Urbanstyle am Deich
November 5
Hat jemand schon mal Enten fliegen sehen? In einem Affenzahn immer geradeaus. Nicht schlecht für eine Ente, die sonst nur plump daherwatschelt. Aber was machen Enten eigentlich, nachdem sie geradeaus geflogen sind?
„Gucken, was da los ist!“, klärte uns Donky, unser Erpel, in Otterndorf an der Nordsee auf. „Und dann wieder zurück.“ Cool!
Kurz hinter der Elbmündung verbrachten wir eine Herbstwoche und Donky flog natürlich mit. Mops, die fette Möwe vom Rhein, kam auch mit, nur ohne Fliegen, stattdessen im Kofferraum. Das war ihr schon anstrengend genug. Sie wollte mal mit echten Seemöwen fachsimpeln, lernte jedoch nur ein paar Backfische und Krabben mit Majo kennen. Seemöwen denken da etwas komplizierter und machen sich die Mühe, Krabben selbst zu fangen. Und das auch noch ohne Majo! (Wer hat es schon mal geschafft, ein Krabbenbrötchen ohne vertikalen Verlust zu essen?)
Donky flog auch gleich kräftig geradeaus zum Deich, guckte ganz wichtig, was da los ist, und dann schnurstracks wieder zurück. Nur so! Alles andere hätte ja einen Zweck gehabt und wäre absolut spießig, meinte er. Zum Beispiel „Fische suchen“, wie die Möwen: Ein paar Flügelschläge hier, ein paar dort, dann nach rechts abgleiten, abtauchen und wieder in die Luft schwingen. Und alles mit verkrampften Blick zum Fisch. Das war was für Land- oder besser Seeeier (Wow, ein Wort mit drei e), aber definitiv nicht urbanstyle. Nichts tun, aber dafür auffällig. Das war stylish.
So hatte Donky auch bald ein reges Gekreische um sich herum und diverse Anfragen, wie man denn nur so eben mal gucken konnte, was da los ist. Ohne Fisch. Donky wies die unbedarften Vögel auf seine Metropolen-Herkunft hin und bot mal einen exklusiven Urbanstyle-Lehrgang an. Klar. Und so sah man am Abend einen Schwarm Möwen mit ernsten Blick hinter einer Ente hersausen. Auf die Dorfkirche, ein paar Tauben beim Paulus besudeln zugucken, und dann wieder zurück.
Am nächsten Tag die selbe Mission: Geradeaus fliegen und auf den Acker. Ein wirklich schöner Acker. Weitläufig und geruchsneutral gedüngt (für Möwen). Nur eigentlich hatte Donky den Leuchtturm angekündigt. Und der lag 300 Meter links. „Hey, das war eine Kurve, wie uncool“, beschwerten sich auch einige verwirrte Möwen und suchten zumindest einen Fisch in der Erde. Donky wand sich zwar noch geschickt raus, dass er den Acker mit dem Leuchturm verwechselt hatte, aber eines war nun klar: Er hatte die Rechnung ohne Windstärke 7 gemacht. Die Möwen dagegen nicht. Die konnten gar nicht rechnen. Deshalb müssen sie auch Fische fangen.
Donky musste seine Strategie ändern. So lud er die Möwen zu einem völlig flugfreien, aber extrem urbanen Event auf dem nahegelegen Baggersee als Location ein. Die Wellen schaukelten behäbig und ein paar Grashüpfer im Schilf boten sich als Fingerfood an. Name der Veranstaltung: „Chillen mit Grillen“. Rumdümpeln können Möwen zwar auch, aber ohne Namen dafür. Eine Name macht es aber erst aus. Es gab allerdings ein paar Proteste insektensympathisierender Möwen. Sollen sie an ihren Gräten doch ersticken! Trotzdem schlug Donky ein neutraleres Re-Branding vor: „Happen beim Schwappen“. Ein voller Erfolg. Auch Dank den Grashüpfern.
Donky flog nach zwei weiteren Städter-Feten („Relax im Gewächs“ und „Rock the Dock“ in Cuxhaven) sogar bei Windstärke 9 als frisch gekürte Ehren-Möwe zurück nach Bonn. Über Warschau.
Entry Filed under: 10. Die Bande unterwegs, Bildern, ohne uns. Schlagworte: Bilder, Geschichte, Nordsee, Wind.
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1.
Miki | November 6 at 2009
Das „Windstärke 5″-Bild ist super!
2.
Raven | November 6 at 2009
Seeeier hat genau genommen sogar 4! e’s.
Genauso kannst du jede Wette gewinnen, wenn du behauptest, dass „nämlich“ mit h geschrieben wird. Schau einfach mal genau hin. Fies nech?
Übrigens, wieder sehr schöne Bilder.
3.
Donkys Freund | November 6 at 2009
@ Miki: Danke, die Stimmung war auch genauso, wie sie rüberkommt.
@ Raven: Mit dem nämlich kam ich immer durcheinander. Hieß es jetzt „Wer nämlich mit oder ohne h schreibt ist dämlich“? So, Du hast jetzt noch eine Variante ins Spiel gebracht!
Noch faszinierender an Seeeier ist, wie mir gerade auffällt: 2 Konsonanten, 5 Vokale (hintereinander!).
Apropos: Wer kenn ein Wort mit 8 Konsonanten hinereinander? Na? Gibt es!
4.
Schonzeit | November 6 at 2009
Hach es wird Herbst an der Küste.
5.
Donkys Freund | November 6 at 2009
Ein Kenner!
6.
Schonzeit | November 7 at 2009
ein Küstenbewohner.
7.
Raven | November 9 at 2009
Viele schreiben bei dem Wort nämlich hinter dem ä noch ein h = ‘nähmlich’. Um uns Kindern das damals in der Schule auszutreiben, musste man immer folgenden Spruch aufsagen: „Wer nämlich mit h schreibt ist dämlich!“ Aber die Deppen haben das h am Ende des Wortes dabei vergessen.
Los, sag schon, wie lautet das Wort? Ich kenne nur ein Wort mit vier ‘z’! Adzwentzkranzkerzen.
8.
Donkys Freund | November 9 at 2009
Den Spruch kenne ich auch. Ich hatte nur immer vergessen ob er „Wer nähmlich ohne h schreibt ist dähmlich“ oder „Wer nämlich mit h schreibt ist dämlich“ heißt.
OK, das Wort mit 8 Konsonanten hintereinander….TUSCH…
Angstschweiß!
9.
Raven | November 9 at 2009
Iiiih, und dann auch noch so ein unangenehmes Wort!
10.
Donkys Freund | November 10 at 2009
Ich kann ja auch nichts dafür das „Muffensausen“ oder „Knieschlottern“ keine 8 Konsonanten hat.
11.
ruediger | November 12 at 2009
das letzte Bild ist ein toller Schnappschuss.
12.
Donkys Freund | November 12 at 2009
Danke. Für die Perspektive musste ich mich aber tief ins Watt legen.