Archiv für April 26
Worte auf der Goldwaage: Müssen
“Müssen ” ist das verbalisierte Pendant zu “Man “. “Du musst mal mein Fahrrad reparieren” (Family) oder “Wir müssen wieder gemeinsam anpacken!” (Politiker) oder “Ich muss leider jetzt gehen.” (Freunde) ohne weitere Ausführungen klingt sehr konkret. Ist es aber nicht, denn niemand weiß: Warum eigentlich? Die Steigerung heißt “Man muss mal…” oder extrem “Man müsste mal…”. Hier werden gleich drei Fragen aufgeworfen: Wer, warum und wann überhaupt? Also fast alle Fragen, die ein Satz beantworten sollte.
Deshalb plädiere ich dafür, dass “Müssen” nur noch mit dem Zusatz “um…” oder “damit…” genutzt werden darf. Fest im Lehrplan verankert. “Wir müssen wieder gemeinsam anpacken, damit wir uns auch in drei Jahren noch eine Playstation leisten können” wäre deutlich konkreter, für alle die sich in drei Jahren noch eine Playstation leisten wollen. Der Rest könnte sich beruhigt zurücklehnen.
“Ich muss leider jetzt gehen, um ’Verstehen Sie Spaß…’ nicht zu verpassen.” ist auch eine deutliche Ansage, dass es hier deutlich langweiliger als beim Senioren-Kichern von Frank Elsner ist. Und “Du musst mal das Fahrrad reparieren, damit ich mich nicht auf die Schnauze lege.” bietet auch viel mehr Spielraum für einen Aufwand-Nutzen-Vergleich.
Apropos “Aufwand-Nutzen”. Die Begründung von “Müssen” durch “um” oder “damit” darf nur dann umgangen werden, wenn ein “weil sonst…” folgt. Das klingt zwar auch sehr kausal, ist aber meistens nichts anderes als eine blumig formulierte Erpressung. “Du musst mir 50 € geben, weil ich sonst für nichts garantieren kann.” klingt einfach schöner als “Kohle her, sonst gibt es was auf die Fresse!”. Es gibt vielleicht auch subtilere Beispiele.



Euer Senf