Wie dieses Blog entstand…
November 11
Ich hatte keine Ahnung: Pingbacks, Technorati, WordPress, Widgets, Feedreader? Das alles waren Fremdworte und zunächst so attraktiv wie eine IKEA-Anleitung. Im Notfall werden die Bretter auch erstmal zwei Wochen in die Ecke gestellt.
Blogs waren für mich irgendwelche Krebs-Tagebücher zum Mitweinen, Politiker-Bashing als Hype, exotische Journalisten-Projekte oder vernichtende Mobbing-Tools. Was man eben so liest. Ein paar lustige Comic-Strips vielleicht noch.
Aber von vorn:
Unsere Rollenspiele rund um Donky sind bekanntlich schon über drei Jahre alt. Und 3 x ca. 300 Tage ergeben fast 1000 Geschichten von bedeutungslos trivial bis kreativ fortsetzungsträchtig. Alles war spontan irgendwie da und genauso spontan wieder weg, aber immer blieb genug hängen, um die Figuren weiter entwickeln zu können. In unserer kleinen Welt. Es gab und gibt kein Drehbuch.
Bis ich merkte, dass die Figuren auch bei anderen ankommen. Zuerst bei ein paar Eingeweihten im näheren Familien- und Bekanntenkreis. Nach knapp zwei Jahren bei Kindern, angefangen bei Nicole, Jan’s Freundin. Donky war hip! Er durfte alles. Er war das, was Kinder nicht durften, aber gleichzeitig auch der Prügelknabe. Morgens wurde ich schon gefragt, wo Donky ist. Leider mussten wir umziehen und mit uns Donky, weg von seinen Fans.
Inzwischen stellte ich die wachsende "Bande" meiner Arbeitskollegin vor, nachdem sie mich vor der CeBIT mit verrenkten Fingern am Handy erwischte. Live oder per E-Mail im Memo-Style hielt ich sie auf dem laufenden. "Schreib doch mal ein Buch darüber! Ich bin Dein erster Leser!" Ich kann mich gut an diesen Satz erinnern. Ein Buch also. Ein Buch? Bitte ich doch nicht. Kann ich nicht. Ich bin kein Autor. Geht nicht. Außerdem viel zu aufwändig. Schwerer Markt. Ja, ja, ein Buch, ha, ha…(2 Monate Pause)…
Ein Buch? Warum eigentlich nicht! Stoff ist genug vorhanden. Der Rahmen um Handfiguren ist neu. Die schrulligen Charaktere lösen sich von den Tigerenten, Papa Bärileins und Harry Potters dieser Welt. Und auch mal gern pädagogisch "unkorrekt" und mitten im Alltag. Das Ganze ist real und fiktiv mehrschichtig. Es ist erprobt und neu zugleich. Und ich kann die ganzen einmaligen Erlebnisse mit Jan festhalten. So eine Art "Vater-Sohn"-Buch. Nun hatte ich aber den Salat:
> Für wen ist das Buch eigentlich gedacht? Welcher Schreibstil ist der Richtige? Kann man die Figuren in Buchstabenformat pressen? Ist das ein Kinderbuch, ein Eltern-Erfahrungsbericht oder -Ratgeber, eher biografisch oder eine Art Kreativanleitung zum Selbermachen? Oder gar ein Erwachsenenbuch? Oder gleich alles?…(2 Monate Pause)…
Ja, es war alles und damit zu viel auf einmal und ich wollte herausfinden, was ich davon eigentlich kann und will und wie es zusammenpasst. Irgendwie, denn ganz nebenbei arbeite ich ja noch voll, immer öfter auch noch voller, und habe eine Familie, die mir sehr, sehr wichtig ist.
Wie wärs mit einem Blog?! Ich forschte nach: Diese schwammigen Tagebücher, wo jeder schreibt, was ihn gerade beschäftigt, kurzweilig und vom reinen Lesestoff her schnell vergessen? Ein Medium, das mehr vom Autor selbst lebt als von seinen "Geschichten"? Ja, egal! Genau dort könnte ich auch multimedial alles rund um Donky erzählen, mal als Kindergeschichte, mal Erfahrungsbericht oder mal was ganz anderes. Mal kurz, mal lang, mal ausgeschmückt, mal spontan eingeworfen. Und ich würde nicht Monate, Jahre, Jahrzehnte einsam vor dem Laptop vor mich hinschreiben, sondern bekäme das direkte Feedback oder eben auch nicht. Und das ganze interaktiv mit Jan und vor allem spontan, wie die Anekdoten meistens auch entstehen!
Ein Blog? Es dauerte Wochen, bis ich Hintergründe, Funktion, Wirkungssystem und Software dieser neuen Welt erfasst hatte. Ich kann nicht einfach loslegen. Ich brauche den roten Teppich. Es ist nur sehr mühsam, mir diesen selbst auszulegen. Und so rollte ich ihn lieber nochmal ein. Der Entschluss stand aber fest: Ein Blog!…(2 Monate Pause)…
Ich drehte mich im Kreis: Wie fange ich an? Wie hole ich die Leute ab? Wen spreche ich überhaupt an? Und will ich in dieser Community eigentlich "leben"? Ist Donkys Welt zu komplex für den schnellen Feed? Oder weder Fisch noch Fleisch, weder niedlich noch provokant? Wer liest das überhaupt? Kinder? Gibt es Kinder in der Blogwelt? Nein! Aber zumindest Väter! Väter? Nein, keinen gefunden, der "Vater" auch zum Thema hat. Oder wer noch?
