Schwierige Diagnose
November 23
Kolumbi klagt über Schwanzschmerzen. Das hatte uns etwas verwundert, röchelte er doch eher aus der Nase oder dem nasenähnlichen Dingsda vorne am was weiß ich. Wenn Holzwürmer röcheln, klingt das wie ein batteriebetriebener Mickey Mouse – Wecker mit leerem Akku. Deshalb fragten wir auch, ob er vielleicht eher Halsschmerzen habe. “Nein!”, betonte er. “Ich habe gar keinen Hals!” Stattdessen habe er einen Bauch. Man röchelt jedoch selten aus dem Bauch. Das wäre schon stark verharmlosend. So einigten wir uns auf die Brust, was aber immernoch nicht Kolumbis Schwanzschmerzen erklärt.
Der Schwanz ist doch auch beim Holzwurm nur die Verlängerung des Rückens und ziemlich weit von der Brust entfernt. Und dann noch auf der anderen Seite. Außerdem dürfte ein Holwurm ohne Hals auch keinen Nacken besitzen, sodass der Rücken direkt in den Kopf mündet. Soweit die Theorie.
Kolumbi meint aber sogar, dass sein Kopf direkt am Schwanz ansetzt, völlig rückenfrei. Dem widersprachen wir jedoch energisch, weil der Bauch dann ziemlich in der Luft hängen würde ohne rückseitigen Gegenpart. Kolumbi hat aber gar nichts gegen frei schwebende Bäuche. Sein Bauch wäre außerdem fast überall, auch hinten.
Um die Verwirrung komplett zu machen: ‘Hinten’ ist bei ihm in der Regel oben und nur bei besonders steilen Bäumen hinten. Da unser Rücken jedoch zweifelsfrei hinten und nicht oben ist, wäre das gar nicht vergleichbar. Bei ihm ist hinten der Schwanz und wir haben ja auch keinen Schwanz hinten. Dann braucht er ja im Umkehrschluss auch keinen Rücken zu haben. Und überhaupt: Wo hört ‘hinten’ (oder besser ‘oben’) bei runden Würmern seitlich überhaupt auf? “Stimmt auch wieder”, räumten wir irritiert ein und verzichteten freiwillig auf den Rücken.
Wenn nun der Schwanz, der gleichzeitig der hintere obere Bauch ist, quasi schnurstracks an den Kopf grenzt, dem gegenüber direkt die Brust liegt, die faktisch der Hals ist, aber dieser ja eigentlich wie der Bauch auch nicht nur vorn unten zu finden ist, sondern ansatzlos dem hinteren oberen Schwanz entspricht, kann man großzügig auch von Schwanzschmerzen sprechen.
Ja, so musste es sein! Jedoch hatten wir ein begleitendes Symtom bei dieser Diagnose nicht berücksichtigt! Als Kolumbi heftig nieste und das ziemlich weit vorne, beförderte ihn der Rückstoß wie eine Weingummi-Rakete gegen das Bücherregel. Der Holzwum mag zwar Bücherregale, aber nicht wenn er mit voller Wucht dagegen knallt. “Aua! mein Schwanz!”, war auch der folgerichtige Kommentar. Aha!
Also finale Diagnose: bronchialinduziertes, redirektional ausstrahlendes Distalsyndrom mit temporärer Rektalamnesie.
Entry Filed under: Bildern, mit uns. Schlagwörter: Anatomie, Holzwurm, krank, Logik, Nonsens, Wissenschaft.
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1.
Miki | November 23 at 2009
hihi, so macht Bio Spaß
Ich hoffe, Kolumbi geht es wieder besser! Kurze Rückfrage: Was genau habe ich mir unter einer temporären Rektalamnesie vorzustellen?
STOP! Will ich das überhaupt wissen…? *gg*
2.
Donkys Freund | November 23 at 2009
Ganz unangenehme Sache! Wo soll ich anfangen?
Kolumbi hustet noch Bauklötze… das wird aber…
3.
Silencer | November 24 at 2009
Gut, dass ihr das alles in Erfahrung bringen konntet ohne jemanden sezieren zu müssen
4.
Donkys Freund | November 24 at 2009
Nur eine Lakritzschnecke, um zu erfahren, wo vorne und wo hinten ist…
5.
paleica | November 25 at 2009
eine wirklich interessante aufklärung (über verwirrung) über die anatomie des holzwurms (;
6.
freidenkerin | November 29 at 2009
Aha. Ausgesprochen interessante anatomische Abhandlung. Mein Lieber, da hab’ ich ja sogar am Adventssonntag wieder mal was dazu gelernt.
Herzliche Grüße, wünsche dir, den Deinen und der Bande einen schönen Wochenstart. Und dem Kolumbi selbstredend gute Besserung!
Wie schreitet dein Buch voran?
7.
Donkys Freund | November 30 at 2009
Es läuft! Die Zeit spielt mir zwar manchmal einen Streich (wie jetzt zum Beispiel), aber das Schöne an dem Buch ist, dass ich auch mal in der Mitte weiter schreiben kann (Einzelgeschichten, die eingesponnen werden).