Zum Wohl (2)
März 5
Wenn ich in mir teils fremder Gesellschaft das Glas hebe, weiß ich nie was ich sagen und machen soll. „Prost“ klingt so spelunkenmäßig, „zum Wohl“ sagen meine Eltern, „Cheers!“ wirkt etwas weltmännisch protzig. Und zu warten und dann auf „Prost“ einfach mit „Prost“ zu antworten, finde ich zu einfallslos, ein „Dito“ dagegen pseudolustig. Manchmal zwinkere ich dann nur zu. Bei der Wahl eines „Auf die, den oder das…“ muss auch was Sinnvolles folgen. Mir fällt da meistens nur „die Zukunft“, „den schönen Abend“ oder „die Liebe“ ein. Schlimmer noch, wenn jemand etwas vorgibt wie zum Beispiel „Auf dass wir öfter so nett zusammensitzen!“ oder andere peinliche Gesprächslückenfüller. Muss ich das dann wiederholen? Oder nicke ich nur wohlwollend und murmele „Ja, ja!“?
Anschließend gleich die nächste Herausforderung: Stoße ich an oder hebe nur das Glas? Wenn einer anfängt, muss jeder mit jedem seine Gläser klingen lassen. Stimmt doch, oder? Das muss anscheinend eisern durchgezogen werden. Aber wenn ich anstoße, darf ich mich dann über Kreuz mit anderen Anstoßern über den ganzen Tisch beugen? Bei 8 Leuten müsste man übrigens insgesamt 7+6+5+4+3+2+1 mal anstoßen, also 28 x. Da ist das Essen schon kalt.
Und dann noch dieser Zwang zum Augenkontakt. Das ist doch kaum zu schaffen ohne Rotweinflecken. Zur Strafe gibt es dann bekanntlich sieben Jahre schlechten Se.xx . Ich hab schon 154 Jahre zusammen, fragt sich nur mit wem.
Am liebsten würde ich, sobald die Gläser gefüllt sind und das Essen auf dem Tisch steht, einfach ohne viel Palaver gleich losspachteln…Ich glaube, ich mache mir gerade unnötig Gedanken…
Entry Filed under: Worte auf der Goldwaage. Schlagworte: Gedanken, Prost, quatsch.
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1.
freidenkerin | März 5 at 2009
Ich empfehle den zutiefst bayerischen Trinkspruch: „Schwoab’s obi, oide Hütt’n, so jung kemma ma nimmer z’samm!“
(Spül’s runter, alte Schachtel, so jung *ggg* treffen wir nicht mehr aufeinander)
2.
Donkys Freund | März 5 at 2009
Danke, ich versuch’s aber besser mal auf Hochdeutsch, sonst spucke ich den anderen ins Glas. Im Ruhrpott bietet sich auch noch „Hau wech, die Pfütze“ an.
3.
freidenkerin | März 5 at 2009
Ooch, „Hau wech die Pfütze“ würde doch bestimmt bei einem gehobenen Anlass die Stimmung erheblich lockern. Oder nich?
4.
Schildmaid | März 7 at 2009
Eule™ würde einfach nur „Uhu“ sagen. Sie meint, damit sei alles gesagt.
Ich persönlich mag das „Zum Wohl“ sehr gerne. Es mag etwas antiquiert klingen, vielleicht gefällt es mir aus diesem Grunde erst recht. Bei „Prost“ wird mir unwohl, und bei “ Tschinn Tschinn!“ wird spontan der Wein sauer und korkig zugleich. Geht also gar nicht.
In diesem Sinne: „Zum Wohl, lieber Freund von Donky!“
(Und jetzt stelle ich mir vor, wie Du mir zuzwinkerst…. )
5.
Silencer | März 7 at 2009
Ein simples „Salute“ ist nie fehl am Platz. Dieses kuhäugige Anglotzen nervt mich in der Tat auch.
6.
Donkys Freund | März 7 at 2009
@ Schildmaid: Auf „zum Wohl“ komme ich wohl oder übel (haha) auch oft zurück. Hat immerhin was Klassisches. *zwinker*
@ Silencer: DAS ist es! „Salute“! Nicht abgedroschen, aber solide. Nicht möchtegernwitzig, aber kreativ. Danke
7.
Schaps | März 7 at 2009
Also das mit dem Augenkontakt ist schon ein Muss. Aber für mich jetzt nicht unbedingt aus Aberglaube oder so, sondern weils sich gehört…das wirkt total behämmert wenn man anstößt und die Person nicht ankuckt. Und noch schlimmer ist es, wenn man dann noch nicht einmal was trinkt! *kotz*
Prost ist für mich der absolut legitime und keinesfalls altbackene Trinkgruß…mehr kann, aber muss nicht sein. Absolut unmöglich ist Cheers…nee, das geht echt GAR NICHT!!
8.
Donkys Freund | März 8 at 2009
Augenkontakt UND anstoßen zu dritt oder viert ist ja noch OK. Wenn mehr anwesend sind, wird es krampfig. Dann nur hoch die Gläser und einen Blick in die Runde.
9.
Schaps | März 8 at 2009
Jup…rumkucken und Glas demonstrativ anheben ist in Ordnung
10. Heutzutage « Donkys Welt | März 27 at 2009
[...] 27, 2009 Nun habe ich ja schon einige Worte und Phrasen (Zum Wohl , Mahlzeit , Aber-Und und Werter als Anrede) durchleuchtet. Alle sind mehr oder weniger [...]