Archiv für November, 2011
Immer geradeaus
„Immer geradeaus und gucken, was da los ist!“ Das war das Motto von Donkys Flugschule an der Nordsee, wohin ihn sein Bruder Gonky auf einen seiner berüchtigten Kurztripps aus Bonn genommen hatte.
Dass Enten gute Flieger sind, ist unbestritten, sogar sehr schnelle. Aber dass er als plumper Erpel fünf Dutzend Möwen hinter sich versammeln konnte, war schon bemerkenswert. Möwen sind nämlich wahre Flugkünstler. Aber anders als wir, die ihre Manöver völlig überzogen als majestätischen Akt der Freiheit bewundern, sehen sie darin eher eine ziemlich dröge Fischsuche.
Als Donky jedoch sie in die urbane Kunst des Fliegens einweisen wollte (gegen Bezahlung von Muscheln, versteht sich), waren sie ganz Ohr. Denn Donky legt vor allem Wert auf das gekonnte Posen und die Landeier von Seemöwen wollten es sich nicht zweimal sagen lassen, dasss man damit die verachteten Kormorane beindrucken kann.
Das Erfolgsrezept urbanen Fliegens ist schnell erzählt: Losfliegen, mit ernsten Blick immer geradeaus, denn das sieht zielstrebig aus. Dann auf einer einsamen Insel abchillen und teilnahmslos paar Krabben vom Felsen kicken und dann wieder zurückfliegen. Ebenfalls geradeaus. Das ist sinnlos, aber man kann sich voll auf seine Wirkung konzentrieren ohne lästiges Drumrum wie Fressen zum beispiel. Das Schwierigste dabei ist jedoch, die verdutzten Heringe rechts und links außer acht zu lassen, vor allem weil diese so verdutzt sind, dass sie vor den Augen der Möwen von den Kormoranen abgefischt werden. Das ist herb für Möwen. Sie lieben Heringe, auf ihre Art.
Dieses Spektakel trotzte den Rivalen wenig Respekt ab. Das höhnische Gelächter der Kormorane kann man auch mit weiter Auslegung nicht dazurechnen. Nun ja, Donky sammelte eifrig Muscheln und das war für ihn das Wichtigste. Es gibt nämlich keine Muscheln bei ihm im Park und auch damit kann man Eindruck schinden.
Als es allerdings zur dritten Flugstunde ging (Diesmal war der Leuchtturm Opfer der Invasion), hatte Donky die Rechnung ohne Klara gemacht. Klara ist recht stürmisch und bewegte sich gerade mit Orkanstärke auf die Küste zu, wie es für Sturmtiefs so üblich ist.
Klara versetzte Donky einen sehr starken Linksdrall, was alles andere als geradeaus ist. Auch der coole, stumme Blick ging über in ein panisches Geschnatter. Und spätestens, als Donky den Leuchturm verfehlte und stattdessen mit einen quiekendem „Mama“ die benachbarte Felsenwand runterflatterte, konnte man nichts Urbanes mehr erkennen. Die verdutzten Möwen schauten ihn auch nur an und warteten auf eine städtische Erklärung. Dies sei ein „Double-Halfslide-Diver“ meinte Donky dann auch stotternd, aber Möwen haben sonst keinen Kontakt zur Skaterszene und konnten damit nichts anfangen.
„Und jetzt?“, fragte die Schar, während sie unten über die Wellen schwappten. Donky wagte sich nach dem Desaster jedoch nicht mehr in die Luft und ihm fiel nur ein folgenschwerer Vorschlag ein. Das ging nicht lange gut. Die Möwen verließen nacheinander heimlich die peinliche Szenerie, während sich die Kormorane an der Felsenkannte vor Lachen kugelten.
„Köpfchen in das Wasser, Schwänzchen in die Höh’“ Das sollte den Möwen noch Monate nachhängen, denn heimlich Richtung offenes Meer zu entkommen, war nicht so einfach.
Tja, und Donky galt zwei Tage als verschollen, bis der Sturm sich gelegt hatte. Genug Zeit, dass die Möwen Donkys Muscheln wieder verärgert einsammeln konnten.
Klara verdammt wütend mit Nordsee:
Können Tiere lesen?
Ich werde in Fachkreisen öfter mal gefragt, warum die Tiere im Park eigentlich lesen können. Nun kann ich verstehen, dass Laien die Erforschung der Sprachevolution der Tiere nicht geläufig ist. Deshalb ein paar Worte zur Aufklärung:
Die weit verbreitete Meinung, dass Tiere nicht lesen können, hat ihren Ursprung in der kümmerlichen Intelligenz der Menschen, die sogar glauben, dass Tiere nicht sprechen können. Nur weil sie quaken, zwitschern oder zirpen, je nachdem, was ihre Anatomie gerade so hergibt, heißt das noch lange nicht, dass auf einem gemeinsamen Frequenzband nicht der menschliche Sprachcode mitschwingt. Oder genauer gesagt: der Fauna-Universal-Code für Kommunikation (kurz: FUCK), den sich die Menschen im Laufe der Evolution durch die natürliche Dauerbeschallung unterbewusst zu Eigen gemacht hatten, leider über die paar Jahrtausende hinweg sehr unvollkommen in ihr Sprachzemtrum übersetzt, wie die sinnlose, humane Sprachenvielfalt zeigt. Das Lesen ist dagegen nur ein läppisches Nebenprodukt für Tiere. Diese Fähigkeit ist angeboren.