Alles, was mir zunächst über den Weg lief, ordnete ich in offensichtlich kinderlose Singles/Paare mit weitgehend kinderlosen Schreib- und Lesegewohnheiten, teilweise sehr talentierte Poetry Slammer, (aber ohne Kinder und komisch eingekapselt in ihrer eigenen Welt), Hobby-Journalisten, Game-Freaks oder Extrem-Mütter (mit meist sehr jungen Kindern auf sehr vielen Bildern) ein. Das machte wenig Mut, meine "Zielgruppe" zu finden. Inzwischen weiß ich, dass die Schubladen zum Glück deutlich offener sind. Väter, die als Väter schreiben, bleiben allerdings sehr, sehr selten.
Den Anstoß, diese ganzen Unwägbarkeiten wegzuschieben, gab mir ein Termin, den ich mir im Schottland-Urlaub selbst setzte, unterstützt durch die "Freistellung" meiner Familie. "Wenn ich diesen nicht einhalte, dann nie!" Ganz einfach, denn sonst wäre es die Sache auch nicht wert. "Ist doch erstmal egal, was raus kommt, es wird sich schon finden!" (ein sehr untypischer Gedanke für mich, aber genau der richtige.) Und der erste Beitrag wirkte wie ein Streichholz, den ich anzündete und das Feuer brennt seit dem weiter. Jetzt benötige ich keinen roten Teppich mehr. Das Blog ist ein Stück in unsere "Nebenwelt" eingerückt. It works!
Mir ist bewusst, dass ich eine Nische in der Blog-Welt besetze. Jedenfalls kenne ich kaum (halb)fiktive Blogs (außer wenig spontane Prosa- und Poesie-Blogs), erst Recht nicht für und mit Kindern. Und das Ganze ungeschult, ungeübt und ungeschliffen. Aber hiermit konserviere ich Ideen…und bekomme neue. Es wäre einfach schade drum. Auch Jan -und das freut mich sehr- bekommt neue Impulse (Foto, Video, Geschichten schreiben) und Spaß, auch mal um die Ecke zu denken. Und wir freuen uns natürlich über die langsam aber stetig wachsende Leserschaft, die ab und zu in diese Welt eintaucht. Mal sehen, wie es weiter geht.
Ich habe das nur mal runtergeschrieben. Klingt alles noch etwas wirr, wenn ich mir das durchlese. Ich lass es mal so. Das darf ich in einem Blog
(Allen, die mehr über dieses Blog wissen wollen, lege ich diese Seite >>Klick<< ans Herz.)
Entry Filed under: 02. Alles um dieses Blog, mir & uns. Schlagworte: Anlass, Blog, Buch, Kinder, kreativ, Leben, Phantasie, Rollenspiel.
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1.
Silencer | November 11 at 2008
Meiner Meinung nach hast Du das bisher alles sehr gut unter einen Gut bekommen. Gerade die vielen Links auf die Charaktere machen es auch Neueinsteigern leicht, sich in Donkys Welt zurecht zu finden.
2.
weltdeswissens | November 11 at 2008
Also, erstens lese ich gern bei Euch!!
Zweitens: Das Blog ist beeindruckend gut strukturiert. Und Sie wollen ein Wookie sein? Sie bringen mir ständig neue Sachen bei. Angeber
3.
Donkys Freund | November 11 at 2008
@ Silencer: Danke für das Feeback. Immer 2 Schritte vor und einen zurück. Dann klappt das schon.
@ WeltdesWissens: Vielen Dank, dass unser „abgefahrenes“ (gern von anderen benutzes Wort) Paralleluniversum gefällt. Und ich bin zwar ein Pookie in der Blogwelt, mit Internet habe ich öfter mal zu tun (gehabt). So genug angegeben
4.
Renee | November 12 at 2008
kann das ganze richtig nachvollziehen, der Moritz hat auch erst angefangen „zu leben“ als sich ein stetige Leserschaft bildete … wie? du kennst Moritz nicht? Dann schau mal nach unter Moritz Meerkat und nimm Jan mit
))
5.
piri | November 13 at 2008
Das was du machst ist genial, mir gefällt es und als ich es einmal Carsten zeigte, meine dieser (was wirklich als Lob aufzufassen ist): „Das ist ja ganz schön nett.“ Leider sieht mein Sohnemann so schlecht.
Lass es wirr sein, oder denke, dass es wirr ist – jedenfalls die Filmchen (der Quiz reißt mich nicht vom Hocker) sind wundervoll und tun der Seele gut!
6.
Donkys Freund | November 13 at 2008
@ Piri: Vielen Dank, das freut mich sehr, dass es gut tut! UNS freut es sehr! Und wenn auch Kinder damit etwas anfangen können, umso mehr.
Wirr fand’ ich nur den Beitrag, ich bemühe mich schon, Struktur in das Blog zu bekommen. Man kommt aber nicht drumrum, den ein oder anderen Link mal anzuklicken, um den Zusammenhang zu begreifen.
@ Renee: Ja, leben muss das schon. Ich bin kein Feed- und Visits-Hinterherhechler. Dadurch ginge die Identität des Blogs kaputt, aber ein Dialog von außen mit der Bande und um sie herum schafft Neues. Also freue ich mich auch über Leser.
(Bei Moritz Meerkat habe ich schon mal reingeschnuppert, muss aber nochmal weiter hinten anfangen. Spaßig!)