Archiv für Mai 19
Aus alt mach bunt
Eine ganze Vitrinenwand voller Pokale und Orden, daneben ein Banner mit Hirschkopf und der Aufschrift “Glaube, Sitte, Heimat”, vergammelte, selbstgezimmerte Tische, graue Stühle, verhunzte, knarzende Dielen, die ihren miefigen Dunst im Raum verteilten. Die Tanzfläche hatte auch schon glänzendere Tage zu volkstümlicher Schlagermusik erlebt. An der anderen Wand neben diversen Zinntellern eine Armbrust und ein signiertes Bild von Horst Köhler in Nachbarschaft zum Ehrenvorsitzenden. Die Breitseite zierte eine graue Gardinenfront und die Decke aus dunklem Holz gab dem Raum die gefühlte Höhe einer Garage. Neonröhren hinter einer Holzverkleidung zeugen von nüchternem Pragmatismus. Die Schützenkönige thronten als Bilder ab 1900 mit aufwendigen, aber vergilbten Passepartous in schweren Rahmen über dem Thresen, wo Häkeldeckechen mit champagnerfarbenden Kerzen das Ambiente des “Schützenhauses” geschmackvoll untermalten. Der Schützenverein ist sogar so optimistisch, vorgestanzte Passepartouts für die Schützenkönige bis 2029 in einem Rahmen zu spendieren. Erst ab 1978 durften auch Frauen neben ihren Helden in traditioneller Tracht posieren, wie uns übrigens auffiel.
Wir hatten keinen anderen Ort für unsere große 40+ 10 Feier gefunden (40 Jahre ich, 10 Jahre verheiratet), der nah, laut betanzbar, bezahlbar, für 70 Leute weder zu groß noch zu klein und irgendwie auch nicht zu hip ist. Das finde ich manchmal zu bemüht up to date und deshalb langweiliger als einen Gemeindesaal. Nebenbei: Es war eine richtig gute Party mit 50% Bonnern, die wir in den letzten zwei Jahren kennenlernen durften und 50% von überall, wo wir schon mal waren…
Nur was macht man mit solch einem Raum? Bloß nicht verstohlen die Vitrine und Bilder abhängen. Bloß nicht sich selbst verleugnen. Diese Reliquien mussten lichttechnisch in Szene gesetzt werden. Seht her: Das ist ein echtes Schützenhaus und hier feiern wir! Möglichst wenig Sitzgelegenheiten, um Himmels willen keine Kerzen und Blümchen, nur Stehtische um die Tanzfläche…und bunt. Das war’s schon, um dem Raum einigermaßen den Muff zu nehmen, ohne ihn künstlich zu verbiegen (Zumindest diese Illusion brauchen wir…).
Vorher:
Feiertag und ich krieg’s nicht mit!
Toll, Donnerstag ist Christi Himmelfahrt, habe ich gestern erfahren. Jetzt schon, ich dachte erst in zwei Wochen oder so. Und wir sind eingeladen, habe ich auch gestern erfahren. Eigentlich wusste ich schon vorher von der Einladung, hätte mir aber erst in zwei Wochen darüber Gedanken gemacht, wo ich Christi Himmelfahrt vermutet hatte. Schon Mittwoch sind wir eingeladen, wie ich hörte, weil ja am Donnerstag Feiertag ist. Sonst hätte es sich nicht gelohnt. Schade, dass ich mir Freitag nicht freigenommen habe. Wie auch: Ich wusste ja nicht, dass Donnerstag Feiertag ist. Hätte ich natürlich mit Blick in den Kalender, aber Donnerstag ist ja erst übermorgen. Und zur Zeit reicht mein Blick nur bis maximal 23:00 Uhr des selben Tages, bis ich in mich hineinblicke und einschlafe. Leider ist davon auch das Musikquiz betroffen. Denn ich bin ja schon am Mittoch weg. Doof, aber wahr.








Euer Senf