieht aus wie eine Ente. Das beteuern wirklich alle. Nur er sagt, er wäre ein Buchfink, etwas kräftiger vielleicht, aber eben ein Buchfink. Das liegt wohl daran, dass er als Ei in ein Buchfinkennest gefallen war.  

Finkel ist Buchfink und Ente

Finkel ist Buchfink und Ente

Die Buchfinken haben ihn auch voll und ganz akzeptiert und er ist Ehrenmitglied im Buchfinken-Club. Weil er so gut tauchen kann. Hier haben Buchfinken weniger Talent und so ist er ein Held.

Dass er nicht so gut zwitschern kann, ist nicht wichtig. Sein „Rüütütü Rütü“ ist auch nicht mehr so peinlich wie zu Beginn, als es doch noch mehr nach „Quöökökö Rökö“ klang.

Wir versuchen auch gar nicht mehr, Finkel zu erklären, dass er eine Ente ist. Dann wüsste er ja nicht mehr, wer er ist und könnte nicht mehr bei den Bundesfinkenspielen mitmachen (ähnlich wie die Bundesjugendspiele bei den Menschen). Beim Nistkasten-Zielfliegen musste der Wettkampf jedoch schon mal unterbrochen werden. Das Loch war doch etwas zu klein für Finkel.

Finkel kommt für die letzten beiden Wettkämpfe extra aus dem Allgäu und Hotz ist mit ihm als Schiedsrichter auch einverstanden. Finkel weiß zwar noch nicht, was Ohrenwackeln ist, denn er hat selber keine, aber wir werden ihm das erklären.

Jetzt sitzt die ganze Bande im Park zusammen und ist hochgespannt auf den Wettkampf. Nur wenige geben Kolumbi Außenseiterchancen.

Kolumbi wirft plötzlich in die Runde: „Wenn man keine Ohren hat, gilt dann auch Nicht-mit-den-Ohren-wackeln?“
Schweigen.
„Also wer Ohren hat, wackelt und wer keine hat, wackelt nicht“, ergänzt er, „und wer das am besten kann, hat gewonnen.“
Die Meinung ist gespalten. Einige schütteln die Köpfe: „Zum Ohrenwackeln braucht man Ohren.“ Die meisten geben zu bedenken, dass das ungerecht sei, wenn man keine Ohren hat. Da haben sie Recht!

Finkel entscheidet, dass Nicht-Ohren-Wackeln gilt, aber nur für Tiere ohne Ohren. Das trifft für Kolumbi eindeutig zu.

Hotz hatte sich den Wettkampf anders vorgestellt und mit Finkel als Schiedsrichter ist er auch nicht zufrieden. Dass es auch darin liegen kann, dass er zu sehr an sich gedacht hat bei der Wettkampfwahl, kann er gar nicht verstehen.

So beginnt die Disziplin und Hotz murrt: „Ich will auch nicht mit den Ohren wackeln.“ Das hätte er sich vorher überlegen sollen. Kolumbi macht seine Sache sehr gut. Man sieht wirklich nichts! Klasse!

Hotz hat extra wenig Haarspray in seine Ohren gesprüht, dass sie schön elastisch sind. Seine Vorstellung ist atemberaubend. In einer rasenden Geschwindigkeit schlagen die Ohren Räder und Saltos. Als Hotz auch noch H O T Z mit den Lauschern schreibt, gibt es kein Halten mehr. Alle, die durch den tosenden Applaus inzwischen angelockt wurden, bestürmen den Hasen und beglückwünschen ihn zu dieser famosen Leistung. So hat er sich das vorgestellt. „Bei etwas weniger Wind hätte ich noch mehr drauf“ bemerkte er mit erhobenem Kopf, noch erhobener als sonst schon. Er kann es nicht lassen.

Nun muss Finkel entscheiden: „Da bei beiden Darbietungen keinerlei Fehler zu sehen waren und höchste Präzision sichtbar war, entscheide ich auf ein Unentschieden!“

Die Abmachung, dass Nicht-mit-den-Ohren-wackeln auch gilt, ist vergessen und die Meute stürzt wütend auf Finkel. Hinterher will niemand was von seiner Zustimmung gewusst haben. Das finden wir unfair!

