Archiv für April 3
Worte auf der Goldwaage: Man
"Man" ist alles nur nicht "ich" allein. "Man" heißt entweder, "alle, nur nicht ich " oder "alle, deshalb ich auch ". Oder "ich, deshalb du auch " (mit der Variante "Die ganze Welt, deshalb du auch ). Der Extremfall lautet "Du, ich eigentlich nicht ." Manche sagen auch "du" anstatt "man". Allen voran Oliver Kahn. "Du must immer konzentriert sein im Tor!" Wer, ich? Wenn überhaupt "man" und das dann auch nur für Torhüter.
"Man" ist die beste Lösung, Verantwortung aus dem Weg zu gehen. "Man sollte mal…" heißt zum Beispiel oft "OK, wer fängt an? ". Oder hat jemals "Man sollte sich mal wieder treffen ." zum Erfolg geführt? "Ich" auszusprechen, erschreckt einfach zu sehr, auch Nicht-Torhüter.
Der Klassiker: "Das macht man nicht!". Das ist die Mutter des Gewissens. Das tumbe Gefühl der Ohnmacht oder die Aufforderung, genau das Gegenteil zu machen. Und beides aus einem Grund: Man kennt "man" nicht (Da war es wieder…). "Man" ist das ausgesprochene Überich. Das Wort in diesem Sinne ist Gift. Die Steigerung dieses Universal-"man" bedeutet "die ganze Welt ". Dagegen ist gar kein Kraut gewachsen, höchstens wenn ich erwidere: "Warum eigentlich?".
Es existiert jedoch noch eine Killer-Variante von "Man sollte mal…". Die schlimmste Variante ist nämlich das subtile "man" als Aufforderung. Bedeckte Offenheit. Die Menschen, die das Wort so infiltrieren, fühlen sich komischerweise überproportional oft missverstanden und haben es meistens mit unsensiblen Leuten zu tun. Es bedarf einfach auch höchster Einfühlsamkeit in die Hirnwindungen und Seelenströme dieser Unverstandenen, um ein "Man sollte mal…" als "Mach mal!" oder ein "Man sollte ja nicht.." als "Das war aber doof von dir! " zu interpretieren.
Man hat es schon schwer mit dem "man"!



Euer Senf