Die traurige Liese
Stöhnte laut die dicke Liese:
„Was bin ich ‘ne arme Kuh!
Kalben and’re in die Wiese,
sehe ich nur traurig zu.
Ach, kein Bulle will mich decken.
Macht ein Kind mir, jetzt und hier!
Hätt’ ich doch mehr sexy Flecken!“
Das war’s nicht.
Sie war ein Stier!
Marlene
Donky, unsere doch eher gemütliche Ente aus dem Park, wollte mit seinem Bruder Gonky, seines Zeichens weltreisende Flugente, einen Ausflug machen. Nun ja, „Wollen“ ist vielleicht etwas zu weit gegriffen, denn wenn Gonky einen Ausflug plant, kann daraus schnell ein zünftiger Rundkurs werden, zum Beispiel die chinesische Mauer entlang. Deshalb hat er zum Vorschlag Gonkys zu einer Spritztour gen Osten auch seine Bedenken.
- Donky: „Sieht nach Regen aus!“
- Gonky: „Ach, das ist doch nur ein reinigendes Gewitter“
- Donky: „Vielleicht sollte es vorher ein bisschen reinigen, bevor wir losfliegen.“
- Gonky: „Was hast du gegen Marlene?“
- Donky: „Marlene?“
- Gonky: „Ja, da vorne, die Gewitterfront!“
- Donky: “ Du gibst Wetter Weibchennamen?“
- Gonky: „Nur Gewittern, der letzte Sandsturm hieß dagegen Friedhelm.“
- Donky: „Na gut, kannst du Marlene vielleicht auf später vertrösten?“
- Gonky: „Ooch, Marlene ist doch ganz harmlos“
- Donky: „Das nennst du harmlos? Ich denke eher, das ist eine kratzbürstige Zicke!“
- Gonky: „Da kennst du meine Ex-Freundin aus Amerika nicht!“
- Donky: „Ha, die hieß bestimmt ‘Windy’, oder was?“
- Gonky: „Nein, Katrina!“
Treffend formuliert
Heute lauschte ich einem Gespräch im Park:
„Du bist so widerlich! Den ganzen Tag ziehst du eine Schleimspur hinter dir her und kriechst in jedes Loch. Ekelhaft! Mit dir will niemand Kontakt! Aber du meinst, du bist besonders sensibel. In Wirklichkeit bist du völlig blind! Streckst nur überall deine Fühler aus, aber bloß nicht anstoßen! So wirst du nie vorankommen. Du hast einfach kein Rückrat! Und wenn’s drauf ankommt, ziehst du dich in dein Schneckenhaus zurück!“
„Hey, was soll ich machen? Ich bin eine Schnecke!“
„Stimmt auch wieder…“
Alter Friedhof
Da erwarte ich eine schwarzgewandete Senioren, die gebückt mit einer Gießkanne in der Hand in den Nebel des Friedhofs entschwinden. Und was ist Allerheiligen? Sonne! Blumen leuchten fröhlich auf den Gräbern. Sanft säuselnde Blätter funkeln im Gegenlicht. Glücksbeseelte Touristen schwadronieren in Kleingruppen über den Alten Friedhof in Bonn. Und ich habe mir gerade diesen Tag für eine Fotosession auf dem betagten Grund für ausgelagerte Humanreste, sorry für die seeligen Verstorbenen, ausgesucht.
Also spiele ich das Spiel mit und banne die Farbenvielfalt in mein Objektiv oder fotographiere einfach im Schatten für schwarz/weiß. Ganze zwei Stunden schlendere ich über das gar nicht mal so große Areal und tauche ab in eine vergangene Welt, die dennoch so gegenwärtig ist. Vor allem an diesem Tag.
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Wenn selbst Stein verblasst:
Starre Wächter mit ewigem Auftrag:
Verlorene Schönheit:
Weitere Impressionen
An die Griechen
Nicht, dass wir es euch nicht gönnen,
habt’s doch gerade nicht so fett.
Aber, auch wenn wir es können,
wär’ ne Gegenleistung nett!
Eine Hauptstadt ist zu öde.
Hätten auf Athen schon Bock.
Dicke Luft bei uns, zu blöde,
so behaltet euren Smog!
Tempel, Trümmer, Steine, Säulen:
Davon halten wir nicht viel!
Pfusch am Bau, man könnte heulen:
Alles and’re als stabil!
Hades, Zeus, die ollen Biester,
können wir nur schlecht verwenden,
denn wir haben sogar Priester,
die schon Gottes Kinder schänden.
Mit Zaziki und Suflaki
ist’s vorbei, könnt ihr nicht locken,
Könn’ wir besser. Auch Sirtaki
kann nicht DJ Ötzi rocken.
Eure Dichter, Philosophen,
nehmen wir nicht gerne mit,
Bohlen macht für uns die Strophen
und für uns denkt Helmut Schmidt.
Doch bei einem sind wir ohne,
nein, wir meinen nicht den Feta.
Hadern mit der Klimazone.
Gebt uns also einfach Kreta!











Euer Senf