Erst als Donky droht, dass die Lammkotelett-Party ausfällt (Donky grillt eigentlich zu jedem Anlass Lammkoteletts) beruhigt sich die Menge. Das ist ein Argument. Und eigentlich ist allen ja auch egal, wer gewinnt. Das findet Jan jetzt auch wieder etwas zu einfach.

So steht es nun 2,5 zu 1,5 für Hotz.

Hotz ist wieder verschwunden.

 

  
5. Wettkampftag
 

 

Hotz war nur kurz verschwunden. Er musste sich übergeben, da ihm vom Ohrenwackeln übel wurde. Ansonsten bebte er vor Zorn. Warum hat er soviel geübt? Doch zum Glück fing ihn Bubu ab und sprach ein paar ernste Worte: „Du erntest nur die Früchte, die Du gesät hast!“, schimpfte sie. „Auch wenn Du Beifall bekommen hast, so bist Du nur so gut, wie Du auch Kolumbi eine Chance gibst!“. Hotz verstand überhaupt nichts. Starr hockte er vor Bubu und wartete, dass was passierte. Wenn Bubu redet, passiert auch meistens was, manchmal auch erst später.Bubu zeigte in den Wald „Geh, und denke darüber nach!“. Hotz hoppelte vorsichtshalber kleinlaut weg über die Äste wie ein Kaninchen, dachte aber nicht weiter nach.

Kolumbi hatte keine Lust mehr. Immer, wenn er einen oder nur einen halben Punkt erhaschte, war Hotz beleidigt. Ihm fiel auch keine neue Ausrede für Hotz ein. Nein, diesmal muss er schon kommen und ihn zum 5. Wettkampf bitten.
Hotz kam aber nicht. Er kam lange nicht. So lange nicht, dass auch kein Wald- und Parkbewohner an den Wettkampf mehr dachte, selbst Kolumbi nicht. Er hatte inzwischen zur „Meisterschaft der Bäume“ geladen und freute sich mit Doing, dem Specht mit dem Helm. Dieser wurde im Finale durch eine wunderschöne Rindenschnitzerei Sieger. Jetzt hängt das Bild im Wald und alle dürfen staunen, bis es für die Holzwürmer freigegeben wird.
Hotz war traurig. Dieses Gefühl kannte er nicht. Er war schon mal wütend oder verwirrt, aber traurig war er noch nie. Worüber auch, denn er war ja der König des Waldes, er hatte alles und alle liebten ihn. Auch nach dem Wettkampf lobten ihn alle Tiere des Waldes für seine ungeheuerliche Ohrenshow. Na ja, drei Gesellen waren es, um genau zu sein: Ein Mistkäfer, der von der Show gehört hatte, Elli, die Elster, die mit ihm als Artisten Geld verdienen wollte und ein entflogener Wellensittich. Aber auch die hatten das Ereignis schnell vergessen.
So schlich er betrübt zu Bubu und fragte: „Warum kommt niemand zu mir?“
„Weil Du zu niemanden gehst!“
„Warum denn das?“ erboste sich Hotz.
„Weil niemand zu Dir kommt!“
Hotz ließ seine Ohren locker, nur Haarspray hielt sie noch einigermaßen rechten Winkel, so dass sie nicht schlaff herunterhingen.
„Weil niemand zu mir kommt!“ Er erkannte, dass anscheinend die anderen sich auch um sich selbst kümmerten. Er verharrte kurz. Sein „Tschüss, bis später“ konnte die Eule nicht mehr hören. Zu weit hatte er schon seine Winkel geschlagen.
Kolumbi freute sich, Hotz zu sehen. Der Hase erklärte lang und breit, dass er sich den Fuß verknackst hatte und deshalb nicht kommen konnte und er gar nicht wusste, dass der Holzwurm keine Ohren hatte. Schwamm drüber. Er war da und zusammen knabberten Sie erstmal eine Stange Spargel. Kolumbi mochte am liebsten die holzigen Enden.

 So kann der 5. Wettkampf beginnen.

 Baumstumpfknabbern ist sehr künstlerisch. Und weil ein Kunstwerk nicht zu messen ist, also „Oh, mein Kunstwerk ist drei Kilo schwer“ oder „mein Kunstwerk ist wärmer als Deins“, beschließen sie, dass alle, wirklich alle Waldbewohner über das Kunstwerk abstimmen: Wer den schönsten Baumstumpf knabbert. Donky muss organisieren, dass jeder Bescheid weiß.

Beide suchen sich einen geeigneten Baumstumpf. Hotz murmelt noch etwas von „Ich mache etwas Persönliches.“ Kolumbi fängt schon an.
Sie knabbern und knabbern. Die Späne werden sofort von den Holzwurm-Kindern vertilgt oder Donky stopft sein Kissen damit aus. Erst als es dunkel wird, informieren Sie Donky, dass ihr Werk fertig ist. Donky hat aber keine Zeit. Dann eben morgen.
Alle sind versammelt. Die Sonne scheint und die Tiere werden zu den Baumstümpfen geführt oder das, was davon übrig geblieben ist. Doch sie sehen nur ein Kunstwerk! Ein lebensgroßer Greifvogel, der erhaben auf dem Sockel steht und seine Flügel spreizt. Da hat Hotz wirklich was Persönliches geknabbert und ist über seinen eigenen Schatten gesprungen, denn Bussarde, Falken und andere Greifvögel mag er nicht so. Die Versammlung ist begeistert. Die meisten mögen Greifvögel auch nicht so, aber so was muss man erstmal aus einem Baumstumpf knuspern.
Doch wo ist Kolumbis Skulptur? „Da“, sagt der Wurm und alle starren gebannt auf etwas, was sie noch nie gesehen haben: Kolumbi hat tatsächlich aus einem Baumstumpf ein Streichholz geknabbert. Die Menge ist fasziniert. „Wie kann er sich nur so etwas ausdenken?“, hört man ab und zu. Einige fallen in Ohnmacht.
Jeder legt eine Haselnuss an sein Lieblingskunstwerk. Mit 54:48 gewinnt Kolumbi. Ein Streichholz war einfach zu besonders, um es nicht zu würdigen!
Kolumbi ist seit dem nicht verschwunden. Er denkt an Bubus Worte. Dann müsste er ja wieder irgendwo hingehen und niemand würde kommen. Dann bleibt er doch gleich hier.
Es steht zwar am Ende 2,5 zu 2,5 (unentschieden), aber da er dadurch „König des Waldes“ bleibt, gibt es eben keinen „König des Waldkönigwaldes“. Er gratuliert Kolumbi herzlich und führt alle an seinen Bussard. „Eigentlich wollte ich ja ein Denkmal als Abbild von mir knabbern“, weist er ein, „aber ich habe keinen größeren Baumstumpf gefunden.“
Das wird eine große Party. Die Party zum Wettbewerb „König des Waldkönigwaldes“ ohne Verlierer.
 

 

 

 

Entry filed under: 04. Kids spezial, 06. Kurzgeschichten, Bildern, ohne uns. Tags: , , , , , , , , , , , , , , , .

Zeit für Kastanien Chinesisch essen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Trackback this post  |  Subscribe to the comments via RSS Feed


Ausgewählt

Kurz und bündig

  • Willkomen in der verrückten Welt von Donky, der Ente, und seinen Freunden!
  • Die meisten Beiträge entstanden aus Handspielen mit meinem Sohn Jan.
  • Hintergründe gibt es hier: Intro
  • Ein Steckbrief des Blogs, Kurzprofile der Figuren und Tipps zur Navigation unter: Neu hier!?
  • Stand der Abenteuer in der Kategorie (Sidebar): Stand der Dinge
  • Die Handfiguren sind im Text mit einem Link hinterlegt. Bei >Click< wird in einem neuen Fenster der Charakter vorgestellt. Alle kompakt unter: Akteure
  • Per Mouse over im Beitrag erhält man eine Kurzbeschreibung der Charaktere im Kästchen.

In Monaten

Kategorien

Immer aktuell

Kalendersuche

September 2008
M D M D F S S
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
2930  
__________

Fotos (Press red button)

Press button
free hit counters
Add to Technorati Favorites

%d Bloggern gefällt das: